Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 375 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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375 Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1 744. den die Ausweisung ans dem Prag nabegelegenen Orte sieben, welche ebenfalls am ö. August 1746 stattfand, wo sich bis dahin viele Juden aufgehalten chatten. Trotzdem wir jedoch diese Motive wohl zu würdigen wissen, können wir nichtsdestoweniger die auf dem Lande wohnenden Juden in Böhmen nicht ganz von einem gewissen Grade von Hartherzigkeit freisprechen. Es heißt öfters, daß gemeinsames Unglück die Leidtragenden mit einander verbinde; ebenso oft kommt es aber auch vor, daß das Unglück die Menschen egoistisch macht, so daß sie hartherzig werden. Wir haben schon an andern Orten zu bemerken Gelegenheit gehabt, daß die Juden, die bezüglich ihrer Rechte Privilegien erhielten, sorgfältig darüber wachten, diese Privilegien ausschließlich zu genießen, und z. B. fremden Glaubensgenossen die Einbürgerung erschwerten, wo nicht gar unmöglich machten. Wir erinnern daran, daß es zur Zeit der „Toleranz" (bis zum Jahre 1k>4<P in Wien Juden gab, welche öfters die Gesuche fremder Juden um Toleranz zu Hintertreiben suchten (vgl. unsere „Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien"). Wir finden hier einen ähnlichen viel härtern Vorgang. Viele Juden aus Prag, die infolge der Auswanderung, wie nur bereits bemerkten, in Scheunen und Ställen u.s.w. Unterkunft suchen mußten, wurden krank. Während es sonst zu den schönsten Liebeswerken gehört, kranke zu pflegen (Uiünr Eliolim), weigerten sich die damaligen Juden, ihre kranken Glaubensbrüder zu beherbergen. Diese Hartherzigkeit war um so sträflicher, da in früheren Zeiten die Juden vom Lande, welche erkrankten, nach Prag zogen, um dort ärztliche Hülfe zu suchen,, und im jüdischen Krankenhause daselbst Pflege fanden. Nicht ohne Herzenserschütterung haben wir folgende Eingabe der Vorsteher der Prager Juden gelesen: „Hochlöbl. Königl. Oonvmno! Gnädig Hochgebietender Herr, Ew. Hochreichsgräfl. Isxrwllm^ und Gnaden w. beizubringen, welcher Gestalten (nachdeme bei diesen Jammervollen Zeiten von denen blutarmen mujorjrtou Prager Juden viele so der Kälte oder Hunger wegen haben erkranken müssen) zu geschehen pfleget, das man vielmahle schon zu 5, 4 und 5 derlep erkrankte Personen auf einen Wagen ausladen und solche nacher Brandeis oder anderer Orten, wo Landjudengemeinden befindlich, führen thuet, und darbev sich ereignet hat, das man wegen scbwere der Zeiten sotbane Kranke von einem Orthe ab und zum andern verweiset, folgbar von Brandeis nacher Jungbunzlau, Kollin und anderwerts hin zu 5, 4 Tag biudurch ohne irgends wo eingenohmen w werden, herumbführt, nothwendig sich begeben müssen, das diese arme Kranken unterdessen theils erfrieren und theils wegen zunehmender Schwachheit auf freiem Jeld, leider Gott, wie schon an vielen Hunderten besebehen, durch derlei) Herumbfahren hilflos haben dahin sterben missen. . . . Derowegen an Ew. Ereellenz unser unterthänigst wehmütigstes Bitten gelanget, Hoehdieselben geruhen, an die Behörden zu verordnen, womit aller Orthen, wo nur eine jüdische Eomunetät und alda Landes- und Prager Juden befindlich, ein ll<»g>itaw (zumalen denen Landesjuden ehemals von denen Pragerischen Juden fast unzehlbare Lwnvtiom auch erzeugt worden) eoimtituirt und so wohl daßige als auch in diesen Hrritorüumbliegende arme Kranke je näher, je ehender eingenohmen und verpflegt, mithin nicht so grausamen Todes dahin sterben und, Gott sey vor, keine Jnfieirung im Land erfolgen möchte. Weilen aber die Armut ungemein groß, an die Behörden ohnmaßgebig zu verfügen, das eine kleine ltvjmrtition von denen?otrmti<>ridu^ mmnlwm bis aus UWNfl. erhoben und (weilen es ohnedem nicht über zwep Monate andauern wird, maßen diese armen Leute bey etwa nicht erfolgender allerh. Gnad außer Land ziehen missen) denen armen Leuthen unter die Arme gegriffen, endlichen auch unser grausames Elend nacher A