Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Farren, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr hereinkommt, zu erscheinen vor mir: wer fordert solches von euern Händen, daß ihr auf meinen Borhof tretet? Bringet nicht mehr Speiseopfer so vergeblich. Das Räuchwerk ist mir ein Greuel. Der Neumonden und Sabbate, da ihr zusammenkommt nnd Mühe und Angst habt, derer mag ich nicht. Meine Seele ist feind euern Neumonden nnd Jahreszeiten; ich bin derselbigen überdrüssig, ich bin es müde zu leiden. Und wenn ihr schon euere Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und ob ihr schon viel betet, höre ich euch doch nicht; denn euere Hände sind voll Bluts. Waschet, reiniget euch, thut euer böses Wesen von meinen Augen, lasset ab vom Bösen; lernet Gutes thun, trachtet nach Recht; helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht und helft der Witwen Sache. So kommt dann und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn euere Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbc, soll sie doch wie Wolle werden. Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen. Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden; denn der Mund des Herrn sagt es. Wie geht das zu, daß die fromme Stadt zur Buhlerin geworden ist? Sie war voll des Rechts, Gerechtigkeit wohnte drinnen, nun aber Mörder. Dein Silber ist Schaum geworden und dein Getränk mit Wasser vermischt. Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke und trachten nach Gaben; den Waisen schaffen sie nicht Recht und der Witwen Sache kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herr, Herr Zebaoth, der Mächtige in Israel: O wehe, ich werde mich trösten durch meine Feinde und mich rächen durch meine Feinde. Und muß meine Hand wider dich kehren und deinen Schaum aufs lauterste fegen, und alles dein Zinn wegthun, und dir wieder Richter geben, wie zuvor waren, und Rathsherren wie im Anfang. Alsdann wirst du eine Stadt der Gerechtigkeit und eine fromme Stadt heißen. Zion muß durch Recht erlöset werden nnd ihre Gefangenen durch Gerechtigkeit, daß die Uebertreter und Sünder miteinander zerbrochen werden und, die den Herrn verlassen, umkommen. Denn sie müssen zu Schandeu werden über den Eichen, da ihr Lust zu habet, und schamroth werden über den Gärten, die ihr erwählet. Wenn ihr sein werdet wie eine Eiche mit dürren Blättern, wie ein Garten ohne Wasser. Wenn der Schutz wird sein wie Werg und sein Thun wie ein Funke, und beides miteinander angezündet werde, daß niemand lösche." Am größten und tiefsten aber ist die Trauer am letzten Tage der drei Wochen, am' neunten Tage des Monats „Aw" (ungefähr August), am Tischeb'ow. Sie enthalten sich wie am Vcrsöhnungstage von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang jeglicher Nahrung; kein Trunk Wasser labt den lechzenden Gaumen. Am Borabend wird in der Synagoge das „ProicheS" (der Borhang vor der Bundeslade) heruntergenommcn und die Thüren derselben zeigen sich nackt den wehmüthigen Blicken; denn auch in Jerusalem ist der heilige Tempel entweiht und geschändet worden. Sie entkleiden sich der Schuhe, um die nackte Sohle an Dorn und Stein zu ritzen, denn die Väter gingen auch nicht auf Rosenwegen, da sie in die Gefangenschaft geführt wurden. Sie sitzen auf der Erde und singen die „Echa", jene rührende Klagelieder des elegischen Propheten Jeremias, deren letztes wir bereits kennen gelernt haben. Am Morgen wiederholt sich dasselbe, dann singen sie „Kinnes" (Trauergesängc) und erzählen sich weinend die Geschichte von der Erschlagung der zehn Märtyrer („Aßore harugeh Matches"): „Männer wie die Cedern des Libanon, Stammhalter und Schildträger des Gesetzes, die Helden der Mischna lind Gemara, Männer von entschiedener Thatkraft, von reiner und lauterer Gesinnung fielen unter den Schlägen der Gewalt und vergossen ward ihr Blut. Zehn sind der Heiligen, die für den Glauben sind gefallen als Opfer der