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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 403

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 403 (sequence 3)
Language
German
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Der Schlüssel. 403 wär' das Beste, ich passet' ihm auf, wenn er bei Nacht von einem Patienten nach Haus geht und zerbrech' ihm Hals und Leib und Leben; dann war' alles abgemacht, dann könnte sie mit ihm Heimlichkeiten machen und roth werden bis über die Ohren hinüber. Zu ihr selbst hinzugeh'n und ihr zu sagen, was ich meine? Sie ist im Stand' und wirft mich bei der Thürheraus, und Bärl Lederer schickt mir noch ein paar «Kloles» (Flüche) nach, und ich werd' nur ausgelacht, wenn es bekannt wird. Oder soll ich zu Reb Lob und Jentel hinaufgehen und ihnen sagen, was sie vielleicht nicht wissen? Was kann mir das eintragen? Was Ihn' ich, wenn mir Jentel Petitekopf drauf «Maseltow» sagt (gratulirt) und sich vedankt für die gute Partie, dann Hab' ich zum Schaden nur noch den Spott. Eher möcht' ich mich noch darauf verlegen, Barl Lederer etwas in die Ohren hineinzusetzen, was ihn drinnen ein bissel kitzeln könnt'; denn soviel er von Felix meint, glaub' ich, hält er ihn für keinen Dragoner vom alten Regiment, und ich glaub' nicht, daß er sein Rösele gutwillig einem ausgemachten «Posche Jisrol» (Sünder) ausliefern wird. Was nutz' ich mir aber damit? Kanu ich wissen, ob Löb Frank» Geldsack dem «Thillimsager» (Psalmenleser) nicht doch noch lieber ist wie sein »Thillim» (Psalmen) mit sammt dein «Manrodes» (eine Art Gebete)? Was thu ich, wenn Bärl Lederer, der von mir auch nicht allzu große Stücke hält, zu mir sagt: «Lieber wie dir geb' ich sie noch ihm!>>? Am allerbesten war' noch, ich redet' mit Reb Sawel. Er war unser beider Lehrer und ist fast der einzige, mit dem Felix viel umgeht; «efscher» (vielleicht) war' er im Stande, die Sache aufzuklären und mir meine Ruhe wiederzugeben." Aber auch dies verwarf er wieder, kaum daß er es gedacht hatte. Von solchen Gedanken wurde Gumpel gepeinigt und hin- und hergewälzt; er war unfähig, einen Entschluß zu fassen, und es wäre sein Schweigen gewiß nicht gebrochen worden, wenn ihm nicht die Zunge von Rösele gelöst worden wäre, die ihrerseits wieder endlich zu einem entscheidenden Schritt gedrängt wurde. Gumpel ist nämlich krank geworden; sein Körper mußte endlich unter der Last der Gemüthsleideu, von denen er gequält wurde, zusammenbrechen; aber um alles in der Welt wollte er sich den l)r. Frank nicht rufen lassen. Der vr. Berger hatte sich schon ganz zur Ruhe gesetzt und war höchlich überrascht, als die Schamestin ihn bat, zu Gumpel zu kommen, da er von dem neuen Doctor nichts wissen will. b>r. Berger erklärte ihr, daß sie gescheit sein und den neuen Doctor nur immer rufen solle, auch wenn Gumpel es nicht will, denn er selbst sei alt und schwach und brauche selbst mehr der Hülfe, als daß er sie andern könne zutheil werden lassen; der l>r. Frank aber sei ein junger, rüstiger Mann von ausgezeichnetem Scharfblick und von ungewöhnlicher Aufopferung. Sie solle keine Narreschkeiten macben und den! >r. Frank nur rufen. Die Schainestin wußte sich nicht zu Helsen, denn wie sie Gumpel kannte, so traute sie sich nicht, seinem Wunsch zuwider zu handeln; was thut sie, wenn Gumpel aus dem Bett herausspringt und den l)r. Frank zur Thür hinauswirft? Er ist ja gerade wie „meschugeh" (wahnsinnig), wie allsgewechselt! Da kam ihr ein Licht, wie von oben gesendet. „Das bat mir unser Herrgott eingegeben", sagte sie sich dann, und machte sich auf den Weg zu Bärl Lederer. „Rösele!" sagte sie, „du allein bist im Stande, das «Schlemasel» (Unglück) abzuwenden, das mich betroffen hat", und nun erzählte sie ihr alles und bat sie, da sie allein es vermögen werde, ihren Gumpel dahin zu bestimmen, daß er den Or. Frank kommen lasse. Rösele gingen nun die Augen auf. „Er will Felix nicht kommen lassen, er scheut seine Gegenwart ebenso wie nnch", dachte sie, „dann ist es gewiß, daß er sich in einer großen Verblendung befindet, und ich muß ihm die Allgeri öffnen, mag daraus werden, was will." Hierauf ging sie mit der Schamestin nach Hause, wo der Patient im Bett lag.

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