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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 356

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 356 (sequence 36)
Language
German
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356 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Bemühungen entstand aus diesen Chorälen ein Werk, welches fortan nicht nur in Wien die Grundlage des jüdidischen Gottesdienstes bildete, sondern auch allerorten Eingang gefunden und heutzutage mit wenigen Ausnahmen in allen Synagogen benutzt wird, wo sich der Choralgesang bereits Bahn gebrochen hat. Es ist dies die unter dem Namen „Schir-Zion" von Sulzer herausgegebene Sammlung von Chorälen für den Gebrauch des jüdischen Gottesdienstes. Obzwar er fünfzehn Jahre verstreichen ließ, ehe er diese dem Gebiet der Kirchenmusik angehörenden Kompositionen veröffentlichte, so war den: Komponisten selbst der Zeitpunkt der Herausgabe doch noch zu früh; wenigstens versicherte mir Sulzer, daß er mit der Herausgabe des Werks gern noch gezögert hätte, wenn nicht dringende Anlässe dieselbe geboten hätten; denn er ist nicht von jener Selbsttäuschung befangen, den „Schir-Zion" für ein vollendetes, makelloses Meisterwerk zu halten; er ist sich darüber klar, daß das Werk bei noch reiferer Ausfeilung und Umarbeitung einzelner Theile nur gewouuen hätte; die Selbsterkenntniß, welche sich in dem Bekenntniß des römischen Dichters: „ultima lima cletuit mom Triptis" ausspricht, sie muß auch dem Verfasser des „Schir-Zion" nachgerühmt werden; allein er wurde durch die äußern dringenden Verhältnisse zur Herausgabe des Werks bestimmt; denn von den namhaftesten Gemeinden, wie Pesth, Kanischa, Venedig, München, Frankfurt a. M., Berlin u. m. a., welche das Bedürfnis; nach Verschönerung des jüdischen Gottesdienstes empfanden, wurde die Partitur verlangt; ein ähnliches Werk, welches den ausgesprochenen Wünschen hätte genügen sollen, war nicht vorhanden, und so wich der Compositeur der Nochwendigkeit, wenn er sich trotz mancher innerer Bedenken dennoch zur Herausgabe entschloß. Jndeß aber wäre cs sehr unrichtig, zu meinen, daß die Strenge, welche der Componist gegen sich selbst übt, der Maßstab sei, mit dem das Werk auch von andern gemessen werden müsse. Seine Selbstkritik ist ein schönes Zeugnis; von Offenherzigkeit; andere indes; müssen erkennen, daß der „Schir-Zion" in seiner vorliegenden Gestalt trotz mancher Lücken eine Arbeit sei, auf welche der Componist mit Recht stolz sein darf. In Wahrheit ist das Werk von Sachkennern auch nur günstig beurtheilt worden. Es würde zu weit führen, wollten wir alle Stimmen, die sich über dasselbe haben vernehmen lassen, hier reproduciren; sei nur in Kürze an die beherzigenswerthen Worte erinnert, die Franz Liszt in seinem Buche „Ueber die Zigeuner" dem Componisten des „Schir-Zion" widmet. Auch Seyfried, der ehemalige Meutor Sulzer's, unterzeichnet sich auf einem Briefe, in welchem er sich voll des Lobes über den „Schir-Zion" ausspricht, nicht nur als Mentor, sondern auch als College. Nicht zu vergessen ferner sind die Worte Lenau's über Sulzer als der Ausdruck nicht eines Fachmanns, sondern eines großen Menschen überhaupt, und noch dazu eines, der mit dem Worte nicht allzu verschwenderisch war. An Anerkennung fehlte es dem verdienstvollen Mann keineswegs; Männer in den verschiedensten Lebensstellungen ließen ihm solche zutheil werden. Der berühmte Bischof Ladislaus Pyrker, der Dichter der „Tunisias" und „Rudolfias"; der zu jener Zeit das ganze Oesterreich in Banden haltende Staatskanzler Fürst Metternich zeichneten den jüdischen Cantor in hoher Weise aus. Vom Kaiser Ferdinand erhielt Sulzer als Beweis der Anerkennung seiner Verdienste einen prachtvollen Brillantring, von; Kaiser Franz Joseph bekam er die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft; mit derselben wurde er auch vom Kaiser Nikolaus beehrt, und der Sultan erthcilte ihm den Medschidje-Orden. Der Ehrendiplome nicht zu gedenken, die dem geachteten Sänger von verschiedenen andern Seiten, Vereinen u. s. w. zuerkannt wurden. Daß er mit seinen engsten Fachgenossen, mit Sängern wie Staudigl, Lablache, auf freundschaftlichem Fuß stand, ist leicht erklärlich; interessant ist, daß auch Robert Schumann, von

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