Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. springt, von welcher ergriffen zwei Seelen sich mächtig zu einem dritten Gegenstände hingezogen fühlen, daß Gumpel sie liebte, wie der Mann das Weib liebt, daran hatte sie nie gedacht. In ihren Augen war es genug, daß Gumpel der Freund von Felix sei, um ihm herzlich zugethan zu sein. Sie meinte bei sich, daß sie und Gumpel gleichsam eine stille Gemeinde bilden und daß Felix der Gegenstand ihrer beiderseitigen Verehrung und Liebe sei. Wenn sic dies gegen Gumpel niemals ausdrücklich betont hat, so geschah es deshalb nicht, weil sie dies für selbstverständlich hielt, zudem war ja Felix ohnehin immer der Gegenstand ihrer Gespräche; man spricht doch am liebsten von dein, was einem zumeist am Herzeir liegt, und was man am ineisten liebt. Sie konnte sich also ebenso wenig wie Felix irgendwelchen Vorwurf machen und war unfähig, sich Gumpel's Benehmen zu erklären. Warum fragte sie ihn aber nicht, was er eigentlich habe? so hätte sie es ja aus seinem eigenen Munde hören können! Ach, das ist ja in den meisteil Fällen das Unglück der Menschen, daß sie nebeneinander hergehen, den Groll im Herzeil und der Sprache beraubt, als ob sie sich fremd wären und nie ein Wort mit einander gesprochen hätten, während sie gestern und vorgestern noch in herzlicher Eintracht einander die Hand drückten oder gar zärtlich einander am Buseil lagen. Auch Rösele überließ es der Zeit, eine Sache aufzuhellen, die ihr innerlich viel Kummer bereitete. Gumpel aber faßte die Sache anders auf. Rösele war in seinen Augen treulos, und Felix noch mehr als dies, ein Räuber, der ihn des theuersten Schatzes auf Erden beraube. „Was hat sie sich von ihm in die Ohren einraunen zu lassen?" so fragte er sich in seiner Eifersucht, „und was kann das gewesen sein, da sie darüber so roth geworden ist? Und was hat er mit ihr Geheimnisse zu machen gleich am ersten Tag, so schnell, als ob sie von jeher immer miteinander gewesen wären? Er denkt sich, jetzt ist er wieder da, und er muß überall der erste sein. sowie er es im «Cheder» gewesen ist, und sie — sie ist kein Haar besser als wie andere, was ich bisjetzt immer gemeint Hab'; die «Gaiweh» (Stolz) ist ihr aufgestiegen, daß sie die einzige ist, auf die er sich umgesehen hat, und deshalb hat sie gleich mit ihm Heimlichkeiten gemacht, um der Welt zu zeigen, wie gut bekannt sie schon mit ihm ist; wär' ich gescheit, so möcht'ich ihr ihre «Gaiweh» über dem Hals lassen; denn was erleb' ich mir an ihr, wenn ich ihr heute gar das «Kiduschinftngcrl« (Trauungsring) anstecke und man hinter uns die feinste Schal zerbricht, die Bärl Lederer in seinem Schrank stehen hat; ich werd' keine ruhige Stund haben, ich werd' immer in Furcht und Schrecken sein, Felix kommt herein und zerstört mir mein Glück. Wie könnt' ich mit ruhigem Gemüth einem Geschäft nachgeh'n, wie mich vom Haus entfernen und sie darin zurücklassen, wenn mir jeden Augenblick der Gedanke kommt: jetzt sind sie beisammen und machen sich lustig über meinen schlechten Kopf, als wie wenn jeder Mensch auf der Welt müßt' einen guten Kops haben. Und mir ist mein schlechter Kopf noch lieber als wie sein guter. Denn was bringt man heraus mit dem guten Kopf? Ein schlechter Mensch wird man damit, der den andern nur auf Schaden ausgeht und die ganze Welt nicht zufrieden läßt. Muß er gerad' auf Rösele sein Aug' werfen? Drinnen in der Stadt hat er gar kein Madel gefunden, das ihm hält' gefallen können? Muß er zum «Schlemasel» (Unglück) gerad' jetzt herauskommen und mir mein Glück zerstören? Und sie hat mich so gern gehabt, Rösele wär' für mich in Feuer gesprungen, wenn ich's verlangt hält', wie ich für sie. Wenn sie mich nicht so gern gehabt hält', warum hätt' sie alleweil mit mir nur von ihm gesprochen? Was geht er sie an? Nur, sie hat gewußt, daß er mein Freund ist, und hat mir zeigen wollen, wie sie das zu schätzen weiß. Nun aber weiß ich gar nicht, was ich mir denken soll, noch weniger weiß ich, was ich machen soll. Wenn ich mich nicht vor einer «Newereh» (Sünde) fürchten möcht'.