Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 397 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Vier Jahrhunderte aus der Geschichte der Juden. 397 ren wird" (kl, 9), ein Einschiebsel sind, wodurch man die unbedingte Aufforderung zum Genuß der kurzen Jugendtage abschwächen wollte, aber den Zusammenhang zerstörte. Uebrigens leugnete man die Kanonicität des Buchs bei den Juden zum Theil noch in den ersten beiden Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, und noch der große jüdische Kirchenvater Rabbi Jehuda, der Sammler der Mischna (uni 200 nach Ehr. Geb.), erklärt die Sache für zweifelhaft. Auch christliche Kirchenväter nahmen wol an einzelnen Sätzen Anstoß, aber der Schlußsatz des Buchs mußte schließlich iminer wieder alles gut machen. Kritische Anzeigen. Vier Jahrhunderte aus der Geschichte der Juden. Von der Zerstörung des Tempels bis zur makkabäischen Tempelweihe. Zwölf Vorlesungen von vr. M. Jastrow, Rabbiner in Worms. Heidelberg, Carlebach, 1865. Die Geschichtsbetrachtung ist die dritte Phase des geschichtlichen Studiums, denn wahrend die Geschichtsforschung ihre Aufgabe darin erblickt, das vorhandene Material der Nachrichten, Angaben und Thatsachen zu sammeln und zu untersuchen, die Quellen zu eruiren, flüssig zu machen und zu vergleichen, den reinen Sachverhalt zu zeigen, die Geschichtschreibung das fertige Material nach Maßgabe seiner Wichtigkeit verwendet und daraus den Bau der Geschichte aufführt, ist es der Geschichtsbetrachtung Vorbehalten, das Fertige zu überschauen, zu beurtheilen und seinem Werth und Wesen nach im Ganzen sowol als auch in den einzelnen Theilen zu charakterisiren. Die Geschichtsbetrachtung allein ist im Stande, den innern geistigen Zusammenhang, der in den Thaten und jeweiligen Bestrebungen eines Volks liegt, hinter dem Schleier der Facten zu erkennen; sie beschreibt nicht, sie zeichnet das große geschichtliche Gemälde des Volksgeistes, wie er in den verschiedensten Zeiten sich äußerte und bethätigte; sie lehrt die Resultate der Geschichte und strebt danach, die eine wesentliche Grundtendenz, die in dem Wechsel der Erscheinungen und Ereignisse hervortritt, die Welt- und culturgeschichtliche Bedeutung eines Volks, wie sie sich aus seinen jeweiligen Zuständen, Leistungen, Bestrebungen und Errungenschaften ergibt, zu erkennen. Wir haben daher von einem Werke, das sich die Aufrollung eines geschichtlichen Gemäldes und die allgemeine Betrachtung desselben zur Aufgabe setzt, nicht etwa neue Aufklärungen dunkler Partien, richtigere Auffassungen und Darstellungen geschichtlicher Ereignisse, überhaupt eine Bereicherung des geschichtlichen Wissens zu erwarten; die Ansprüche, die man an dasselbe zu stellen berechtigt ist, laufen nur auf das Eine hinaus, daß die hervorstechenden, charakteristischen Züge der Geschichte mit glücklichem Einblick herausgefunden, zusammengehalten und mit entschiedener Klarheit dargestellt werden; nur die Vertiefung des Verständnisses, die Philosophie der Geschichte liegt ihm ob. In vorliegendem Werke, das vier Jahrhunderte aus der Geschichte der Juden in der Art uns Vorführer: soll, sind wol die wesentlichsten und wichtigsten geschichtlichen Thatsachen dieser Periode zur Darstellung gebracht, mit Treue und in einem angenehmen Stil behandelt, doch können wir ihm weder durchdringende Betrachtung, noch tiefe, geistreiche Reflexion nachrühmen; zudem sind in streitigen Punkten manche Unrichtigkeiten mit untergelaufen. Wenn der Verfasser in dem Vorwort meint, daß er durch die Veröffentlichung seiner Vorlesungen einem vielfach empfundenen Bedürfniß nach einer leicht faßlichen Darstellung der jüdischen Geschichte abgeholfen hat, so müssen wir wol in der Anerkennung des Bedürfnisses ihm vollkommen beipflichten, demselben ist aber auch „zum Theil" nicht abgeholfen, denn erstens ist für diesen Zweck die Form von Vorlesungen nicht geeignet, und zweitens kann die häufige Vergleichung der damaligen Ver-