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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 353

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 353 (sequence 33)
Language
German
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Salomon Sulzer. 3s) 3 erwarb sich durch seine Vortragsweise es der Verschönerung des Gottesdiensowol ivie auch durch manche neue stes galt, hatte sich zur Errichtung des Einrichtung in der Synagoge nicht nuch Chores, den er für eine wesentliche die Zufriedenheit, sondern die Liebe! Bedingung desselben hielt, auf eigene seiner Zuhörer. Man besuchte den Tempel gern, dieser war in der Regel gefüllt, und es entzog sich niemand dein Gottesdienst. Der junge Mann war aber auch äußerst thätig und legte eine mehr als gewöhnliche Wärme für seineil Beruf an den Tag. Eifrig strebte er dahin, einen Chor zu organisiren, was ihm auch in kurzer Zeit gelang. Bei dem Geburtsfest des Kaisers war der Chor bereits so eingeschult, daß er ihn öffentlich produciren konnte, ja er verwandte sogar, was in jüdischen Tempeln noch heutzutage äußerst selten vorzukommen pflegt, ein kleines Orchester von Streichinstrumenten. Hierbei muß noch in Anschlag gebracht werden, daß sämmtliche Orchestermitglieder Israeliten waren. Sulzer faßte eben seinen Beruf nicht von luerativer Seite auf, er sah in derselben keine Melkkuh, „die ihn mit Butter versorgt", sondern er gab sich seinem Beruf mit Begeisterung hin. Man braucht ja nur zu wissen, daß er der Sohn sehr wohlhabender Aeltern war, und daß der Vater, ein geachteter Kaufmann, welcher die fromme Schwärmerei der Mutter keineswegs theilte, es nicht ungern gesehen hätte, wenn der Sohn die ihm zu Gebote stehenden Mittel benutzt haben würde, sich ebenfalls dem Kaufmannsstande zu widmen. Der Sohn faßte die Sachlage aber im Sinne der Mutter, und diese Auffassung kann durch nichts besser illustrirt werden als durch folgende Thatsache. Mit der Stelle, welche der junge Mann innehatte, war ein Jahresgehalt von 100 Fl. Reichsgeld, das ist 80 Fl. 20 Kr. C.-M., sage dreiundachtzig Gulden zwanzig Kreuzer Conventions- Münze, verbunden. Ich sehe hier manchen jungen Mann spöttisch lächeln, weil er mit der genannten Summe trotz der angehängten zwanzig Kreuzer nicht einen Monat lang ausreicht. Nichtsdestoweniger bleibt es Thatsache, Sulzer sollte damit ein ganzes Jahr auskommen; ja, nicht genug, der junge Cantor, der kein Opfer scheute, wenn Faust einen Bassisten und einen Sopranisten aus Karlsruhe mitgebracht. Diese mußten auch leben, und ihre Erhaltung konnte der Gemeinde keineswegs aufgebürdet werden. Was that nun Sulzer? — Er zahlte dem Bassisten aus seiner eigenen Tasche IlO Fl. C.-M. jährlich, also bedeutend mehr, als sein Jahrgehalt betrug, während er den Soprauisten in gänzliche Verpflegung nahm. Das klingt freilich mehr als komisch. Unwillkürlich erinnert man sich an die. Katze, welche die Butter gefressen haben sollte. „Und wo ist die Katz'2" fragt man erstaunt. Allerdings wäre solch splendide Handlungsweise einem armen Cautorlein, das auf die paar Gulden Jahresgehalt nvthdürftig angewiesen ist, unmöglich gewesen. Sulzer setzte aus Eigenem hinzu, was fehlte; hatte er doch in dem ritterlichen Hause eine bedeutende Stütze. Der Ruf von seinen Leistungen verbreitete sich. Es mußte dem so sein, denn ohne daß er sich irgendwie beworben hatte, erhielt er gegen Ende des Jahres 1820 eine Einladung nach Wien lind wurde im Alter von 2l Jahren Cantor der wiener Jsraelitengemeinde. Hiermit waren die kühnsten Hoffnungen des Sohnes und die seligsten Träume der Mutter erfüllt. Man muß aber nicht meinen, daß der junge Mann jetzt Zeit hatte, auf seinen Lorbern auszuruhen; im Gegentheil, für ihn galt es jetzt erst rüstig zu schaffen und zu wirken und die volle Arbeitskraft, die in ihm ruhte, aufzubieten, um sich einerseits der Ehre und des Vertrauens der neuen Gemeinde würdig zu zeigen, andererseits um das vorgesteckte, wol noch sehr von fern winkende Ziel, zu dem es ihn seiner Natur nach hindrängte, zu erreichen. Denn was er da vorfand, war ein brachliegendes Feld, und er mußte rüstig zuschreiten, um es zu bebauen; und was er anstrebte, war nichts weniger als eine vollständige Regelung des jü- Hilberg's JUustrirte Monatshefte. II, 5. — Februar t86L. 23

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