Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 361 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. UO 1 auch nicht so arme schlesische Judenschaft ein Vierteljahr, ja man cki-isiluulirto, daß die Ausziehung sich eine Zeit darüber verzögerte. Es ist doch zu Stande gekommen, wie inan gewollt, und ohne jemandS merklichen Schaden. Die gebrauchte kleine Nachsicht hat nichts geirrt, weilen man auf dein ein-! mal gefaßten Beschluß fest verblieb lind! die Jiideuschafft von ihrer Verzögerung! keine andere als ihnen selbst schädliches ottdetu8 anhoffen mochte. War nun diese Verjährung dort notwendig und unumbgänglich, wie viel mehr also an- > jetzo, da es auf Böhmen und anff eine vielfach größere Migration der dortigen meistcntheils blutarmen Juden ankommt. ,,ö) Ew. königl. Maj. verlieren bei der Nachsicht in dem Termine der Ausschaffung nichts. Es ist zwar sonsten die Geschwindigkeit in vielen Begebenheiten gut lind heylsam. Wenn sich aber bey andern Uinbständen eine Sache auff einmahl nicht brechen lasset, so ist es eine Notwendigkeit, Zeit lind Ltoclalität zu Hilfe zu nehmen." Fünfte Abtheilung. „Warum sollen die Juden abgeschafft werden? "Nicht alles, was den jüdischen Namen tragt, ist hiesigem Ermessen nach einem Lande schädlich, sondern was das Königreich Böheimb am meisten drücket, sind die jüdischen Oomunitäton, welche gleichsamb in separaten Städten lind im Ooinoreio über das Ehristenthnmb fast erwachsen und nichts neben sich aufkommen lassen. Die Judeneomunität zu Prag hat etliche und 30 Häuser von altersher zirozaäo zur Judenschaft gewidmet. Nebst diesen hat sie unter der Fürst Lichtenstein'schen Gubernation im vorigen 8uoeulo noch 29 sonst denen Christen zugehörig gewesten Häuser bekommen. H Jedes Hauß hat wieder so viel junge Häußer oder Gehüus, wie es der Altstädter Magistrat zu nennen pflegt, als Stuben oder Eammern, ja eine Stube hat einen oder mehrere Verschlag, oder in der Höhe gebaute INnvIut-aNon, und *) Diese Erweiterung der Judenstadt erfolgte unter Kaiser Ferdinand II. nach der Schlacht am Weihen Berge. das sind wiederunib jüdische sogenannte Gehaus, also daß ein jüdisches Hans ZO und mehr Gehäus oder Familien in sich begreift. Weiteres hat die Judenschaft sieben Synagogen oder Schulen, drei große Fleischbänke und übrigens ihre eigenen Apotheken, jüdische und alle Handwerker und pn>- t'o8.HÜ>uo8 wie sie Namen haben, außer Schwerdtfeger und Bierbrauer. J Diese Comunitäten und dieses Gewimmel von meistens blutarmen Volk ist was das Publicum belästigt und allerley Unfug respective ausübete und bey andern verheelt. "I Hierentgegen sind unter der Prager Judenschaft verschiedene Wohlhabende und in derley Sachen sich nicht mischende srurtiouluro^ welche den größten Theil des böhmischen Emuumrmi in ihre Hände gebracht. Diese befördern die böhmischen Oaudesoxportumlu in fremde Länder und führen dagegen vieles Geld herüber, welchen Eonmrmi Erhaltung nicht allein des Landes, sondern auch Ew. Maj. lutoro88o behänget. Das Lurroonimu der christlichen Eomorciuulou ist wenigstens dermalsten nicht vorhanden, und ehe sich eines künfstig zusammensetzet, wird noch Zeit verlaufen. Die... Cantzley *) Zu verschiedenen Zeiten machte man den Juden Vorwürfe, daß sie sich uicht deiü Handwerk zuwenden. Wie aus Obigem hervvrgeht, waren in der Prager Judenschaft sämmtliche Handwerke mit Ausnahme der genannten — Schwertseger und Bierbrauer, welche ihnen verboten waren — vertreten. Ferdinand ll. hatte nämlich den Juden gestattet, Handwerke zu betreiben, und sie machten davon den umfassendsten Gebrauch. Wir würden manchem eifrigen Katholiken anrathen, sich an Ferdinand II., genannt der Katholische, ein Beispiel zu nehmen. Dieser war es, der die Juden am meisten in jenen trüben Zeiten begünstigte. **) Das Vorurtheil gegen das jüdische Gemeindewesen, daß diese die Brutanstalten der wirklichen oder erdichteten Fehler der Juden seien, war lange Zeit vorhanden, und selbst der erleuchtete Kaiser Joseph ll. war von diesem Vorurtheil befangen; er suchte deshalb das jüdische Gemeindewesen aufzuheben. ^>m Brouillon sind einige Namen angegeben, die später ausgestrichen wurden. Sie find: Frankel, ^ewi, Ensel Elbogen, Ullman, älterer und jüngerer Kuh u. s. w., welche „einer in den andern auf 100000 Fl. im Vermögen zu schützen."