Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 395 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Salomonischen Schriften. 395 die Ueberzeugung von der Eitelkeit alles Menschlichen diese Lebensfreude nothwendig trüben muß. Der Verfasser ist gewiß nicht, wie man aus der wiederholten Aufforderung zum Genuß schließen könnte, ein heiterer Lebemann gewesen, sondern ein Mann voll tiefer Schwermuth. Wir können mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß er die Welt mit warmem Herzen erfaßt und flüchtiges Glück genossen (die Stelle 9, 7 fg. klingt wie eine Erinnerung an schone verlorene Tage), aber viele schmerzliche Erfahrungen gemacht und bittere Enttäuschungen erlebt hatte. Im Verlauf des Buchs kommt er oft auf Nebenpfade und ertheilt manchen praktischen Rath. Ueberall ermahnt er zur Bedachtsamkeit und warnt vor hochfliegenden Entwürfen. Dabei vergißt der Skeptiker nicht, Gottesfurcht als das Wichtigste einzuschärfen; denn daß es darauf hauptsächlich ankomme, stand von alters her zu fest. Mit diesem Gebot und dem Hinweis auf das göttliche Gericht schließt sogar das ganze Buch; aber dieser Satz ist nicht etwa eine Folgerung aus der Untersuchung, sondern er steht unvermittelt als einmal gegebene, unantastbare Wahrheit da, und es wäre ganz falsch, wenn man in diesem Gebot die schließliche Lösung der Fragen sehen und dem Prediger die Meinung unterschieben wollte, eben in der Gottesfurcht bestehe das wahre Glück. Schon aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Verfasser sich nicht zur Klarheit durchkämpft. Er hebt bald diese, bald jene Seite hervor, stellt mehrmals Gegensätze unvermittelt nebeneinander, räumt Dinge ein, die er nachher bestreitet, und macht es dem Lesre oft sehr schwer, seine eigentliche Meinung und den Zusammenhang der Gedanken zu finden. Die zum Theil ganz neuen und kühnen Gedanken stehen eben mit der alten religiösen Grundanschauung zu wenig im Einklang, als daß sich eine Harmonie Herstellen ließe. Der Verfasser ist, wie Hitzig richtig bemerkt, im Suchen begriffen; die Lösung steht ihm noch nicht vor Augen, als er sein Buch beginnt. Die Unruhe der Stimmung läßt es zu keiner systematischen Darlegung kommen. Schriftstellerische Gewandtheit fehlt dem Verfasser, dem es bei dieser Schrift nicht um ein literarisches Schaustück, sondern um die Zerstreuung der Zweifel seines eigenen Geistes zu thun war. Und wenn ihm diese Aufgabe nicht ganz gelingt, so bedenke man doch, das; es sich hier um Fragen handelt, die sich immer und immer wieder dein denkenden Menschen mit Macht aufdrängen und, solange die Menschheit dauert, schwerlich ganz genügend beantwortet werden können! Darum finden wir auch keine feste Disposition, der ganzen Schrift, nicht einmal die Hauptabtheilungen lassen sich alle scharf abtrennen. Wenn oft eine ziemlich feste Ordnung der Sätze hervortritt, so will in andern Theilen, namentlich in den spätem, die Rede zuweilen ganz auseinanderfallen und muß immer mühsam wieder angeknüpft werden. Dabei kommen zahlreiche Wiederholungen vor, nicht blos in den Gedanken, sondern auch in den Worten. Manche Lieblingsredensarten finden wir auf jeder Seite wieder. Man würde aber sehr unrecht thun. wenn man wegen dieser Unvollkommenheit der Gedankenentwickelung und der Darstellung das ganze Buch geringschätzig behandeln wollte. Eben die Neuheit vieler Gedanken und die große Ungewohntheit der Hebräer, abstracte Gegenstände in einer systematischen Form darzulegen, entschuldigen diese Unvollkommenheiten durchaus. Die hebräische Sprache war dazu wenig geeignet, Feinheiten einer mehr philosophischen Gedankenentwickelung auszudrücken; es fehlte da an feinen Partikeln, die das Verhältniß der einzelnen Sätze zueinander andeuteten, und an manchen andern Erleichterungen einer abstracten Darstellung, wie sie der griechischen und deutschen Sprache in so reicher Fülle zu Gebote stehen. Mit Unrecht haben übrigens frühere Erklärer die Abgerissenheit der Rede und die Widersprüche der Gedanken so stark gefunden, daß sie entweder die innere Einheit ganz vermißten und das Werk als ein Conglomerat ver-