Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 396 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. schiedener Bruchstücke auffaßten oder stellenweise einen förmlichen Dialog annahmen. Die Form des Buchs lehnt sich an die der Spruchdichtung. Die Form der Abhandlung, ohne Zweifel für die Behandlung solcher Gegenstände die passendste, war den alten Hebräern unbekannt. Zu einer ebenmäßigen Entwickelung, wie sie für diese gehört, fehlte dem Verfasser auch die innere Ruhe. So bleibt denn eine allerdings im ganzen prosaische Form, welche aber in der Unruhe des Ausdrucks, der größern Selbständigkeit der einzelnen Absätze, oft auch der spruchmäßigen, concreten Ausdrucksweise an die Spruchpoesie erinnert. Einige Abschnitte enthalten wirklich ganze Spruchreihen. Der Parallelismus der Gedanken und Worte, das Hauptzeichen hebräischer Poesie, erscheint nur selten, aber die eoncrete und energische Ausdrucksweise hebt sich doch mitunter zu wirklicher Poesie. Namentlich ist in dieser Hinsicht der Anfang des Buchs hervorzuheben. Weniger poetisch kann ich die etwas zu weit ausgesponnene Allegorie 12, 3 fg. finden, wenn auch gerade der Eindruck dieses ganzeil Abschnittes ein entschieden ergreifender ist. Die Abfassungszeit unsers Buchs kann schon nach der Sprache nur eine sehr späte sein, schwerlich vor Alexander. Leider sind mehrere Anspielungen auf bestimmte Ereignisse uns aus Mangel an Kunde der ptolemäisch-seleucidischen Zeit nicht näher verständlich; aber daß das Buch nur aus dieser Epoche sein kann, scheint uns deutlich. Dem Verfasser und seinen Lesern fehlte cs nicht an Gelegenheit, init dem König in Berührung zu kommen, daher er für diesen Fall Verhaltungsregeln gibt; das paßt zu dieser Epoche, nicht aber zu der persischen Zeit, in welcher der König fern im Osten, unnahbar den Judäern, wohnte. Dazu stimmt die Anspielung auf häufigen Thronwechsel. Freilich die Klage über den Druck des Volks besagt nichts Näheres über die Zeit des Verfassers, denn man kann höchstens fragen: in welcher Zeit wäre das jüdische Volk von seinen Machthabern nicht gedrückt worden? Auch die Klage über die Aeußerlichkeit der Gottesverehrung ohne innerlich religiöse Gesinnung (4, 17 fg.) hätte wol schon für die - letzte persische Zeit gepaßt. Wir werden nicht sehr fehlen, wenn wir das Buch etwa ins 3. Jahrhundert vor Christus versetzen. Hitzig hat nach seiner Weise freilich aus allerlei Andeutungen das genaue Jahr der Abfassung gefunden, nämlich das Jahr 204; schwerlich wird aber der scharfsinnige Mann, der übrigens für die Einzelerklärung des Buchs unter den Neuern am meisten geleistet hat, jemand davon überzeugen, daß die Stellen, aus denen er dies Abfassungsjahr erschließt, wirklich das bedeuten, was er in sie hineinlegt. Wie kam nun aber ein solches Buch in den Kanon? Freilich der Schlußsatz, daß die Hauptsache sei, Gott zu fürchten und seine Gebote zu halten, paßt recht für ein kanonisches Buch, aber der ganze Geist des Zweifels, der Unbefriedigtheit, der in diesem Buche herrscht, steht mit der natürlichen Anforderung an eine heilige Schrift, zur Freudigkeit im Gehorsam gegen Gott zu ermuntern, im Widerspruch. Der Skeptiker hat natürlicherweise keinen Platz unter den kanonischen Schriften, was auch noch neuere Ausleger reden mögen. Der einzige Grund der Versetzung unsers Buchs in den Kanon ist offenbar der rein äußerliche, daß man das hebräisch geschriebene Buckwirklich dem Salomo beilegte. Ein heiliger Weiser wie Salomo konnte nur Kanonisches geschrieben haben. Man hielt sich an Stellen wie den Schlußsatz, und das rasch abnehmende Verständniß der alten Schriften erleichterte das Streben, die bedenklichen Stellen umzudeuten. Mit einer Erklärungsweise, nach der alles Essen und Drücken im Predigerbuche blos das Studium des mosaischen Gesetzes bedeute, konnte man sich natürlich leicht über alle Anstöße hinwegsetzen. Man scheint außerdem schon in früher Zeit einiges Bedenkliche mit leiser Hand geändert zu haben. So zweifle ich nicht, daß die Worte: „aber wisse, daß Gott dich über dies alles ins Gericht füh-