Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 348 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417818--869-2418713
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

348 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. zum heiligen Märtyrer Simonino gebracht, der es sich auserkoren hat; aber der verdammte Jude, sein Vater, hat cs mit Gewalt von dem Altar genommen und will es der heiligen Taufe wehren; er must sterben! Hier ist Wasser, taufe den Inngen!" Das schöne milde Auge des Kirchenfürsten ruhte einen Augenblick wie misbilligend ans dem gcröthetcn Angesicht des Weibes, dann winkte er befehlend mit der Hand und sagte: „Lasset den Mann in Frieden seines Weges ziehen. Seinen Sohn taufen wider seinen Willen? Nein! nein! das null Gott nicht. Unser gebenedeiter Herr hat nicht gesagt: «Zwinget die Kinder, zu mir zu kommen», er hat gesagt: «Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht». Gebt diesem Juden sein Kind wieder, und vielleicht will es Gott, daß cs sich einst dieser Worte erinnert und freiwillig k'Mint, ein verlorenes Schaf zu dem getreuen Hirten. Du aber, Tochter, tritt in unsere Reihen; dein Eifer hat dich zn weit geführt; Gott wird dir vergeben." Alle beugten sich dcmüthig vor dein Legaten; er gab ein Zeichen, und die Procession setzte unter Gesang und Geläute feierlichen Schritts ihren Weg fort. Auch Salomou war, Benjamin in seinen Armen haltend, auf seine Knie gesunken und blieb weislich in dieser Stellung, bis der lange Zug vorüber war. Dann erhob er sich schnell wie ein Mann, der entschlossen ist, einen günstigen Augenblick nicht unbenutzt zu lassen, und eilte zur Porta San-Lorenz» hinaus, ohne sich auch mm ein einziges mal umzusehcu. Er dachte Zeit feines Lebens an die drei Gnadenstunden in Trient lind hütete sich Wohl, jemals seinen kleinen Benjamin wieder mit in diese gefährliche Stadt zu nehmen, so schwer es ihm auch wurde, ihn auf wenige Stunden von seiner Seite zu lassen. KIMM Sicher. Eine biographische Skizze. Von Eduard Kulkr. Einer der schönsten Sittensprüche in der Heiligen Schrift, eines derjenigen Gebote, bei welchem das naive, aus seiner Unmittelbarkeit nicht verrückte Gemüth sich die Frage stellt, warum denn dies auch ausdrücklich geboten sei, da es ja die Natur selbst dem Menschen sage und eingebe, lautet in seiner Schlichtheit: „Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen!" In Wahrheit erscheint uns ein graues Haupt schon durch sein Alter ehrwürdig. Wie sollte es auch nicht! Der harmlose Wanderer, der wenig angcfochten von der Welt und dem, was sich in ihr bewegt; der tiefe Deuker, der dein geheimuißvolleu Welträthsel nachsinnt nnd sich vergebens abmüht, es auszudeuten; der behäbige Mann mit dem ewig lächelnden Gesicht, der da meint, die liebe Welt sei nur seinethalben da, wie der gequälte Geist, der den Schmerz der ganzen Welt in seiner eigenen Brust empfindet; schicket sie einen nach dem andern in die freie Natnr, laßt sie eintreten in den wahrhaftigen Tempel Gottes, laßt sie anschauen eine tausendjährige Eiche, die am Wege steht, und sie werden mit Rührung stehen bleiben in Betrachtung derselben als eiiies in unsere Zeit hereinragenden Zengen einer frühern Welt. Und doch ist die Eiche nur ein Baum! Und doch vermag nicht jeder die beredte Stummheit oder stumme Beredtheit zu ahnen, die uns aus dem — naiv gefaßt — leblosen Baume anspricht. Wie nun nicht erst ein Mensch mit grauem Haupte! Ein Mensch, unseresgleichen, der zu uns spricht lind Antwort gibt auf unsere Fragen, der vieles gesehen lind erlebt zu einer Zeit, da wir noch im Urgründe alles Seins verborgen waren, ein wirklich redendes Zeugniß einer frühern Zeit! Ist aber das graue Haupt schon durch sein Alter ehrwürdig, lind vermag es die Gefühle der Achtung in so hohem Grade in unserer Brust wachzurufen, wie sollte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.