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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 388

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 388 (sequence 68)
Language
German
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388 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. beilegte, und daß das Ansehen seiner Weisheit mit der Zeit so sehr wuchs, daß spätere Schriftsteller keine bessere Empfehlung für ihre didaktischen Schriften kannten, als daß sie dieselben dem Salomo unterschoben, und daß man geneigt war, ganz verschiedenartige Weisheitsbücher ohne weiteres als Werke des weisen Königs anzusehen. Drei dieser Werke sind im hebräischen Bibelkanon, während ein viertes wenigstens unter den Apokryphen eine Stelle gefunden hat. Wir betrachten zuerst das wichtigste dieser Werke, von denen wenigstens ein Theil schon seit uralter Zeit als Salomonisch angesehen worden ist. Die Sprüche Salomo's. Unter diesem Namen, für welchen aber in der altchristlichen Kirche auch der Name „Die Weisheit" oder „Die ganz vortreffliche Weisheit" (che panai'6t08 8opbin) vorkommt, besitzen wir ein Werk, welches sich schon durch die verschiedenen Ueberschriften und den sehr verschiedenen Ton der einzelnen Abschnitte als aus mehrern, gar nicht homogenen Theilen zusammengesetzt ergibt. Dieses Buch hat aber gerade dadurch einen besonder« Werth für uns, indem es uns werthvolle Proben der verschiedenen Arten althebräischer Spruchdichtnng bietet. Die hebräische Spruchpoesie geht ohne Zweifel von der reinen Spruchform ans. Lebensklugheit und religiöse Weisheit kleiden sich in die Form kurzer Sprüche, welche durch schlagende Bilder öder sonstige Mittel energisch poetischer Redeweise auf die Hörer wirken sollen. Die eigenthümliche Form der hebräischen Poesie, welche auf Zweitheiligkeit der einzelnen poetischen Sätze beruht, begünstigt diese Spruchdichtung gar sehr. In zwei Gliedern kann sich Bild und Sache oder Bild und Gegenbild, Sache und Gegenstück leicht, kurz und scharf gegenübertreten. Die Lehre wird nicht als Resultat einer Untersuchung hingestellt und vertheidigt, sondern tritt kurz und apodiktisch als Ermahnung oder Beobachtung auf, die ihren Beweis in sich selbst trägt für jeden, dem es nicht an gesundem Verstände fehlt. Da sich die Sätze meist auf allgemein bekannte Verhältnisse beziehen, so ist ein solches Verfahren durchaus zweckmäßig. Solche Sprüche sind meist glückliche Impromptus, nicht das Werk überlegender Kunst. Treffen sie den Sinn des Volks, so werden sie leicht zu Sprichwörtern. Aber auch der ordnende Geist des Weisen bemächtigt sich dieser Form und reiht seine Lehren aus solchen Sprüchen zusammen, die unter sich in gewisser, wenn auch nicht sehr straffer Ordnung zusammenhängen. Ihm ist es hauptsächlich um paränetische Zwecke zu thun, welche durch das Einhalten der beliebten Form und die poetische Einkleidung wesentlich gefördert werden. Daraus entwickelt sich dann eine eigene didaktische Poesie, welche größere Werke schafft zur Darstellung bestimmter Lehren, aber durchaus in poetischer, den Sprüchen mehr oder weniger nahverwandter Gestalt, sodaß auch die einzelnen Theile leicht selbständig werden und als besondere Lehren oder Schilderungen abgetrennt werden können. Hier berührt sich die didaktische Poesie vielfach mit der lyrischen, welche gerade bei den Hebräern, namentlich im Dienst der Religion, eine starke Hinneigung zum Lehrhaften zeigt. Die „Sprüche Salomo's" zeigen uns nun die hebräische Spruchdichtung in verschiedener Entwickelung. Von den beiden Haupttheilen gibt der eine die alte Spruchform in ihrer schärfsten Ausbildung, während der andere ein größeres didaktisches Ganze bildet; die kleinern Stücke des Buchs bezeichnen zum Theil den Ueberganq von jener zu dieser Art. Das erste große Stück, l, 8 — 9, 18*), ist eine Ermahnung zum weisen Leben und Warnung vor Thorheit und Gottlosigkeit. In sehr fließender Rede wendet sich der Verfasser an seinen Hörer, der als ein unerfahrner Jüng- *) Ueber die Überschrift 1, 1—7 werden wir weiter unten sprechen.

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