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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 354

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 354 (sequence 34)
Language
German
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354 Jllustr. Monatsh. für die ges. bischen Gottesdienstes, welcher ans ganz neuer Grundlage geschaffen werden sollte. Mit dem Sing-Sang, der sich bisher in aller Ruhe und ungestörter Behaglichkeit breit gemacht hatte, war nicht weiter zu kommen, der Schlendrian mußte gebrochen werden, ein ästethisch-erhebender Cultus mußte an seine Stelle treten. Dabei aber sollte andererseits an dem eigentlich religiösen Inhalt des Cultus nicht gerüttelt und nichts wesentlich geändert werden, die alten Traditionen durften, insoweit sie mit dem Wesen des Gottesdienstes Zusammenhängen, nicht über Bord geworfen, nur ihre Form durfte inodificirt, der Inhalt aber sollte beibehalten werden. Das war in Wahrheit keine kleine Aufgabe. „Ja, aber warum hat sich Sulzer nicht den »Schir- Zion» angeschafft? In diesen: Werke hätte er die Lösung seiner Aufgabe gefunden!" so fragt vielleicht heute ein naives Cantorlein; aber das ist ja eben die Sache wie beiin bekannten Ei des Kolumbus, daß dann jedermann mit offenen Augen sehen und nachmachen kann, was ein anderer vorgcmacht hat. Das ist es eben! Sulzer fand einen „Schir-Zion", mit dessen Benutzung heutzutage jedermann in der kleinsten Landsynagoge den Gottesdienst zu regeln im Stande ist, keineswegs vor; dieser mußte vielmehr erst geschaffen werden. Und wer sollte ihn machen? Doch, „mit Eins und Eins kommt man zur Summe", lautet ein praktischer Spruch, und so war es auch hier. Nicht im Sprunge, nicht mit einen: male, fertig wie Minerva aus dem Haupte Jupiters hervorsprang, sondern nach und nach will ein solches Werk geschaffen sein. Gut Ding will Weile haben. Sulzer componirte vorläufig für den Tempel die nothwendigsten Choräle, dabei aber arbeitete er noch immer emsig an seiner eigenes Ausbildung; er nahm bei dem Componisten Ritter von Seyfried Unterricht in der Compositionslehre und füllte allmählich manche Lücke seiner musikalischen Bildung aus. Seine eigenen Kompositionen reichten aber für den Bedarf des in der Synagoge im Laufe des Jahres Nothwendigen nicht aus, und Interessen des Judenthums. da er nicht im Stande war, die ganze Masse von nöthigen Chorälen im ersten Jahre zu bewältigen, so ließ er sich von einigen andern Componisten unterstützen, welche ihm denn auch einen Theil der Arbeit abnahmen. Bei Abfassung dieser Choräle war sein Streben auf Versöhnung der damals einander schroff gegenüberstehenden Parteien, der Orthodoxen und Reformer, gerichtet. Um dies zu verstehen, müssen diese Choräle sowol nach ihrer textlichen Unterlage als auch nach ihrer musikalischen Seite betrachtet werden. Auf seinen Reisen in Deutschland hatte Sulzer nämlich die weitgehendsten reformatorischen Tendenzen, welche bei Regelung des jüdischen Gottesdienstes die hebräische Sprache abschafften, um die deutsche an deren Stelle zu setzen, aus eigener Anschauung kennen gelernt. Mit einer so weitgehenden Aenderung fühlte sich Sulzer innerlichst durchaus nicht einverstanden. Die hebräische Sprache als textliche Grundlage festzuhalten, war für ihn Princip, Herzenssache, abgesehen davon, daß man in der wiener Gemeinde an ein Fallenlassen der hebräischen Sprache gar nicht dachte; andererseits aber erkannte er mit klaren: Blick, wie viele Bekenner des Judenthums, welche demselben innerlich noch ganz ergeben waren, sich nur ffnrch die abstoßende Außenseite, durch die Willkürlichkeit der Formen, wie sie sich in den: chasonischen Gesänge ausgeprägt hatten, verletzt fühlten, und wie es nur einer Aufhebung dieser Formen, eines Abstreifens dieses veralteten Gewandes bedurfte, um sie wieder in das Gotteshaus zu bringe::. Er machte sich also zum Vermittler und suchte beiden Parteien gerecht zu werden. Die hebräische Sprache betonte er in einer andern als in der bisher üblichen Weise. Das ist Ein Moment. 'Er selbst sagte mir: „in einer dem Wohllaut mehr Rechnung tragenden Weise." Ich kann es nicht unterlassen, über diesen Punkt eine Bemerkung zu machen Die Modificationen Sulzer's in der Aussprache betreffen nach meiner Ansicht hauptsächlich den häufig

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