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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 411

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 411 (sequence 11)
Language
German
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Der Schlüssel. 411 sagte er sich selbst entschuldigend, „was war' aus mir geworden, ich Hab' so viel «Sechel» (Vernunft), als ich zu meinem Geschäft brauch', und damit könnte sie zufrieden sein. Was sie mehr will, das sind ihre Caprieen, die sie an sich hat. Felix ist schon damals ein «Ganewkopf» (durchtriebener) gewesen, wie er bei der Prüfung geantwortet hat; alles hat er auSspeeutirt. Was hat er damals nicht getrieben mit dein Schlüssel. Was hat denn der Buchhalter damals für eine »Chochme» (Weisheit) aufgethan? Wenn man ein Schloß aufsperren will, muß man dazu einen passenden Schlüssel haben. Wie heut' denk' ich's noch, wie die lange Jittel ihn damit ausgelacht hat; denn das weiß ein jedes Kind. Felix aber ist herumgegangen wie Eeschugeh«: was hat er damit gemeint, und was hat er damit gemeint? als wie wenn inan immer etwas meinen müßte. Wenn wir heut' nicht so ganz auseinander wären, möcht' ich ihn fragen, ob er es heut' schon weiß, was damit gemeint war, wenn einer mit einem Schlüssel ein Schloß aufsperren will." Bei diesem Gedankengang heftete sich sein Auge unwillkürlich an eine Stelle an der Thüre, wo an einem eisernen Haken ein mächtiger Schlüssel hing. Unwillkürlich erhob er sich und langte nach dem Schlüssel, und wie von einer geheimen Macht getrieben, steckte er ihn, anstatt ihn auf den frühem Platz zurückzubrinqen, in seine Rocktasche. Der Hunger erinnerte ihn nun wieder daran, daß er nicht wie Felix sei. „Ich weiß nicht, warum ich mich vorhin so gefürchtet Hab', und wennBärl Lederer gar hereingekommen wür'. Ich möcht' haben, er soll jetzt hereinkommen, augenblicklich möcht' ich mir ein Stück Brot abschneiden." Hierbei nahm er den Laib Brot, schnitt ein tüchtiges Stück ab und machte einen Versuch, dasselbe an den Mund zu bringen; da fuhr ihm plötzlich etwas durch den Kopf. „Nein", rief er, „da nicht, anderswo", und das Brot wanderte in seine Rocktasche. „Bärl Lederer soll wissen wer ich bin, und sie auch, sie soll sehen, ich kann noch mehr wie er." Entschlossen machte er sich auf, ging hin zu Cheile Günslerin, kaufte ein Viertel gebratene Gans, indem er vorgab, noch heute Abend ins Dorf hinaus zu müssen, wo er für den nächsten Tag etwas Vorrath mithaben wolle, nachdem er die neun Tage hindurch lauter Mehlspeisen gegessen habe. Die Gans wanderte rasch in seine Rocktasche, in der sich auch das erkleckliche Stück Brot befand, welches er zu Hauie früher abgeschnitten hatte. Hierauf ging er hinüber zu Reb Refol Branntweinschenker und ließ sich ein Fläschel Branntwein geben, weil er Fußschmerzen hat und sich die Füß' mit Branntwein waschen lind einreiben muß. Auch dies Fläschel Branntwein sank hinab in den tiefen Abgrund einer seiner Rocktaschen, und so beladen ging er seiner Wege und schlich wie einer, der zur Nachtzeit auf Raub ausgeht, nicht durch die Gasse, sondern hinten aus, scheu umherblickend, ob er von niemand bemerkt werde. „Wenn sie mich haltei: für einen »Mauiser» (Abtrünnigeil)", sagte er, „so will ich thun wie ein - Manifer»." Die Nachmittagsstunden des langen und heißen Sommertags schlichen träge dahin, und die Leute in der Gasse brachten sie, so gut es ging, in Erwartung des Abends zu. Cheile Gänsterin, die schon am Tischeb'ow ein gutes Geschäft gemacht hatte, sagte zu ihrer Nachbarin Zipperl : „Das heißt eine Eil', was Gumpel hat; wenn er morgen im Dorf geht, hätt' er gar nit Zeit genug. Heut' Nacht noch muß es sein. Morgen hätt' er können frische Gans haben, wenigstens Hab' ich das letzte Stückel angebracht, was mir von «Schabbes» übrig geblieben ist, mW das mir bei der Hitz' bis morgen verdorben wäre." „Was geht das dich an", erwiderte die Nachbarin, „wenn er noch heut' hinausgehen will, »tommer» (vielleicht) hat er heilt' noch draußen zu thun; und wenn er verstunkene Gans effen will, so ist das auch nicht deine »Deige» (Sorge). Ein jeder kann eisen, was ihm schmeckt." „Ich sag' ja nichts", entgegnete

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