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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 398

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 398 (sequence 78)
Language
German
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398 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. hältnisse mit den modernen demselben nur hinderlich sein. Wir erkennen gern das redliche Streben des Verfassers, seine gründliche Kenntniß des zu behandelnden Materials, auch die wol platte, aber fließende Darstellung und zuweilen treffliche Charakterisirung an; dessenungeachtet aber müssen wir gestehen, daß solche Vorlesungen, vor einem Kreise von Zuhörern gehalten, äußerst belehrend und anregend, aber der Oeffentlichkeit entbehrlich sind. Die Seite 1 ausgesprochene Absicht, solche Momente ausführlicher zu betrachten, die dem Verständniß und den Bestrebungen unserer Zeit nähergeführt zu werden verdienen, läßt uns auch mehr den Zweck politischer und religiöser Belehrung als reiner geschichtlicher Betrachtung erkennen. Unfern Beifall müssen wir z. B. der Auffassung von Sacharja 8, 1—8, zollen, daß daselbst nämlich die Texte der bei der Grundlegungsfeier des Tempels gehaltenen Reden uns vorliegen (S. 77), dagegen möchten wir gern wissen, woher der Verfasser die Nachricht (S. 138) hat, welche lautet: „Noch heute verehren nach den neuesten Nachrichten die Samaritaner, die im ganzen nur noch einige Hundert zählen, das Bild einer Taube als Gottheit." (!) S. 152 wird die als jüngere Sage anerkannte Angabe, daß Zadok und Boethos aus einem Misverständniß des bekannten Satzes ihres Lehrers Antigonos von Socho Sektenstifter wurden, ohne weiteres als Geschichte betrachtet, und eigenthümlich ist es, wenn der Verfasser S. 136 die Behauptung aufstellt, Nehemia sei von dem Grundsatz ausgegangen, daß „das Selbstudium für die Erhaltung und Verbreitung der jüdischen religiösen Anschauung unumgänglich" sei. Besonders aber bedarf das S. 38—44 über die Prophetie Vorgebrachte mannichfacher Berichtigung. Der Verfasser schreibt dem ganzen Alterthum die verloren gegangene Fähigkeit zu, sich in einen geheimnißvollen Zusammenhang mit dem allsehenden Urgeiste zu setzen, die auch in unserer Zeit vereinzelt, z. B. bei magnetischen Euren noch hervortritt; ergo konnte jedermann im Alterthum Prophet werden, mochte er nun Jude, Römer, Grieche oder Chinese sein. Der Verfasser fühlt die Haltlosigkeit seiner das Dogma von der göttlichen Inspiration mehr erschütternden als befestigenden Ansicht selbst und reservirt daher für den jüdischen Propheten eine größere sittliche Reinheit, die ihn für die Erreichung dieser Geistesstufe empfänglich macht. Wir wissen nur so viel, daß in der Bibel wie selbst im Talmud die Fähigkeit des Propheten, in die Zukunft zu sehen, nie recht in den Vordergrund gestellt wird; der Prophet erhält seine Autorität durch seine wahre und rücksichtslose Erkenntniß der Tatsachen, durch seine hohe ideale Auffassung des Berufs der Menschheit wie des Ziels der Geschichte; aber wir vermögen nicht zu begreifen, warum es nicht zu jeder Zeit möglich sein sollte, die Phantasie über den Verstand herrschen zu lassen, im Umgang mit der Natur zu lernen, aus den sinnlichen Eindrücken des Geschehenen und Gehörten Gedanken zu schöpfen, warum dies blos den Alten möglich und darin das Wesen der Propheten bestanden haben soll. N. B. Freund und Marx. Präparationen zum Alten Testament, zum Gebrauch für Schule und den Privatunterricht. Leipzig, Violet. Die von den Verfassern befolgte Methode, dem Anfänger in der biblischen Lectüre durch fortlaufende Erklärung der schwierigen Verbalformen und Construetionen, durch Sach- und Sinneserklärungen zu Hülfe zu kommen, ist nur als eine ersprießliche zu bezeichnen. Wer eine Sprache lernt, um ihre Literatur zu verstehen, der kann bei langen grammatischen Vorstudien nicht verweilen, denn Grammatik ist ein Studium, das in sich seinen Zweck trägt; für das gemeine Verständniß einer fremdsprachlichen Literatur ist sie nur Hülfswissenschast. Wie hinderlich muß es dem Anfänger, der rasch fortschreiten soll, sein, stets in den Lexicis umherzustöbern, bei jeder Gelegenheit archäologische und historische Werke zu befragen. Wenn so die Anstöße in der

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