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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 404

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 404 (sequence 4)
Language
German
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404 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. „Wie schickt sich krank sein?" fragte Rösele mit scheinbarer Heiterkeit, als sie ins Zimmer trat, „was machst du für Narreschkeiten, ein Mensch wie du, der in seinem Leben nicht krank gewesen ist?" Gumpel drehte sich herum und wendete das Gesicht gegen die Wand, anstatt ihr eine Antwort zu geben. „Wenn du aber im Ernst krank bist", sagte Rösele, ohne diese Beleidigung zu berücksichtigen, „dann laß dir den Doctor rufen; er wird dich wieder gesund machen." „Und das ist alles, was sie mir zu sageil hergekommen ist", murmelte Gumpel halblaut, ohne sich direct an sie zu wenden, aber doch so, daß sie es hören konnte. „Was soll ich dir denn anderes sagen? " fragte Rösele mitleidsvoll. „Wenn einer krank ist, kann man ihm nichts besseres sagen, als wie er wieder gesund werden soll." „Ich will wissen, was er dir ins Ohr gesagt hat?" schrie Gumpel jetzt, alle Kräfte zusammenraffend, heftig auf, indem er sich wieder herum und gegen sie wendete. „Das hat mich krank emacht, und mir kann kein Doctor elfen, am allerwenigsten der, den du meinst; ich kann seinen Namen gar nicht mehr über die Lippen bringen; und ich werd' nicht eher gesund werden, als bis du mir das gesagt hast." „Das will ich dir sehr gern sagen", erwiderte Rösele mit der größten Ruhe. Aber rasch begriff sie, daß sie jetzt im Besitz einer Handhabe sei, mittels welcher auch von ihm eine Concession zu erlangen sein mußte; deshalb fügte sie hinzu: „Aber nicht friiher, als bis du «Sechel» (Vernunft) angenommen hast und als ein gesunder Mensch wieder zu mir kommst; denn jetzt Hab' ich keine andere Sorge, als dich wieder gesund zu sehen, und was du dann noch wissen willst, kann ich dir alles sagen; du weißt, ich Hab' vor dir keine Geheimnisse, und wenn dich nichts anderes krank gemacht hat als das, so hättest du können gesund bleiben." Rösele's Sprache wirkte wunderbar auf Gumpel's Gemüth. Die Medicinen von allen Apotheken der Welt und alle Doctoren zusammengenommen hätten das nicht in ihm bewirkt, was Rösele's Worte im Stande waren; er fühlte sich durch den liebreichen Ton ihrer Stimme wunderbar gekräftigt, und er wäre schon gern als ein Gesunder aufgestanden, wenn ihm Rösele nicht das Versprechen abgenommen hätte, sich zu 'schonen, den Doctor rufen und sich ordentlich heilen zu lassen. Felix kam und that, was ihm nöthig schien. Er vermied es, mit Gumpel über Dinge zu sprechen, die er gern erledigt hätte, weil er jede Gemüthsaufregung für gefährlich hielt; Gumpel seinerseits antwortete auf des Doctors Fragen als Patient, sprach sonst kein überflüssiges Wort, wie wenn er Felix in seinem Leben nie gesehen hätte, und war innerlich froh über den Triumph, den er über Felix davon getragen; denn er war jetzt fest davon überzeugt, daß er Rösele Unrecht gethan, daß sie ihn ebenso liebe wie ehedem und daß er sich nur geirrt. Denn wenn es nicht so wäre, wie könnte sie ihm alles sagen wollen, wie sie es versprochen hatte. Gumpel war hergestellt. Sein erster Weg war zu Rösele. Er traf sie nicht zu Hause, dafür aber ihren Vater Bärl Lederer. „Borech roife Choilim (Gesegnet sei, der die Kranken heilt)", sagte dieser, als er zur Thür hereintrat, „und was hat dir denn eigentlich gefehlt?" „Ich bin wieder gesund", sagte Gumpel ausweichend, „und" — „Bist du hergekommen, mir das anzumelden", unterbrach ihn Bärl Lederer, „oder bringst du sonst etwas anderes?" Gumpel war einen Augenblick in Verlegenheit, denn er wußte hierauf keine Antwort zu geben. „Was willst du denn haben?" fragte Bärl Lederer weiter. „Ich Hab' gemeint, sie ist zu Haus", sagte Gumpel fast tonlos. „Wenn du etwas willst, kannst du mir es auch sagen. Ich werd' doch wissen dürfen, was es ist", sagte Bärl Lederer. „Ihr müßt es ja einmal wissen.

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