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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 352

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 352 (sequence 32)
Language
German
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352 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. ches Hinderniß konnte nicht aufgebracht werden, und so wurde denn der dreizehnjährige Salomon Sulzer von Kaiser Franz als Cantor der Gemeinde Hohenems bestätigt. Zugleich wurde ihm ein Zeitraum von drei Jahren gegönnt, welche er zu seiner Ausbildung und Vervollkommnung für das übernommene Amt benutzen sollte. Mit dem Bewußtsein, daß Jugend eigentlich doch ein Mangel sei, der mit jedem Tage mehr und mehr verschwindet, gab sich die Gemeinde zufrieden, und mit der Aussicht auf sein Ziel verließ der Jüngling die Heimat, die ihm gestattete Frist aufs vortheilhafteste zu verwenden. Zunächst ging er nach der Schweiz. Sein Weg führte ihn zu einem der berühmtesten Cantoren jener Zeit, zu Hrn. Lippmann; bei ihm nahm er Unterricht. Nach einem einjährigen Aufenthalt machte er mit seinem Lehrer eine Reise nach Frankreich (1818). Es war wol eine wunderliche Künstlerfahrt, die da unternommen wurde. Der vierzehnjährige Salomon zog mit seinem Meister von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt, wie der Junge mit dem Alten in der Ballade von Uhland. Der junge Sulzer war das, was man einen „Meschoircr" nennt, ein Säuger, der darauf abgcrichtet ist, in den Gesang seines Meisters zeitweise einzufalleu oder, um den technischen Ausdruck zu gebrauchen, ihm „zuzuhaltcu" (secundireu). Dieses „Inhalten" oder Secundiren geschieht nicht nach einer vorgeschriebenen Stimme, die man nur aus einem vorliegenden Notenblatt herunterzulesen braucht, sondern es geschieht frei, und es ist hierbei der Improvisation, der momentanen Stimmung und Erfindung jedes einzelnen „Meschoircr" der weiteste Spielraum gegönnt. Wer von den Gesetzen der Harmonie auch nur die rudimentären Begriffe innehat, wird der Schwierigkeit einer solchen Kunstleistung sich sofort bewußt werden, ja man muß derartige Aufführungen von den herumreisenden „Chase», Singer und Baß" selbst erlebt haben, um die Möglichkeit derselben nicht absolut in Abrede zu stellen. Indes;, wenn — wie wir aus der Kunstgeschichte wissen — Dramen aufgeführt werden konnten, die nicht vorher von einem ordnenden Geiste componirt, sondern von den Schauspielern im Moment der Aufführung durch das lebendige Zusammenwirken der betheiligteu Kräfte auch erst erfunden wurden, so wird man die Möglichkeit einer derartigen freien musikalischen Aufführung, auch ohne sie selbst erfahren zu haben, doch wol zugeben. Es versteht sich von selbst, daß nur bedeutende Talente in einer solchen Gesangsproduction etwas Werthvolles zu leisten im Stande waren, und daß hierzu ein äußerst feines und wohlgebildetes musikalisches Gehör vorausgesetzt werden muß. So reiste denn der junge Sulzer als jüdischer Troubadour durch einen Theil Frankreichs und nahm theil au den Erfolgen, die sein Meister allenthalben erzielte. „Wir mögen was Schönes zusammengesnugen haben", sagte Sulzer lachend, als er mir diese originelle Küustlerfahrt schilderte — „indcß werden es die Zuhörer wol mit der Harmonielehre nicht gar so genau genommen haben." Nach der Rückkehr auS Frankreich ging der junge Sänger in seine Heimat; nicht als ob er seine Wanderjahre als vollendet betrachtet hätte, im Gegentheil, er wurde der Lücken und Mängel seiner musikalische» Bildung erst recht inne; nach kurzem Aufenthalt im österlichen Hanse ging er wieder fort, und diesmal nach Karlsruhe, wo er sich ein volles Jahr strengen Musikstudien hingab. Nach Verlauf desselben konnte er sich sagen, daß er die ihm gewährte dreijährige Frist redlich benutzt habe, und mit ruhigem Gewissen durfte er nun das Cantoramt in Hohenems antreten. Dies geschah 1820. Aus dem Knaben war ein ernstlich strebender Kunstjünger geworden, der cs nicht verabsäumt hatte, sich die uöthigc Befähigung für sein Fach anzueiguen, und so hatte nun kein Mensch mehr gegen seine Jugend etwas eiuzuwcnden. Der Erfolg lehrte, daß man ihm das Cantorat trotz derselben ruhig auvcrtrauen konnte, denn er verwaltete dasselbe mehr als fünf Jahre lang zur größten Zufriedenheit der Gemeinde. Ja mehr als dies. Sulzer

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