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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 390

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 390 (sequence 70)
Language
German
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390 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. leitung ein wenig lang, da ihr Umfang mehr als den halben Umfang jener beträgt. Die obenangeführte Bertheau'- fche Ansicht ist übrigens nur eine Modifikation der Ewald'schen. Wir können weder den Verfasser, noch die Abfassungszeit näher bestimmen. Das Stück gehört zu den schönsten Erzeugnissen der althebräischen Literatur und erinnert in einigen Punkten an das einzige große Lehrgedicht, den Hiob. An die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems ist schon wegen der Vortrefflichkeit von Sprache und poetischem Stil gar nicht zu denken. Auch die socialen Zustände sprechen für die alte Zeit. Der Verfasser hat das Leben einer großen Stadt vor sich, in welcher Ueppigkeit und Ausschweifungen etwas Gewöhnliches sind. Das erinnert uns an die Schilderungen Jerusalems bei den Propheten, nicht an das elende Leben der aus der Verbannung Heimgekehrten. Von religiöser Aengstlichkeit ist nirgends eine Spur. Alles weist uns auf die Zeit der großen Propheten hin, und zwar möchte sich aus der größern Flüssigkeit und Leichtigkeit der Sprache schließen lassen, daß der Verfasser nach Jesaias gelebt hat. Daß dieser Verfasser nicht Salomo sein kann, liegt auf der Hand. Hätte man das Stück immer für sich in seiner Selbständigkeit betrachtet, so wäre man wol nie darauf gekommen, es von ihm abzuleiten. Ueberall spricht ein Lehrer der Jugend aus bürgerlichen Kreisen. In des üppigen Königs Munde könnte man wol die Empfehlung der Weisheit in abstracto gelten lassen, nicht aber die ernstgemeinten Warnungen vor Ehebruch und so manches andere. Uebrigens hat man mitunter aus einzelnen Zügen zu viel über das Zeitalter dieser Schrift folgern wollen. Aus der Erwähnung von Räuberbanden folgt z. B. gar nichts, denn dergleichen „lose Leute" gab es in Israel zu sehr verschiedenen Zeiten. Den Kern des ganzen Buchs bildet die Spruchsammlung Cap. 10, 1 bis 22, 16 mit der besondern Ueberschrift „Sprüche Salomo's". Hier haben wir einen reichen Vorrath von lauter einzelnen Sprüchen, welche alle die alte Form aufs strengste einhalten. Alle diese Sprüche sind zweigliederig, und zwar bildet fast jedes Glied je einen eigenen Satz von drei bis vier Wörtern. Die dadurch hervorgebrachte Schärfe und Kürze des Originals kann freilich durch keine Uebersetzung wiedergegeben werden, am wenigsten im Deutschen mit seinen Artikeln, Hülfsverben und andern schleppenden Umschreibungsworten. Das Verhältniß der beiden Glieder ist sehr oft das des Gegensatzes (z. B. „Sanfte Antwort stillt den Zorn, Doch heftiges Wort regt den Grimm auf", 15, 1), oft das der Vergleichung oder der Bekräftigung. Das nähere Verhältniß beider Glieder zueinander wird selten durch Partikeln klar ausgedrückt, aber gerade diese nackte Zusammenstellung wirkt oft um so kräftiger. Besonders scharf zeigt sich die Pointe bei einer nicht seltenen Art von Sprüchen, in denen das erste Glied ein Bild, das zweite das damit Verglichene einfach ohne Verbum und ohne alle Vergleichswörter hinstellt, wie z. B.: „Ein goldener Ring in eines Schweines Nase, Ein schönes Weib ohne Verstand (11, 22). Wie sich aus diesem Beispiel ergibt, verschmähen diese Sprüche den Humor nicht; vielmehr enthalten sie sehr viel Schalkhaftes. Nicht selten sind sie kräftig und derb, aber nie verletzen sie den Anstand. Durchaus gesund, ohne Sentimentalität und Schwärmerei oder gar religiöse Aengstlichkeit geben sie durchgängig Lehren oder Beobachtungen der praktischen Klugheit und der gewöhnlichen bürgerlichen Moral. Obgleich Gerechtigkeit und Gottesfurcht vielfach betont werden, so tritt doch das eigentlich Religiöse sehr zurück. Durchgängig wird die Richtigkeit der alten Anschauung, nach der Tugend und Laster auf Erden ihre Vergeltung erhalten, vorausgesetzt. Ueberall zeigt sich ein praktischer Sinn, der mitunter sogar die Forderungen einer feinern Ethik zurückdrängt. Sehr viele Sprüche enthalten allgemeines über Weisheit, Gerechtigkeit und ihre Gegentheile, während andere specielle Lebensverhältnisse besprechen, bald als Lehren

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