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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 350

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 350 (sequence 30)
Language
German
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350 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthllms. spnagogalen Gesanges zu schreiben, wird bei dem, der die Geschichte gemacht, d. h. bewirkt hat, in die Schule gehen müssen. Salomvn Sulzer ist der Mann, und sein Leben und seine Werke sind die Quelle für den Kunsthistoriker, aus welcher letzterer schöpfen wird. Wir wollen aus Anlaß des obenerwähnten Jubiläums cs versuchen, in kurzen Umrissen das Leben Sulzer's zu zeichnen und seine künstlerische Thätigkeit in der genannten Sphäre mit wenigen Strichen zu charakterisiren; es liegt schon in der Natur der Skizze, daß sie auf völlige Erschöpfung ihres Gegenstandes keinen Anspruch inacht. Die Daten, soweit sie das biographische Material betreffen, sind mir von Hrn. Professor Sulzer selbst zur Verfügung gestellt worden; was den übrigen Theil meiner Aufgabe betrifft, so möchte freilich mein redliches Bestreben ersetzen, was die Ausführung an Kraft der Zeichnung vermissen lassen wird. Salomvn Sulzer wurde am 30. März 1 >04 zu Hohenems in Vorarlberg geboren. Er stammt aus einer uralten, sehr achtbaren Familie, welche aus Sulz nach Hohenems übersiedelte, als die Juden aus Sulz vertrieben wurden. Der Urgroßvater Sulzer's, Josel mit Namen, war derjenige, der die Inden bei der damaligen Vertreibung l„Geresch") aus Sulz nach Hohenems geführt hat. Sein Familienname war eigentlich Lewv, so hieß die Familie noch im Jahre 1800. Zum Andenken an den Ort Sulz, aus dem sie hierher gekommen war, nahm die Familie den neuen Namen an, welche sie für den Namen „Lewh" eintauschte. Der Vater Sulzer's hieß also schon Joseph Sulzer. Der merkwürdigste Mann in der Familie scheint aber der Großvater von mütterlicher Seite gewesen zu sein; jedesfalls wurde er in seiner letzten Lebcnsstunde entscheidend für den Knaben Salomvn. Er hieß Mendelssohn, war ein frommer Mann, ein sogenannter „Zadik", mit langem weißein Haar und Bart. Dieser starb 1807. Er lag auf dem Sterbebette und mochte den Wunsch gehabt haben, vor dem Tode sein dreijähriges Enkelchcn noch einmal zu sehen. Salomvn wurde von seiner Mutter an das Sterbebett des Greises geführt, und wie verklärt, mit einer Art prophetischer Weihe und Begeisterung, sagte der Greis: „Ich bin versichert («muwtoch»), daß ans dem Kind ein großer Mann werden wird!" Diese tröstliche Voraussagung war die letzte Liebesgabe, welche der scheidende Vater der trauernden Tochter zurückgelassen. Sie versenkte diese Verheißung tief in ihre Brust und glaubte daran; ihr Gemüth klammerte sich an dieselbe, wie wenig sie es auch äußerlich zeigen mochte. Was kann einer Mutter auch Freudenvolleres verkündigt werden als eine bedeutende Zukunft ihres Kindes! Aber gleichsam als sollte der Ausspruch des sterbenden Greises durch ein Wunder bekräftigt werden, als sollte die Natur selbst auch ihren Mund aufthun und die Worte des Großvaters wiederholend sanctioniren, trat einige Zeit hierauf ein Ereigniß ein, welches über die Zukunft des Knaben entschied. Im Jahre 1811 (Salomvn hatte inzwischen bereits zu lernen begonnen und war damals 7 Jahr alt) fand in Hohenems eine außerordentliche Anschwellung des Baches statt, und der Knabe, der sich nnvorsichtigerweise etwas weiter gewagt hatte, als räthlich war, fiel hinein und wurde im Nu von der treibenden Flut fortgerissen. Er war verloren! Die Leute standen am Ufer und sahen das entsetzliche Unglück, aber jeder Versuch, ihn zu retten, schien undenkbar. Er war verloren, wenn nicht etwas Außergewöhnliches — sprechen wir in der Sprache derer, die es sagten — wenn nicht ein Wunder eintrat. Und siehe da, es trat ei»; der Knabe wurde an eine Stelle getrieben, die außer der Hauptströmung lag, und es gelang den Anstrengungen der Herbeieilenden, ihn herauszuziehen; er war gerettet. Dieses Ereigniß machte auf die Mutter des Kindes einen tiefen Eindruck. Sie fühlte, nachdem er gerettet war, erst die Größe des Unglücks, von dem sie wie durch ein Wunder erlöst worden, indem sie sich die Gefahr, in der das Kind geschwebt, und aus der keine

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