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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 347

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 347 (sequence 27)
Language
German
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Der Jude von Trient. 3^7 Simonino entweiht, schlagt ihn todt, den Alten, wie die junge Brut! Fort mit ihnen in den Kanal! Lasset sie schwimmen, die ungläubigen Hunde!" Eben empfing Salomon einen Schlag auf den Schädel, dein schon lange die gelbe Mütze entfallen war, einen Schlag, der ihn wie einen gefällten Baum zu Boden warf, und wobei er nur noch so viel Besinnung behielt, mit seinem Körper den seines lieben Knaben zu decken, den er fortwährend mit seinem Armen umschlungen hielt, als er unter allem Lärm und Geschrei die kreischende Stimme des scheußlichen WeibeS vernahm, die ihm schon beim Eintritt in die Stadt ihren Haß so deutlich zu erkennen gegeben hatte, und die, die günstige Gelegenheit benutzend, als er in seine Handelsgeschäfte vertieft, einen einzigen Augenblick auf Benjamin nicht achtete, diesen an sich gelockt und entführt batte. „Ja, ja", sagte sie, „schlagt ihn todt, den Ungläubigen, dessen Vorfahren den heiligen Märtyrer Simonino gekreuzigt haben, wie sie den Heiland selbst kreuzigten; er ist der Nachkomme des einen von denen, die auf diesem Platz vor ."<«> Jahren verbrannt worden sind. Aber den Jungen reißet von ihm; er hat angebctet vor dem heiligen Märtyrer, man muß ihn taufen; Santo Simonino Null es so.'" „Ja, man taufe ihn, man taufe ihn", schrie die Menge, „fort! holt einen Priester, der heilige Märtyrer will es so." „Ich werde es selbst thun", rief die furchtbare Alte, „wenn kein Priester zur Hand ist; es ist ebenso gut; schasst Wasser herbei!" Einige liefen sogleich nach dem Flusse, während andere sich bemühten, dem widerstrebenden Salomon das Kind zu entreißen. „Nein, nein", schrie dieser in wahrer Todesangst, „tauft ihn nicht! o habt Mitleid mit einem armen elenden Vater. Benjamin ist mein einziger Sohn, das einzige Kind der seligen Nachel. Erbarmt euch, erbarmt euch, meine Brüder!" „Schweig, Jude", sagte ein hinzugetretener Mann, „du verstehst das nicht; eben weil wir Mitleid haben mit dem armen Wurm, »vollen wir ihn taufen. Du magst zur Holle fahren; dein Sohn aber wird wenigstens gerettet werden." „Sträube dich nicht länger", schrie ein anderer, „es muß sein; da ist das Wasser." Salomon wehrte sich wie ein Verzweifelter; er hätte den Knaben, wie lieb er ihn auch hatte, doch tausendmal lieber todt zu seinen Füßen gesehen, als das Taufwasser ans dem Haupt desselben. So regt der Fanatismus des einen auch den des andern auf. Alle Anstrengungen des verzweifelten Vaters würden vergebens gewesen sein, wenn nicht plötzlich die ganze Scene sich verändert hätte. In das Geläute der Glocken von Sauta-MariaMaggiore, die schon lange ihre feierlichen Klänge über die Stadt ergossen hatten, stimmten nach und nach die aller übrigen Kirchen und jetzt auch die der Peterskircbe ein, vor der der ebengeschilderte Auftritt stattfand, und mit ihnen verbanden sich die Töne eines frommen Kirchenlieds, die immer näher kamen. Fahnen flatterten, Weihrauchwolken zogen in die Luft, ein rothseidener Baldachin erschien, von vier Bischöfen getragen, unter dem die Legaten des Papstes in ihren Pupurgewändern einherschritten, gefolgt von der gesammten hohen Geistlichkeit und einer zahllosen unabsehbaren Menge. Diese feierlicke Procession bewegte sich über den St.-Petersplatz der Kathedralkirche zu. Der Lärm, der den armen Juden umtobte, legte sich augenblicklich, und alle Knie bogen sich zur Erde hinab. Aber den scharfen Augen und Dhren des Eardinallegaten von Lotbringen hatte es doch nicht entgehen können, daß sich hier irgendetwas Ungewöhnliches zutrage. Auf dein Platz angekommen, verweilte er einen Augenblick, sich erkundigend, was es gebe. Unersckrocken trat die fanatische Alte an den Kirchenfürsten heran, und ein Knie vor ihm beugend, sagte sie: „Heiliger Priester Gottes, hier ist Wasser, ein Judenkind zu taufen; ich habe es

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