Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 376 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Jllustr. MonaLsh. für die ges. allerh. Ort mit berichtet werden möchte. rc. Salomon Koreff. Nathan Epstein. Ephraim Jeitteles. Lebel Borges. Mayer Fiedal. Mopses Jeitteles. Löbl Grose. Simon Aron Neustättl." Die Hofkanzlei suchte hierauf das Uebel zu mildern und die Weiterverbreitung der Krankheiten zu verhüten. Die betreffenden Maßregeln wurden von der Kaiserin, wie aus folgendem Schreiben hervorgeht, genehmigt: „Maria Theresia. Liebe Getreue. Es ist vermög Eures allerunterthänigsten Berichtes vom 29. Dec. jüngsthin wol daran beschehen, daß Ihr zu Verhüth und Abwendung derer unter der dortländigen Judcnfchafft sich äußernden verschiedenen Krankheiten das Herumbvagiren derer bettelnden Juden scharff verbothen, die Qualität der Krankheit, dann die Quantität derer diesfälligen Kranken zu untersuchen angeordnet und sonsten verschiedene gute <lj8po8itü»u(;8 zu stenerung eines weithers eiureißenden Übels vorgekehrt habet. Ihr werdet auch mit diesen sorgfältigen Vorkehr und anordnungen noch weiteres eontiuuirou, auch die benöthigten Mittel wieder derleh Krankheiten anwenden zu lassen, besonders bedacht sein, uns aber ob und wie viel in diesen Krankheiten etwan bisher» gestorben, und in .was solche dann eigentlich bestehe? das nächstens zu Verordnen und gchorsamst einberichten. Wien, 9. Jan. 747." Bald hernach boten sich die Nettesten der-Prager Juden an, auf eigene Kosten ein Spital zu erbauen, um das Elend zu mildern, doch wurde dieser Antrag nicht beachtet. Die Kaiserin fürchtete, ihnen das kleinste Fleckchen Erde zu gönnen, damit die Juden nickt da ihren archimedischen Punkt finden. Sie schrieb eigenhändig: „Die juden Verdienen wenig umb Interessen des Judenthums. mich, in disen unglückseligen Zeiten haben sie es genug bezeugt, auch jetzt noch, in der recrutirung, haben sie auf ihr kleines guautum nur 37 man gestellt, ist also das projoet (die Juden, unnachsichtlich auszuweisen) wie es liegt zu upprobirvu und zu oxpockiron marin cklmrocku." *) Betrachtet man die Verhältnisse, wie sie waren, so war es in der That den Juden Prags nicht leicht möglich, mehr Rekruten zu stellen. Nebenher wollen wir bemerken, daß diesem Rescript zufolge die Juden Dienste beim Militär leisteten, wie das auch zu andern Zeiten geschah, bevor noch Kaiser Joseph II. die Juden für militärpflichtig erklärte. Wir haben jedoch aus dem Jahre 174«', auch etwas Erfreuliches zu berichten. Ein Lichtschein, wenn auch nicht Lichtstrahl, brach aus dem Dunkel hervor. Mittels Entschließung vom 4. Aug. 174«, gestattete die Kaiserin den Juden, daß sie noch sechs Jahre in Böhmen bleiben dürfen und während dieser Zeit einzelweise das Land räumen sollen, und zwar in jedem Jahre der sechste Theil derselben, sodaß nach Verlauf von sechs Jahren sämmtliche Juden das Land geräumt haben. Die Originalentschließung der Kaiserin liegt uns nicht vor, ebenso wenig der Voract, aus welchem zu entnehmen wäre, welche Motive die Kaiserin zu diesem Entschluß veranlaßten. Man wird zugeben, daß diese Maßregel nicht als eine liberale bezeichnet werden kann. Wir nannten sie jedoch einen Lichtschein, weil wieder Zeit zum Unterhandeln gegönnt war. Die Statthalterei machte gegen diese Entschließung Vorstellungen. Von dem Grundsatz ausgehend, es sei wünschenswertst, die armen Juden ans dem Lande zu weisen, hingegen die reichen in demselben zu lassen, meinte sie, man könne den Modus,J>er Auswanderung nicht dem Ermessen der Juden überlassen, weil sonst die reichen sofort Z Die Orthographie der Kaiserin ist bekanntlich keine konstante und hat sie öfters ihren ersten Namen mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben.