Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 365 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417818--886-2418730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. 8U7> meistens in Ställen, Scheuern, Elenden Camern, Winkeln und Löchern bestanden, welchen in jetzigen rauben und noch folgenden ärgern Zeit nicht Wohl der Menschlichkeit gemäß ist, so doch auch bey Christen für die Inden als Menschen gelten m n ß. „Die Nahrung für eine so große Menge Juden kann nmb Prag ohne Prag nicht sepn; wann sie also nicht in Prag selbst wohnen, sondern täglich aufs eine halbe oder gantze Meile hinein und Heralls in aller Witterung lausten sollen, entgehet ihnen erstlich bei knrtzen Tagen eine große Zeit, andertens verderben sie an ihrem Gewand mannichen Tag mehr, als sie zu gewinnen Hoffnung haben und ist die tägliche so weite Zerstreuung den Eltern von ihren Kindern doch eine Erbarmungswirdige Sache." Sie schlagen hierauf vor, 400 jüdische Familien in Prag wohnen zu lassen. II. Als ein Cnrivsiim möchten wir Folgendes hervorheben. Wir haben unparteiische Stimmen, ja Stimmen, welche gegen die Juden Partei nahmen, vernommen, in welch harter, inhumaner Weise die Ausweisung in Scene gesetzt und ausgesührt wurde. Man vergegenwärtige sich die Lage der Prager Juden. Beim Einzug der österreichischen Truppen am 26. Nov. 1744 wurden sie von den Grenzsoldaten geplündert. Ende März 1746 mußten sie wegziehen lind um jeden Preis das verkaufen, was sie nicht mit sich führen konnten. Zuvor jedoch wurden sie verhalten, die dem Staate schuldenden 160000 Fl. und andere Schulden u. s. w. zll bezahlen. Sie lebten nun ohne allen Verdienst und zwar in Scheuern, Ställen u. s. w. Fast buchstäblich ging das Wort der Klagelieder in Erfüllung: „Die Leckerbissen genossen, verschmachten auf der Straße, die erzogen wurden in Purpur, umfassen den Koth", und doch verlangte man von denselben, um sich „angenehm" zu machen, daß sie Steuern zahlen. Mittels einer Zuschrift vom 19. Febr. 1747, wurde ihnen von seiten der Statthalterei bedeutet: "Nach k. Befehl sollen die Juden in Böhmen 90M Fl. zur Anschaffung von Schnappsäcken, Flintensteinen und derlei Nahmen, dann Pulverhörnern zahlen. Ans die Prager Juden entfielen i-Ooo und auf die Landjuden 4000 Fl. Die Landjuden müssen diese bezahlen, da sie noch im Lande sind. Die Prager Juden könnten davon befreit sein, sie sollen aber als »eine gewunschene Gelegenheit ihr immerfort allerunterthänigst bezeugende Willfährigkeit neuerlich an den Tag le^en», 2000 Fl. zahlen. Die Juden, auf ihre traurige vage hinweisend, baten um einen Monat Frist, um möglicherweise die Summe zusammenzubringen. Nun hatten die Juden allerdings während der Zeit eine Concession erlangt. Mittels allerhöchster Entschließung vom 1.6. "Mai 1747> wurde es ihnen nämlich gestattet, vorläufig noch im Lande zu bleiben. Infolge einer wiederholten Vorstellung der Statthalterei rescribirte die Kaiserin am O I.Ang.: „Sollen weiteres ans dem Lande sich ausbreitcn dürfen, bis weitere "Drdre." Während dieser Verhandlungen nahte wieder der Herbst und nach ihm der Winter heran. Während die Landjudenschaft bloS vom Damoklesschwert bedroht war, eines Tags von Hans und Hof, von der geliebten Heimat wegziehen zu müssen, war sie doch mindestens während dieser Zeit in ihren bisherigen Behausungen und konnte die mannichfachen Bequemlichkeiten genießen, die jedes Hans und jede Hütte ihrem stabilen Bewohner gewährt; wenn auch ihre Beschäftigung einen harten Stoß erlitten hatte, da ihre Glaubensbrüder, mit welchen sie in Geschäftsverbindung standen, aus Prag vertrieben wurden. Die pragerJnden hatten jedoch nicht einmal ein Plätzchen, wo sie ruhig ihr Haupt niederlegen konnten. Wenn man den häuslichen Sinn der Juden kennt, so kann man ermessen, wie schwer es die prager Juden empfinden mußten, daß ihnen eben alle Freuden, die die Häuslichkeit bietet, abgingen. Im "November 1747, beantragte die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.