Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 394 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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394 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Ende, und nun predigt er auf den Trümmern seiner Täuschungen, daß alles eitel ist. So durchsichtig die Fiction ist, so hat man doch bis in die neuere Zeit das Buch wirklich dein Salomo beigelegt. Die Gründe gegen die Echtheit sind aber durchaus zwingend. Die Fiction ist nicht einmal genau festgehalten. Der Verfasser verfällt oft aus Salomo's Zeit und Lage in seine eigene. Er spricht, er sei König gewesen (1, 12). Er redet von Königthum, von Gehorsam und Widersetzlichkeit gegen den König und von schlechten Fürsten so unbefangen, wie kein König reden kann. Er klagt so sehr über Bedrückung der Armen durch die Herrscher, daß man das Ganze als eine Selbstironie auffassen müßte, wenn der König diese Worte geschrieben hätte, der ja Macht hatte, dem Unrecht zu wehren. Und wie der Schriftsteller offenbar absichtlich es vermeidet, den Namen Salomo's selbst zu gebrauchen, sondern dafür künstlich „der Prediger, Sohn David's" u. s. w. sagt, so zerstört er im Nachwort, 12, 9. 10,° ausdrücklich selbst die Fiction, indem er vom Prediger als von einem Weisen in der dritten Person spricht. Vollkommen entscheidend gegen die Salomonische Abkunft ist schon allein die Sprache, welche so durch und durch mit aramäischen Elenrenten versetzt ist, daß das Buch erst in den letzten Zeiten der alttestamenlichen Literatur verfaßt sein kann. Nirgends inr Alten Testament finden wir so unreines Hebräisch wie im Prediger. Dazu kommt endlich, daß weder der Fortschritt der Gedanken zu Salomo's Zeit so weit gediehen sein konnte, wie er hier erscheint, noch der elende Zustand, in dem sich Israel nach dem Buche befand, zu der Regierungsepoche jenes Königs stimmt. Und ist es wol denkbar, daß man in jener Urzeit schon über zu starke literarische Productivität hätte klagen können (12, 12)? Aus diesen Gründen ist die Herleitung des Predigerbuchs von Salomo denn auch allgemein aufgegeben. Selbst Hengstenberg hat der verhaßten Kritik dies Opfer bringen müssen; freilich hat er es auch erleben müssen, von einem im Unsinn consequentern Nachfolger (Hahn) für diesen Abfall von der Verehrung des Buchstabens znrechtgewiesen zu werden. Die Grundansicht des Verfassers ist skeptisch. Er bringt keine fertige Ueberzeugung mit, sondern indem er einerseits den traurigen Zustand der Welt und das Unglück der Gerechten erkennt, andererseits an dein alten Glauben, daß alles von Gott kommt, der durchaus Gehorsam verlangt, festhält, fängt er an, nach einer Lösung des Räthsels zu suchen. Er sieht, wie die Menschen nach dem Glück jagen, aber er hat sich davon überzeugt, daß alles menschliche Streben nichtig, ein Haschen nach dem Winde ist. Er hat vieles versucht; er hat gemeint, mit irdischen Unternehmungen, und mit großem Erwerb das Glück zu erjagen; er hat sich, große Weisheit erworben, aber schließlich doch erkannt, daß beides eitel ist, daß der nichtige Mensch nichts erreicht, und daß die größte Weisheit bei allen Vorzügen doch weder vor dem Tode, noch vor der Noth schützt, ja daß ein wenig Thorheit oft stärker ist als alle Weisheit. Die einzige Lösung der Frage, wie ein Mensch durch das elende Leben hindurchkommen solle, findet er im Genuß des Augenblicks. Die Freude ist ihm allein das wahre Gut, das Gott dein Menschen gegeben hat. Man hat diese Freude vielfach zu einer reinen geistigen Freude verklären wollen, aber mit deutlichen Worten redet der Prediger wiederholt vom eigentlichen sinnlichen Genuß, vom „Essen, Trinkeir und Gutes sehen (genießen)". Wiederholt nimmt er den Kreislauf des menschlichen Strebens von neuem durch, und immer wieder kommt er zu diesem Grundsatz. Aber er weiß auch, daß der Genuß nichts Dauerndes ist; ja das Gefühl, daß auch dieser Genuß des Augenblicks nicht aus die Dauer innerlich befriedigen kann, tritt zuweilen mehr oder weniger deutlich hervor. Der tragische Eindruck, den das ganze Buch macht, beruht größtentheils auf der Empfindung, daß dasselbe keine eigentliche Lösung hat, und daß