Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Schlüssel. 409 Willkür lind Gewalt. Um sie weint lind blutet mir das Herz, thränt mein Auge, jammere und klage ich, wenn ich ihrer gedenke, die Israels Zierde und Stolz gewesen, die Träger des Heiligen, auf deren Haupt einst Krön' und Diadem geruhet. Mit reinem Herzen, heiligem Sinne erlitten sie den schweren Tod. „Das Los entschied, wer zuerst dem Schwert verfallen sei, und es siel das Los auf Rabbi Simon. Und er hielt hin den Hals und weinte, als es verhängt ward über ihn, und der Zwingherr ließ ihn tödten mit kaltem Blut und Herzen. „Ein Priester war aus Aharon's Stamm, der bat, daß ihm gestattet sei, zu weinen um den treuen, treuen Sohn des göttlichen Gesetzes; er nahm sein Haupt, die reine Leuchte, in der das Gotteslicht geleuchtet, und legte es auf seine Knie, drückte seine Augen auf die seinen, den Mund in reiner Zärtlichkeit und Liebe auf den seinen und sprach: «Ach, der Mund, der Gottes Wort verkündet, der verstummt!» Und plötzlich ward auch über ihn verhängt der schnelle schwere Tod. Der Zwingherr ließ ihm mit dem Messer die Halit vom Haupte abziehen. So erfüllte er an seinem eigenen Leib lind Fleisch das Wort der Schrift: Beug' und bück dich, daß sie dich mit Füßen treten! Wie der gottlose Mensch, der ihm das Fell abzog, an die Stelle kam, wo er die Tephillin trug nach Gottes Lehre lind Gebot, da schrie er fürchterlich, daß die Welt erschüttert ward lind die Erde bebte. „Nach ihm kam Rabbi Akiba, der nlit raschem Sinne und Geist, was fest wie Berge stand, entwurzeln lind zermalmen konnte; und sie kämmten ihm das Fleisch vom Leibe mit eisernen Kämmen, um seineil Muth zu brechen; aber er bekannte seinen Glauben und mit dem Worte: Gott der Einige lind Einzige! ging ihm die Seele aus. Und eine Gottesstimme rief: Heil dir, Rabbi Akiba, rein ging deine Seele ans dem reinen Leib! „Nach ihm kam Rabbi Juda ben Baba, der ging mit gebrochenem Herzen und ahnungsvoller Seele in den Tod; ein Greis von siebzig Jahren, siel er durch verruchte und verfluchte Hand; ein frommer Büßer, der stets gefastet lind sich selbst kasteit; ein Mann von reinem Sinne und lauterem Wandel, fromm lind bieder, der emsig stets und eifrig Gottes Wort betrieben. „Rabbi Chananjah ben Taradjon kam nach ihm; der hatte Schulen gestiftet. Jünger in Scharen versammelt, lind wie er saß und lehrte, ward er ergriffen, und die Sepher Thora hatte er bei sich; lind sie wickelten ihn in die Thora ein, schichteten Weinlaub und Ranken auf um ihn herum und zündeten das Feuer an. Schwämme voll Wolle legten sie ihm auf die Brust, um ihm das Herz zu kühlen, daß er nicht so eilends sterbe. „Es erschlugen auch die Gottlosen den frommen Rabbi Jeschewow, den Schriftkundigen, lind warfen ihn den Hunden vor, daß er nicht bestattet werde und im Grabe ruhe. Von ihm ging eine Gottesstimme, daß er von allem, was von Moses' Lehre und Gesetz geschrieben stehe, keines je unbeachtet lind unbefolgt gelassen habe. „Nach ihm siel Rabbi Ehuzpit an einem Unglnckstage. Der Vogel, der in den Lüften flog, ward verbrannt durch seines Mundes Hauch und Odem (so feurig glühend und beredt war sein Wort). „Der letzte war Rabbi. Elasor ben Sammua, der Fromme und Gerechte, der unter des Schwertes Schärfe siel. Es war gerad' an einem Freitag Abend, als er den Sabbat heiligte und den Kidusch sprechen wollte, und sie zückten gegen ihn das Schwert und ließen ihn nicht lebend enden das Gebet. Mit dem Wort: «Das Gott geschaffen und gemacht, Gott der Schöpfer und der Bildner!» ging ihm die Seele aus. „So haben die Gottlosen viele und viele gemartert und geängstigt, gesteinigt und verbrannt, mit Schwert und Strang und Feuer gewüthet gegen sie. Wer könnte das alles beschreiben? Was übrig blieb, das ward zerstreut wie eine Heerde Schafe, und die Schafe fraß des Löwen Gier, die gottgeweihten Opferstücke zerriß der wilde Leu. „Möge Gott uns nun gnädig sein