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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 378

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 378 (sequence 58)
Language
German
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378 Jllustr. Morratsh. für die ges. Interessen des Judenthnms. sias nach christlicher Ansicht bereits in Jesns erschienen ist n»d jene Verheißungen erfüllt hat, während das orthodoxe Judcnthnm noch immer der Erfüllung jener Verkündigungen entgcgensieht, denen zufolge aus dem Stamme Jsai dereinst der Erlöser erstehen wird. Hätte ein dem Judcnthum angehörender Künstler die Aufgabe gehabt, die Lebensgeschichte David's darzustellen, so würde er gewiß die an David gegeknüpften messiauischen Verheißungen mit seinem Werke nur insoweit verflochten haben, als er dieselben als noch unerfüllt hingestcllt hätte; noch wahrscheinlicher würde er sich ganz von dieser durch die Exegeten künstlich gefärbten Auffassung frei erhalten und uns in realer, rein rationalistischer Behandlung des historischen Stoffes die interessantem Epochen aus David's Leben und geistiger Laufbahn geschildert haben'. Anders ist es mnt dem ncuerschiencnen Werke des Münchener Malers Gustav König: „DaS Leben David's". Die zwölf Originalzeichnungcn, welche im Besitz der Königin-Witwe Elisabeth von Preußen sind, liegen jetzt, von Hans Hanfstängl in Dresden photographirt*), in schönen D.ucr-Folio-Blättern vor und bieten, mit ihren neben dem Hauptbilde befindlichen Nebendarstellungen (Lünette, zwei Zwickelbilder und vier auf den Gegenstand bezüglichen Pilasterstreifcn) eine reiche Fülle interessanter und durchdachter Bilder, von denen freilich ein großer Theil des jüdischen Publikums bedauern wird, daß die Auffassung eine, dem Geiste des Künstlers entsprechende specifisch christliche ist. Tritt auch dieses Element nur in einigen Blättern deutlich hervor, so ist es doch zu ersichtlich, als daß gerade dieser Punkt verschwiegen werden könnte, und wir würden es aus diese!» Grunde ganz natürlich finden, wenn dieser Mangel einer von christlich-consessionellen Ansichten freien objectivhistorischcn Behandlungsweise in einer Gleichgültigkeit des jüdischen Publi- 0 S. das Inserat aus dein Umschlag des Ü. Heftes dieses Bandes. kunis gegen dies ausgezeichnete Kunstwerk seine natürliche Folge hätte. Wir müssen gerade an dieser Stelle dieses ganz unnöthige Hineinverflechten der christlichen Messiasidee bemerkbar machen, obgleich wir glauben, daß, wenn Künstler und Verleger auch an ein jüdisches Publikum gedacht haben, sie sichschon selbst sagen mußten, daß dies von derartigen/ihm ganz fremden Elementen kein Freund sein werde. Ist aber die Schranke des Glaubensbekenntnisses ein Hinderniß für eine freie Entscheidung des künstlerischen Geschmacks? Gewiß nicht! Derselbe Jude, welcher streng und heilig den Satzungen seiner Religion anhängt, wird mit reinem Genüssen das Bild der Sixtinischen Madonna bewundern und dem Gcdankengaug des Meisters mit Liebe folgen dürfen. Nicht die ihn vielleicht kalt lassende Idee an sich wird ihn überzeugen, sondern die künstlerische Wiedergabe dieser Idee. Seine Theilnahme ist eine Gefühlssache, die-mit seinem ästhetischen Bildungsgrade innig zusammenhängt und die ihn nicht mit dem Glauben in Conflict bringen, sein Herz berücken und seine bisherigen dogmatischen Anschauungen verändern kann, wenn sein Wille fest und standhaft nur das Kunstwerk als solches betrachtet. Non solchem Standpunkt gesehen, dürfen wir in diesen Blättern auch Kvnig's „Leben David's" eine Besprechung gönnen, cs seinem Inhalt nach erklären und einiges über die Ausführung beifügen. Schon das erste oder Titelblatt offenbart den oben geschilderten Standpunkt unsers Künstlers. Wir erblicken David in einem Moment prophetischen Hellsehens, indem er, die Arme voll höchsten Entzückens zum Himmel breitend, in einem tempelartigen Gemach kniet. Zwei Engelknaben ziehen über ihm einen Vorhang zur Seite und er erblickt als Visionsbild die Geschichte Melchisedek's (l. Mos., 14, 18—20), an welchen' alten Priesterkönig von Salem (Jerusalem) auch der 110. Psalm erinnert. Zwei Stellen ans diesem Psalm, und zwar Vers 1: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten", und Vers 4: „Du

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