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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 407

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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-167 Der Schlüssel. ihnen, wenn sie müde sind, doch keine Ruhe läßt. Wie sie sich an Aegypten und Assur ergeben mußten, auf daß sie doch Brot satt zu essen hätten. Die Väter haben gesündigt, die sind nicht mehr, jetzt müßten sie die Missethat entgelten. Knechte herrschen über sie, und niemand, der sie errette. Mit Gefahr des Lebens müssen sie Brot holen vor dem Schwert in der Wüste, und wie ihre Haut verbrannt sei, wie in einem Ofen, vor dem gräulichen Hunger. Wie die Weiber zu Zion geschwächt wordeir und die Jungfrauen in den Städten Juda, und wie ihre Fürsten gehenkt worden und nicht geachtet die Person der Alten. Die Jünglinge haben müssen Mühlsteine trageil und die Knaben über dem Holztragen straucheln. Die Alten sitzen nicht mehr unter dem Thor und die Jünglinge treiben mehr kein Saitenspiel. Ihres Herzens Freude Hab' ein Ende, ihr Reigen sei verkehrt in Wehklagen; die Krone ihres Hauptes — abgefallen, weil sie, o wehe! so gesündigt haben. Daruin sei ihr Herz so betrübt und ihr Auge so finster geworden. Um des Berges Zion willen, daß er so wüste liegt, daß die Füchse darüber laufen. „Aber", rufen sie iil ihrer Klage, „du Herr, der du ewiglich bleibest, und dein Thron für lind für! Warum willst du unserer so gar vergessen und uns die Länge so gar verlassen? Bringe uns, Herr, wieder zn dir, daß wir wieder heimkommen, ernenere unsere Tage, wie vor alters. Denn du hast uns verworfen, lind bist allzusehr über uns erzürnt." So lautet der Gesang des Propheten Jeremias, den sie drei Wochen lang alle Tage beiin „Chazoß" in wehmüthiger Weise singen. Je weiter die Zeit vorrückt, desto inniger wird die Trauer, und um so größer wird die Enthaltsamkeit. Die letzten nenn Tage der drei Wochen enthalten sie sich, mit Ausnahme des in die neun Tage hineinfallenden Sabbats, aller Fleischspeisen; denn sie sollen sich nicht kräftigen am leckern Mahl, wo die Väter vor Hunger matt und kraftlos waren. Der Sabbat irr diesen neun Tagen heißt der„Schabbes Chason", Sabbat des Gesichts oder der Weissagung. Sie legen an diesem keine Feiertagsklctder an, sondern gehen in den gewöhnlichen Kleidern zum Gebet, denn sie sollen sich nicht schmücken, wo die Väter vor Kummer lind Drangsal verunstaltet aussahen und wie Bettler in Lumpen einhergingen. An diesem Sabbat liest der Rabbiner das „Maftir", jene Weissagung des Propheten Jesaias, in welcher jedes Wort wie Donnerschlag an das Ohr tönt. „Das Gesicht Jesaias', in welchem Himmel und Erde aufgcfordert werden, zu hören; denn der Herr redet: Ich habe Kinder auferzogen und erhöhet, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennet seinen Herrn und der Esel die Krippe seines Käufers, aber Israel kennt es nicht, und mein Volk vernimmt es nicht. O wehe des sündigen Volks, des Volks von großer Missethat, des hoshaftigen Samens, der schändlichen Kinder, die den Herrn verlassen, den Heiligen in Israel lästern, weichen zurück. Was soll man weiter an euch schlagen, da ihr des Abweichens nur desto mehr machet? Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis aufs Haupt ist nichts Gesundes an ihm, sondern Wunden und Striemen und Eiterbeulen, die nicht geheftet, noch verbunden, noch mit Oel gelindert sind. Euer Land ist wüste, euere Städte sind mit Feuer verbrannt; Fremde verzehren euere Aecker vor euern Augen, und ist wüste, als das, so durch Fremde verheert ist. Was aber noch übrig ist von der Tochter Zion, ist wie ein Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte in den Kürbisgürten, wie eine verheerte Stadt. Wenn uns der Herr Zebaoth nicht ein weniges ließe überbleiben, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra. Höret des Herrn Wort, ihr Fürsten von Sodom, nimm zu Ohren unseres Gottes Gesetz, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von den Gemästeten und habe keine Lust zum Blut der

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