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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 363

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 363 (sequence 43)
Language
German
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Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1714. gen Kälte der Ausweisungstermiii neuerdings bis Ende Mär; verlängert. Alle Gesuche und Vorstellungen bei der Kaiserin, sie in Beziehung ans die Juden umzustimmen, waren fruchtlos. Die Hoffnungen der Juden, diesmal, wie schon so oft, durch wiederholt erlangte Verlüngerungstermine Zeit;u gewinnen und dadurch eben alles zu gewinnen, daß inzwischen andere für sie bessere Ansichten sich geltend machen würden*), erwiesen sich als eitel und nichtig. Die Kaiserin rescribirte eigenhändig : „Die Juden müssen alle hinaus und es schon öfters positive gemeldet wie die mittel und wie es zu befolgen." Wirklich zogen dieJuden am31. März l74ö von Prag weg, und wir lassen hier den Bericht der Statthalterei vom t. April an die Kaiserin folgen: „Nachdem 'die Juden die rcpartirten 160000 Fl. gezahlt, weiche sodann nicht ohne den größten Herzensleyd und Betrübnus die Schlüssel von denen sMngvMu lind Jndenschulen, dann ihrem Rathhauß und Doputirtonambto dem Philipp Grafen v. Kollowrath als allergnädigst constituirten blxoeutioiw Eowwüuril) behändigt und solchemnach Ew. königl. Mas. allerhöchstem Befehl sich mit Vergießung häuffiger Thränen und Weheklagen unterziehende, die mni- *) Unwillkürlich fällt uns eine bekannte Anekdote ein. Der Beamte eines Orts, wo Juden wohnten, ordnete einmal die Ausweisung derselben an. Wie natürlich war große Bestürzung unter den Juden, und sie beriethen, was zu geschehen habe. Es wurde der Beschluß gefaßt, den angesehensten und verständigsten unter ihnen zu dem „gestrengen" Herrn Beamten zu schicken, um mit ihm zu unterhandeln. Alle Vorstellungen waren am fänglich vergebens; endlich entschied der Beamte, er wolle die Juden länger im Orte lassen, wenn der Wittsteller das Kunststück zu leisten im Stande sei, den Esel des Beamten lesen zu lehren. Der Jude ging freudig darauf ein und erbat sich eine Frist von fünf Jahren. Freudestrahlend berichtete er hierauf seinen Eommittenten, daß das „Verhängniß" ausgehoben sei. Diese hielten jedoch die Sache für unmöglich. Hierauf beruhigte sie der weise Fürsprecher und meinte: „Ich habe fünf Jahre Zeit, inzwischen ist der Esel oder der Beamte todt." 36." o-rntion aus der Stadt bis aus diejenige so Krankheit halber nicht hätten fortgehen können, und diejenigen, die zu derselben Pflegling auch allhier verbleiben müssen, den Bl. Jlnrtis in dem gantzen Haussen wirklich vorgenommen und bewürkt hätten. Wobey nicht obne Bewunderung wargenommen worden, daß verschiedene Kranke so bies zu ihrer völligen Genesung allster zu verbleiben die Erlaubniß gehabt, Ihre vizenzzetteln zurückgestellt und denen übrigen Emigranten nachgefahren wären." Wir sind weit entsernt davon, die Kaiserin der Grausamkeit und Hartherzigkeit zu beschuldigen, indem sie ungerührt und unbewegt derartige Vorfälle hervorrief und trotz vielfachen Einreden nichts that, um denselben abzuhelfen. Die Kaiserin war infolge der vielen Jeinde, die sich gegen sie erhoben hatten, verbittert. Der Dreubruch, der ihr gegenüber von den verschiedensten Seiten in der schnödesten Weise sich kundgab, hatte sie aufs tiefste verletzt, und darum drängte es sch,zu strafen. Die Juden waren der Prügelknabe; ihrer nahm sich niemand in energischer Weise an, und die Schale des kaiserlichen Zorns wurde über sie ganz ausgeschüttet. Es lebten zu jener Zeit in Prag 1W7jüdische Familien, welche über Seelen zählten, außerdem 473 Fremde und 112 nicht contribuirende Familien. Diese mußten plötzlich Prag verlassen. Man kann nun leicht denken, daß diese Anzahl zu jener Zeit in den Orten, wo sie sich niederließen, und diese waren zumeist in der Nähe Prags eine Übervölkerung Hervorrufen mußte. In der That berichtete die eingesetzte Judencommission (Hosrath Harrach, Korzensky, Schasfgottsche, Althan, Kosy, Knichen, Turba, Jordan, Kamerganskv, Rumerskirchen, Kannegießer), es müsse dem ungewissen Zustande der Juden ein Ende gemacht werden. Sie leben zusammengepfercht und gedrängt auf dem Oümde und Seuchen seien zu befürchten. Hierauf rescribirte die Kaiserin am 31. Aug. 1747) eigenhändig concedirend:

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