Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 389 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417818--910-2418754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Salomonischen Schriften. 389 liirg betrachtet und „mein Sohn" angeredet wird. Wir haben diesen Hörer aber nur als ideale Person anzusehen, nicht als einen bestimmten Jüngling, wie etwa der junge Kyrnos, an welchen Theognis seine Sprüche richtet. Der Verfasser warnt besonders vor solchen Fehlern und Thorheiten, in welche ein lebensfrischer Jüngling leicht verfällt, wie vor dem Umhertreiben in Gesellschaft wilder Mvrdgesellen *) und besonders dem Umgang mit der verführerisch lockenden Ehebrecherin. Mit lebendiger Phantasie schildert er das Treiben der Welt und weiß vortrefflich die Weisheit und die Thorheit in anschaulicher Darstellung zu personifiziren. In diesen kühnen, gut durchgesührten und doch nie frostigen Personificationen steht er im Alten Testament fast ganz einzig da. Seine Sprache ist fließend und blühend. Obgleich von Eifer erfüllt, die Unerfahrenen zu belehren, wird er doch nie zum mürrischen Tadler oder zum langweiligen Moralisten. Seine Gesinnung ist ernst, aber durchaus praktisch, wie die ganze Weisheit der Spruchpoesie. Nicht immer sind seine Motive die der sublimsten Sittlichkeit, wie er denn z. B. als Hauptgrund seiner Warnung vor dem Umgang mit der Ehebrecherin die Gefahr hervorhebt, die von seiten des eifersüchtigen Mannes droht (0, 34 fg.), aber wir können dem Stück doch durchaus nicht das Zeugniß versagen, daß es einen schönen ethischen Hintergrund zeigt. In der Form hält sich der Verfasser immer noch an die alte Spruchdichtung. Nicht nur zerfallen seine Verse durchgängig in zwei Glieder zu je drei bis vier Wörtern, sondern einige Theile bestehen auch aus einzelnen Sprüchen, die er zum Theil anderswoher genommen haben mag; daher kommt es denn, daß sich solche wol unten in den eigentlichen Spruchsammlungen wiederfinden (wie 6, lO — 24, 33). Aber im ganzen reiht der Verfasser doch feine Sprüche *) Man bedenke, daß selbst Iefta und David an der Spitze solcher „loser 2eute" gestanden hatten. gern zu größern Redestücken zusammen. Es liegt aber in der Natur solcher Paränesen, daß sie in verschiedene Gruppen zerfallen, die nicht immer eng zusammenzuhängen brauchen, und daß in ihnen mancherlei Wiederholungen Vorkommen. Allein ganz verfehl! scheint uns doch Bertheau's Ansicht, nach welcher die verschiedenen Gruppen auch von verschiedenen Verfassern wären. Die große Aehnlichkeit der Sprache, die Wiederkehr derselben Formeln und Gedanken, namentlich in den Anfängen der einzelnen Abschnitte, spricht entschieden gegen eine solche Zerlegung. Dazu kommt, daß zuweilen Stücke, welche einen eigenen Eingang haben, doch ihrem Inhalt nach sich auf die unmittelbar vorhergehenden zurückbeziehen. Zuweilen muß auch Bertheau einen solchen Zusammenhang zugeben, wie z. B. l, 20, wo die Weisheit, welche den Menschen zu sich ruft, dem Locken der Verführer (V. lO fg.) gegenübergestellt wird. Zuweilen wird ein solcher Zusammenhang der Abschnitte durch ein „nun aber" an der Spitze des einen auch äußerlich bezeichnet (ö, 7; 32). Dazu wird schließlich die Einheit durch die immer wiederkehrende, zum Theil weitläufig ausgeführte Warnung vor der Ehebrecherin verbürgt. Es wäre doch seltsam, wenn verschiedene Verfasser gerade immer wieder dies eine Thema, und zwar in so zweckmäßiger Art behandelt hätten. Vollends selten wäre das, wenn Bertheau darin recht hätte, daß wenigstens einige dieser Stücke „Einleitungen zu größern Spruchwerken" gebildet hätten. Dieser ganze Abschnitt ist vielmehr ein in sich abgeschlossenes Ganze. Ewald sieht in demselben eine spätere Einleitung zu der folgenden Spruchsammlung. Zu einer solchen paßten allerdings wol die Schilderungen der Weisheit und einige allgemeinere Sätze, nicht aber die speciellen Ermahnungen, besonders die von ausführlichen Schilderungen begleiteten Warnungen vor Ehebruch. Auf die folgende Spruchsammlung wird übrigens nirgends Bezug genommen. Auch wäre diese Ein-