Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 384 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. welches als ein Muster der einfach edlen und kräftigen Darstellung biblischer Stoffe betrachtet werden kann. Der Dichter bietet uns allerdings kein abgeschlossenes Epos, es sind nur aneinandergereihte Bilder und Semen, was. er uus vorführt, aber diese ausgewählten Episoden sind gehaltvoll und anmuthig, und die hohe Auffassung des Dichters verknüpft alle Theile zu einem geistig einheitlichen Ganzen. Von den biblischen Dramen dieser Periode sind nur wenige hervorzuheben. Das Schauspiel „Moses" (Helmstädt 1812) ist wol das Unvollkommenste, was Friedrich August Klingemann geschrieben hat. Ebenso unbedeutend sind die biblischen Dramen Friedrich Rückert's, „Saul und David" (Erlangen 1843) und „Herodes der Große" (Stuttgart 1844), die wir, obwol sie in eine spätere Zeit fallen, dennoch schon hier anführen, weil sie noch ganz im Geiste dieser früheren Epoche gehalten sind. Für das Drama war Rückert überhaupt nicht geschaffen; seine Dramen sind im Grunde nur dialogisirte Epen. Der rasche Gang der Tragödie widerstrebt dem ruhigen Charakter des Dichters. Unendlich zu beklagen ist es, daß Zacharias Werner sich nicht mit der ganzen Kraft seines Talentes auf biblische Stoffe geworfen hat. Sein ganzer Lebens- und Bildungsgang läßt erkennen, daß er gerade auf diesem Gebiete der Dichtung Großes und Unsterbliches hätte leisten können. Werner's Genie hätte die Gestalteil der Bibelwelt zu neuem Leben erwecken können. Leider hat er nur einmal, und zwar bei schon abnehmender schöpferischer Kraft, einen biblischen Stoff behandelt. Wir meinen seine Tragödie: „Die Mutter der Makkabäer" (Wien 1820), welche an Genialität der Hebbel'schen „Judith" würdig air der Seite steht, ja in manchen Einzelheiten vielleicht noch gelungener, schöner und ergreifender ist. Der Dichter wollte in dieser Tragödie das Märtyrerthum verherrlicheil, aber er hat, wie Heinrich Kurz richtig bemerkt, seinem Zweck gerade dadurch die Spitze abgebrochen und den Eindruck vernichtet, daß er uns nacheinander acht Märtyrer vorführt. In dem Drama herrscht das Mächtige, Gewaltige, Große-, Freie, aber es ist leider fragmentarisch geblieben, wie die ganze Wirksamkeit dieses unglücklichen Dichters, bei dem die Poesie sich fast bis zum wirklichen Wahnsinn gesteigert hat. vr. Adolph Stamm. Du Kimlmimn Von Venedig.*) Ein fleißiger Theaterbesucher will bemerkt haben, daß „Hamlet" immer viele Juden ins Haus ziehe, und gibt als Grund ihren Speculationsgeist an, der die Gelegeilheit nicht unbenutzt vorüberlassen will, zwei Stücke für einfaches Eintrittsgeld zu sehen; aber auch für die Judenfeinde hat der unsterbliche Dichter gesorgt, und der „Kaufmann voll Venedig" verschafft ihnen außer dem herrlichen Genuß Shakspeare'scher Schöpfung noch das besondere Privatplaisir, ihre tiefsten Empfindungen, ihre geheimsten Gesinnungen so lebendig dargestellt, so richtig motivirt in die Erscheinung treten zu sehen, wie ihrer dürftigen Natur nie hat gelingeil wollen, es hervorzubringen. Welch ein Jude! Welch uneri»eßlicher Abgrund der Bosheit, welch Reichthum an Dialektik des Teufels! Wahrlich, die weggeworfenen Brosamen dieses Reichthums genügen für hundert moderne Eisenmengers in der Toga oder bei der Journalistik, um ihrer Armuth auszuhelfen, ihre Blöße zu bedecken. Dieser Shylock ist nicht einer aus dem Haufen, der, wie Lichtenberg sagt, uns voll den Tugenden einer goldenen Uhrkette aus Tomback stundenlang vorerzählen kann; nein, er steht einzig da *) Dieser Aufsatz wird uns aus dem Nachlasse des 1847 verstorbenen Herrn Abraham Muhr von dessen Sohne mitgetheilt, der hieran die Bemerkung knüpft: „Die «Jllustrirten Monatshefte» bringen im 3. Heft des 1. Bandes von Frau Iw. Henriette Goldfchmidt einen längern Artikel «Zur Charakteristik Shylock's». Ihre Leser dürfte es gewiß interessiren, über Shylock eine Auffassung aus anderm Gesichtspunkte kennen zu lernen, selbst dann, wenn sie bereits vor fast dreißig Jahren geschrieben ist." Die Red.