Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 362 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417818--883-2418727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
362 Jllusir. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. könnte also nicht absehen, warumb dergl. dem publico ilicht schädliche sondern protitablo Jüdische s,artikulares das Schicksal der Ui^ratiail illittreffeil und das böhmische Öomeiciuiu auff eimnal unterbrochen werden sollte, worbey noch die Gefahr wäre, daß solches nach einmaliger Abwendung, wie es in partimilar speeiebus mer« antiliirns mit laxem;,Ion äe zuaeterito bestätigt werden könnte, gar nicht oder doch mit großein Abbruch znrückzubringen seyn möchte. Derley wohlhabende partienlares unter einem rostriu^irtcni uumero gleichwie es alhier bev Ew. Maj. Hofflager sclbsten so ist, mithin keineswegs in forma ecnnnuitatis, sondern unter sjiooial privilo^ion der im Land Bleibungkönnte Utan unmöglich schädlich, auch einer künfftigen rosolntio, wann man sic immer nicht mehr haben wolle und nach anderweitigen Surrogate der Eon:- nmrciantou nicht nöthig hätte, keineswegs graesiiilirirliob finden." — Wir haben hier das Zeugniß eiites Bileam für die Juden angeführt. Wir gedenken nicht, die gegen die Juden vorgebrachten Anschuldigungen zu entkräften. Die Hofkanzlei gibt selbst zu, daß sie nicht in die Juden verliebt sei, sie nimmt es der Hoskammer sehr übel, daß diese noch von Zeit zu Zeit ein Wort für die Juden spricht u. s. w.; nichtsdestoweniger erkennt sie die Nützlichkeit eines Theils der Juden au. Sie scheidet zwischen Pöbel, d. i. demjenigen Theil, der arm ist, den sie sammt und" sonders als eine Rotte von Hehlern und Stehlern u. s. w. darstellt, und den wohlhabenden Leuten „von welchen auch das Wohl des Staats behänget." Die Theorie, daß der reichere Jude auch der bessere Jude sei, war zu jener Zeit und in einer noch viel spätern sehr cm v)«uo. Wie konnte man sich jedoch Wundern, nachdem der Besitz das einzige Kriterium für die Nützlichkeit des Juden war, daß der Jude eben nach Besitz strebte? Wurde ihm nicht der Fehler geradezu eingeimpft und aufgepfropft? Wir bestreiten es freilich, daß der Jude in höherm Maße diesen Fehler besitze, als andere Menschen; sonst hätten die Juden nicht so viele Opfer für ihren Glauben gebracht, sonst würden sie heute nicht noch so viele Opfer für denselben bringen, da sie genöthigt sind für ihren Cultus und für ihre Schulen selber zu sorgen. Wir können es auch nicht glauben, daß der größte Theil der Inden, der „Pöbel", eine Horde von Hehlern und Stehlern war. Und war dieses der Fall, warum sind die rechtmäßigen Behörden nicht gegen dieselben eingeschritten? In den ersten Regierungsjahren der Kaiserin war das Reich in seinen innern Grundfesten erschüttert. Aeußere und innere Feinde des Kaiserstaats wollten denselben aus den Angeln heben und ihn zerstören. Trotz des Kugelregens und der Sturmglocken fand maic Zeit, ellenlange Aeteiistücke über die Ausweisung der Juden zu schreiben. Sollte man nicht Zeit gefunden haben, der Gerechtigkeit die Satissication zu verschaffen und die Hehler und Stehler zu bestrafen? — Wie kindisch übrigens die Ansichten über Nationalökonomie waren, geht daraus hervor, daß man den Besitz für wcrthvoll hielt, die Arbeit aber für nichts anschlug und berechnete. Die Hofkanzlei wollte, daß den reichen Leu-' teu der Aufenthalt in Prag gestattet werde. Hat man zu jener Zeit nicht die Erfahrung gemacht, daß arme Leute reich und reiche Leute arm wurden? Doch trotz des Vermittelungsvorschlags beharrte die Kaiserin bei ihrer Ansicht, und Tags darauf, am 18. Dec., erschien das Ausweisungsdecret. Trotzdem man jedoch die Absicht hatte, die Juden so schnell als möglich aus Prag zu vertreiben, so waren die Verhältnisse doch stärker als die Menscheil und Ende Januar 174ö wurde der Ausweisungstcrmin auf einen Monat, bis Eilde Februar verlängert, damit die Juden ihre Geschäfte abwickeln können. Ebenso wurde für die Juden, die auf dem Lande in Böhmen wohnten, „von der allgütigsten Landesmutter in Ansehung deren triftigsten Vorstellungen, vornehmlich aber weilen die Juden mit Dero getreuesten Unterthanen im Creditwesen verflochten seind", der Ausweisungstermin verlängert. Als der Monat Februar zu Ende ging, wurce für die prager Juden wegen der streu-