Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 357 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Lalomon Sulz er. 357 dem es bekannt ist, wie wenig er sonst im allgemeinen der Mode huldigte, dem wiener Cantor seine Anerkennung zollte. Wer Sulzer jemals singen gehört, wird eine solch allgemeine Anerkennung mehr als begreiflich finden. Sulzer besaß eine der wohllautendsten Stimmen, die man je gehört hat; dabei einen ergreifenden Vortrag voll der tiefsten Innigkeit, und selbst heute, in seinem l>2. Lebensjahre, da seine Stimmmittel an Kraft, der Natur den Tribut zollend, nicht das zu leisten vermögen, was sie einst vermocht, fehlt seiner Vorzugsweise doch noch nichts von jener Weihe und begeisterungsvollen Andacht, womit er in früheren Jahren seine Zuhörer entzückte. Sulzer's Verdienste beschränken sich aber nicht nur auf das Gotteshaus. Freilich traten sie in diesem am allermeisten hervor, denn seine Gesäuge am Tage der Zerstörung Jerusalems („Tischebeow") z. B., worüber sich Retterts allsgesprochen, zeigen so echt, daß er hier wahrhaft schöpferisch in den Cultus eingegriffen. Aber auch außer dem Gotteshause strebte er manche ästhetische Reform an; bei freudigen sowol als traurigen Familienereignissen, überall war er bei der Hand, bei Trauungen, Leichenbegängllissen, Trauergottesdiensten (kmjuimii), bei all solchen Gelegenheiten strebte er ästhetische Reformen an, die sich in der wiener Jsraelitengemeinde bleibend erhalten haben. Außerdem wurde er in viele auswärtige Gemeinden zur Einweihung von Tempeln, Synagogen, Jnstallirungen von Rabbinern u. s. w. berufen, und er verweigerte selten einen solchen Dienst. Schreiber dieses erinnert sich sehr wohl an den Tag, da er Mannheimer zum ersten mal predigen und Sulzer mit seinem Chor singen hörte; es war dies bei einer ähnlichen Veranlassung, in Nikolsburg nämlich, und zwar bei Gelegenheit, als der damals aus Emden berufene Samson Rafael Hirsch in Nikolsburg als Landes-Oberrabbiner installirt wurde. Daß Sulzer im Jahre 1858 die Einweihungs-Musik für den neuerbauten Tempel in der Leopoldstadt besorgte, versteht sich von selbst. Theils die für alle derartigen Zwecke neuentstandenen Kompositionen, theils die Anerkennung, welche dem Verfasser des „Schir-Zion" von allen Seiten gezollt wurde, theils endlich der rastlose Eifer, der ihn immer Neues zu schaffen drängte, hatten zur Folge, daß Sulzer gegenwärtig mit einem zweiten Theil „Schir-Zion" vor die Öffentlichkeit treten konnte. Dieser soeben erschienene zweite Theil kann als Fortsetzung und Ergänzung des ersten Theils betrachtet werden. Eine vieljährig Erfahrung hat den Componisten darüber belehrt, daß die Anlehnung an die alten Synagogen-Melodien der glückliche Ausgangspunkt sei für Compositionen, die für den jüdischen Gottesdienst bestimmt sind. Reif genug, um die Mängel, welche seiner eigenen Ansicht nach dem ersten Theil noch anhaften, zu vermeiden, ging er diesmal auf die ursprünglichen Melodien noch mehr zurück, als dies im ersten Theil der Fall war, und bestrebte sich, diese alten Weisen in ihrer Ursprünglichkeit und Charaktereigenthümlichkeit soviel als möglich heczustellen. Dabei kam ihn: seine allsgezeichnete Kenntniß des sogenannten „polnischen" Gesanges vortrefflich zu statten. Daß er in Rhythmisirung und Harmonisirung derselben noch eine weit größere Meisterschaft erreicht hat als im ersten Theil, thut dem eigentümlichen Charakter dieser Melodien keinen Eintrag, im Gegelltheil, sie werden hierdurch erst das, was mall idealisirt nennt. Von kleinern Compofitionen sind noch zu erwähnen: „Dudaim", Gesänge für Haus und Schule, Psalmen und weltliche Lieder. Die letzten: mögen entstanden sein zur Zeit, da Sulzer auf dem wiener Conservatorium der Musik die Professur des Gesanges innehatte, was vier Jahre lang der Fall war. Ueber seine Familienverhältniffe ist wenig zu sagen. Er hat lt Kinder, llnd ein gewisses musikalisches Talent scheint sich vom Vater auf dieselben übertragen zu haben. Wir erwähnen von denselben nur einen Sohn Julius, Eompositeur, von dem erst unlängst in Prag eine Oper unter günstigem