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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 405

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 405 (sequence 5)
Language
German
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Der Schlüssel. 405 Reb Bär", erwiderte Gumpel jetzt, indem er sich ein Herz faßte, „ich kann es ja doch so nicht länger verborgen halten. Mit einein Wort: Gebt mir Rösele; ich nehm' keine andere, und sie nimmt keinen andern." „Hoide Kusch, Zworechsack!" sagte Bärl Lederer lachend, „weiter ist dir in deiner Krankheit nichts eingefallen? Wie kommst du zu ihr? Wie passen die Rüben in den Sack hinein?" „Meint Ihr, daß ich zu wenig Geld Hab', Reb Bär?" fragte Gumpel verletzt, „oder daß ich mich auf mein Geschäft nicht genug versteh'? Ich kann Euch sagen, mein Geschäft versteh' ich, und ein paar Groschen Hab' ich mir auch erspart, «chodsche» (obgleich) ich init der leeren Hand angefangen Hab', lind wenn uns Gott will «Masel» (Glück) geben, kann ich einmal noch auch ein «Ötscher» (reicher Mann) werden, wie Reb Löb Frank!" „Und du meinst, ich weiß das alles nicht selbst, daß du mir cs «vordarschenen» (vorpredigen) thust", fragte Bärl Lederer dagegen; „wem willst du das alles sagen? War ich denn nicht der erste, der gedrungen hat, daß man dich ins Dorf hinausschicken soll. Von deswegen mbcht' ich dir mein Rösele nicht verweigern, lieber dir wie dem ersten »Oischerskind» (Sohn eines Neichen), nur" — „Was für ein «Nur»?" fragte Gumpel bestürzt. „Wenn du nicht wärst wie er!" sagte Bärl Lederer. „Wie was für ein «Er»?" fragte Gumpel erschrocken. „Wie was für ein «Er»? Wie «meschuge» Feiwele! Meinst du, ich weiß nicht, was alle Jungen sich erzählen, daß du alleweil ihm nachmachst alle Gassenjungereien, die du von ihm gelernt hast. Als Kind hast du mit ihm den «Gallech» (Geistlichen) mit'n Glöckel gegrüßt, ich bin «muwtech» (sicher), du wirst dich bald mit'n Schormesser balbiren und wirft Schabbes rauchen wie er; denn warum nit? «Meschugeh» Feiwele thut's, und warum sollst du's nit tyun? All dein Lebetag hast du dich bestrebt, alles nachzumachen, was er macht. Ich Hab' das damals schon gesehen, wie du noch nicht Barmizweh warst; du wirst dich besinnen, daß ich dich nicht gern init ihm beisammen gesehen Hab'. Denkst du noch, wie du einmal als Jüngel in Schul geklopft hast? Jetzt siehst du, daß ich damals recht gehabt Hab'; mein Rösele kriegst du nicht!" Keines Wortes mächtig, stürzte Gumpel fort. Er wußte gar nicht, wie er hinausgekommen war. Es schwindelte ihm und alles erschien ihm grün und gelb vor den Augen, die Häuser drehten sich um ihn herum, wie wenn er zuviel getrunken hätte. In diesem Zustande traf ihn Rösele, die, eben im Begriff, nach Hause zu gehen, dem Davoneilenden begegnete. „Was hast du, Gumpel?" fragte sie ihn, „und warum siehst du so verstört aus? " Leidenschaftlich ergriff Gumpel ihre Hand. Er wollte sprechen, aber er vermochte es nicht, der Athem versetzte ihm die Stimme. Ein Thränenstrvm war der Ausbruch seines heftigen Leidens. Rösele führte ihn zurück in das Haus, doch von der rückwärtigen Seite, sodaß sie in die Hintere Kammer gelangen konnten, ohne das vordere Zimmer, wo Bärl Lederer war, zu passiren. „Beruhige dich, Gumpel", sagte Rösele, „es thut mir weh, dich so verändert zu sehen, du bist ja immer ein verständiger Mensch gewesen. Wie kann man sich so hingeben, sich selbst so fallen lassen? Richte dich auf, mein Freund!" „Du!" war das einzige Wort, welches sich hierauf aus Gumpel's geängstigter Brust entrang. „Ich?" sagte Rösele, „soll ich dich aufrichten, das Weib den Mann? Komm zu dir und sprich, ich weiß ja gar nicht, was vorgegangen ist." Gumpel erlangte nun allmählich seine Sprache wieder? „Ich laß dich jetzt nicht fort, Rösele", sagte er, „jetzt muß es sich entscheiden, ich muß wissen, wie ich daran bin. Bist du mir noch, was du nur gewesen bist?" „Gewiß!" sagte das Mädchen.

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