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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 387

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 387 (sequence 67)
Language
German
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Die Salomonischen Schriften. 387 Propheten gilt: „Mit ihren Lippen verehrt mich' dieses Volk, ihr Herz ist nicht dabei." Pleß, Ostern 1838. A. Muhr. Die MmMiZchm SciMm. *) Das Alterthum liebt es, gewisse hervorragende Persönlichkeiten zu Trägern ganzer Literaturmassen zu machen. Geht auch nicht leicht ein anderes Volk hierin so weit wie das indische, welches z. B. dem Kalidasa die verschiedenartigsten poetischen Erzeugnisse znschreibt, so finden wir doch ähnliche Erscheinungen bei mehrern der begabtesten Nationen. Auch in den geringen Ueberbleibseln der alten israelitischen Literatur tritt sie hervor. David war, nach wenigen unzweifelhaft echten Gedichten zu schließen, ein ebenso großer Dichter wie Held; die Ueberlieferung macht ihn darum zum Lyriker pur oxesllonco und legt ihm die ganze Sammlung religiöser Gesänge aus neun verschiedenen Jahrhunderten bei, die das Psalmenbuch bildet. Sein Sohn Salomo muß sogar mehrern ganz verschiedenartigen Werken den Namen geben, die fast gar keine Gemeinschaft untereinander haben. Von Salomo, namentlich von seinem Charakter und Wesen, wissen wir im Grunde nicht viel Sicheres, viel weniger als von David. Die vortreffliche Quelle, welche den größten Theil der Bücher Samuel's ausmacht und uns so gut über David's Leben unterrichtet, erzählt uns nur noch den Regierungsantritt Salomo's (1. Kön. 1 und 2) und hört dann auf. Die weitere Erzählung des Buchs der Könige über diesen besteht aus kurzen historischen Notizen und aus ausführlichem, aber unhistorischen Berichten. Die sehr specielle Schilderung des von Salomo vorgenommenen Tempelbaues beruht allerdings auf der genauen Anschauung des Tempels selbst, muß also noch vor der Zerstörung abgefaßt sein, aber als *) „Grenzboten", IV, 1865. gleichzeitiges Referat über den Bau selbst kann sie nicht angesehen werden. Die Schilderung der Tempeleinweihung kann so, wie wir sie lesen, erst im babylonischen Exil zur Erbauung und zum Trost des duldenden Volks geschrieben sein, wie denn die Erzählungen über Salomo erst damals im allgemeinen ihre jetzige Form bekommen haben müssen. Die sagenhaften Berichte betrachten Salomo von zwei ganz verschiedenen Seiten; von der einen wird er als Verführer des Volks zur Abgötterei geschildert, während er von der andern als Muster der Weisheit erscheint. Die unzweifelhafte, auch durch die trocknen, aber echten Listen über die Fronen und Fronvögte bestätigte Thatsache, daß sich die nördlichen Stämme Hund zwar unter dem Beifall von Propheten) gegen die Last seiner Herrschaft auflehnten und sie sogleich nach seinem Tode wirklich abwarfen, sowie daß die Eroberungen seines Vaters zum Theil noch bei seinen Lebzeiten verloren gingen, sprechen wenig dafür, daß Salomo wirklich ein so weiser Herrscher gewesen, wie ihn die Sage schildert. Aber die Pracht seiner Regierung, das große Verdienst, das er sich durch den Tempelbau um die Concentrirung des Cultus und dadurch um den religiösen Fortschritt erworben hatte, umgaben ihn in den Augen der Nachkommen mit einem idealen Glanz, und dazu kam noch, daß der König mancherlei Sprüche der Weisheit im Munde führte. „Und er machte dreitausend Sprüche und seiner Lieder Zahl war tausend und fünf; und er redete über die Bäume, von der Ceder auf dem Libanon bis zum Psop, der an der Wand wächst, und er redete über das Vieh und die Vögel und das Gewürm und die Fische"; heißt es von ihm 1. Kön. 5, 12 fg. Können wir uns auch kein klares Bild von diesen Geisteserzeugnissen des Königs machen, so dürfen wir doch nicht bezweifeln, daß den ebenangeführten Worten, wenn sie auch Uebertreibung enthalten mögen, etwas Thatsächliches zu Grunde liegt. So sehen wir denn, daß man schon nach 200 Jahren gern alle Weisheitssprüche dem Salomo 25*

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