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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 351

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 351 (sequence 31)
Language
German
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Salomon Sulz er. 35)1 Rettung rnöglich schien, vergegenwärtigte. Jetzt stieg ihr die Verheißung ihres sterbenden Vaters lebendiger als jemals vor die Seele, und eingedenk seines Ausspruchs weihte sie, wie einst Hanna, den Knaben dem Dienste des Herrn. War der frommen Frau auch nicht recht klar, wie sie dieses Gelübde in Erfüllung bringen werde, genug, es lebte in ihr und stand geschrieben in ihrem Gemüthe mit unauslöschlichen Zügen. Um der künftigen Bestimmung des Knaben auch durch ein Symbol, ein sinnliches Zeichen, nach außenhin Ausdruck zu geben, machte sie ihm ein weißes Gewand, und so kleidete sie ihn ganz weiß bis zu seinem dreizehnten Jahre. Der weiße Knabe mag sich unter seinen Genossen und Kameraden eben nicht übel allsgenommen haben, wenn man bedenkt, daß er voll ihnen — wie dies unter Kindern nicht selten der Fall ist — keinerlei Aergerniß zu erfahren hatte; im Gegentheil, in ihren Spielen hatte er immer die Hauptrolle. Und was spielten sie? Wir werden, wenn wir an die Spiele dieses Knaben denken, unwillkürlich an die Worte des Dichters erinnert, der einen „tiefen Sinn illl kind'schen Spiel" entdeckt; 'denn Sulzer bildete mit seinen kleinen Genossen eine kleine Gemeinde und erwählte sich selbst zum Vorsteher und zum Vorbeter („Chase::") derselben. Man sieht, er verstand es schon in seinen Jugenspielen, dietatorisch und gesetzgeberisch aufzutreten. Scherzend nannte Sulzer, als er mir voll diesen Spielen erzählte, die Zeit, wo er die beiden Aemter des Vorstehers und Vorbeters in seiner Person vereinigte, die goldene Zeit. So zeigte er schon in seinen Spielen Talent und Neigung für den künftigen Beruf, während er zu einem ernsten Bibel- und Talrnudstudium angehalten wurde. Zu jener Zeit war eilt gewisser S. Eichberg Eantor („Chase::") in Hohenems; da dieser ein Ausländer war, so konnte er den Posten nicht auf die Dauer behalten, und so wurde die Cantoratsstelle in Hohenems im Jahre 1817 erledigt. Wer sollte es denken, daß eilt dreizehnjähriger Knabe als Kandidat für das erledigte Amt auftreten würde! Und doch war dem so. Die Mutter drang darauf, daß der dreizehnjährige Salomon sich um die Stelle bewerbe. Die Mutter hatte ihrerseits vollkommen recht. Sie hatte den Knaben innerlich geweiht. Ihr Gemütszustand mochte in ihr eine Sehnsucht erzeugt haben, die nacb Befriedigung verlangte. Die Zukunft des Knaben lebte in ihr als ein versckwom menes, unfertiges Bild, und es mochte sie gewaltig drängen, ihre Stimmung zur That, ihr Ideal zur Wirklichkeit werden zu lassen, die Verheißung des Greises sich erfüllen zu sehen. Wer möchte mit einem liebenden, vertrauensvoll sich hingebenden Mutterherzen da rüber reckten, daß sie den Moment der Verwirklichung ihrer Träume, der Erfüllung ihrer Hoffnung gekommen glaubte. Wartete sie doch ängstlick aus einer: äußern Anlaß. Ein solcher war da, und sie ergriff ihr: mit aller Energie und Eonsequenz, deren „ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange" fähig ist. Wie sehr wir aber auch den Eifer der für die Zukunft des Sohnes besorgten Mutter hoch in Ehren Halter:, ebenso sehr müssen wir auch der: Widerstand begreiflich finde::, welcher sich dem jugendlichen Candidaten in der Gemeinde allenthalben entgegenstellte. Was mar: gegen denselben einzuwenden hatte, war zwar nichts anderes als seine große Jugend; denn an seinem Talent und an seiner: Fähigkeitei: — hatte er bisher auch nur in kindlichen Spielen Gelegenheit gehabt, dieselben zu documentiren — zweifelte niemand; aber die Jugend allein war genügend, ihm allenthalben Hindernisse zu bereiter:. Es wollte wenig verfangen, daß man zu seiner: Gunsten auf das zurückgelegte dreizehnte Lebensjahr („Barrnitzwah") hinwies und geltend machte, der jüdische Jüngling werde mit dieser reif erklärt und als Mann ir: die Gemeinde ausgenommen. Mar: kann sich vor: den: Widerstande eine Vorstellung mache::, wenn wir erzählen, daß die Bewerbungsangelegenheit ir: der Gemeinde gar nicht geschlichtet werden konnte, sondern den ganzen Jnstanzenzug bis nach Wien durchmachte. Ein gesetzli-

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