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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 342

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 342 (sequence 22)
Language
German
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342 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. letztere selbst, dem Innern der Stadt sich zuwendend. Fast gleichzeitig mit ihnen trafen andere ihrer Glaubensgenossen, die dieselben Zwecke und dasselbe Ziel hatten, von den verschiedensten Seiten her in Trient ein. Alle trugen auf ihren Köpfen Kappen oder an andern Thcilen ihres Körpers irgendein Kleidungsstück von der verabscheuten gelben Farbe. Selbst Benjamin's kleine Füße staken in Schuhen von hellgelbein Saffian. Noch immer erschallte feierliches Geläute von allen Thürinen; die Glocken riefen die anwesende hohe Geistlichkeit zur letzten Sitzung des Concils. Langsam bewegten sich die Fürsten der Kirche in ihren kostbarsten Gewändern, theils in Sänften getragen, theils auf reichaufgeputzten Maulthieren reitend, und nach der Sitte der Zeit von einem großen Troß buntfarbig costümirter Diener begleitet, aus ihren Quartieren auf die Kirche Sauta-Maria Maggiore zu, in welcher die Sitzungen des Concils l8 Jahre hindurch gehalten worden waren, und wo dasselbe heute mit angemessenen Feierlichkeiten geschlossen werden sollte. Die guten Bürger der Stadt hatten dies Schauspiel, wenn auch sonst weniger glänzend, viele Jahre hindurch vor Augen gehabt, aber sie hatten sich vielleicht nie so zahlreich und in solcher Erregung dabei eingefunden als heute. In großer Anzahl liefen sie durch die Straßen, oder standen auf den Treppen vor ihren Häusern, oder füllten die Fenster und Balkone. Sie hatten auch zu der lebhaften Thcilnahme an dem, was sich vor ihren Augeir zutrug, Grund genug. Mit dem heutigen Tage sollte 'die Quelle des Reichthums und des Vergnügens plötzlich versiegen, die 18 Jahre hindurch so reichlich für sie geströmt hatte. Diese Gedanken machten die Einwohnerschaft nicht besonders geneigt, mit freundlichem Blicken und wohlwollendem Gefühlen als sonst auf die andern Gäste zu sehen, die heute auf wenige Stunden ihre Stadt besuchten, wiewol cs immerhin ein ergötzlicher und zu wunderbaren Vergleichungen Veranlassung gebender Anblick gewesen sein mag, zu gleicher Zeit die mächtigen und im höchsten Ansehen stehenden Mitglieder der Hierarchie und die ausgestoßenen Genossen eines verachteteil Stammes die Straßen anfüllen zu sehen. Letztere erfuhren unter diesen Umständen vielleicht in reichem: Maße als sonst die Wirkungen des Unmuths, von dem die Herzen der Bürger erfüllt waren, die sich von so großen Verlusten bedroht sahen. Von allen Seiten strömten Schmähungen und Verwünschungen auf sie herab. Jeder Vorübergehende rief ihnen mit der Miene des Hasses und der Verachtung sein „Maledetti!" entgegen, ja viele spien vor ihnen aus, und die an: meisten Fanatisirten scheuten sich selbst nicht, ihre Kleider und ihre Bärte zu besudeln. Auch unser Freund Salomon entging solchen Beschimpfungen keineswegs. Flüchtigen Fußes eilte er, den kleinen Benjamin immer neben sich herziehend, durch eine Gasse, die längs eines Kanals hinlief, weil er hier mit einigen Geschäftsfreunde!: zusammenzntreffen hoffte. Ach! er hatte so viel zu beschicken, hier Rechnungei: auszugleichen, dort neue Bestellungen zu machen, Gelder zu erheben und alte Freunde auf einige Augenblicke zu sehen; er mußte von einem Ende der Stadt zun: andern, und zn allem diesen nur drei kurze Stunden Zeit! Wie bald waren sie vorüber! Welche Verluste mußten ihn treffen, wenn nicht jede Minute benutzt wurde! Eben an einer Ecke der Gasse cmgekommen, sah er drei oder vier seiner Geschäftsfreunde aus einer Seitenstraße hervörtreten und ihm schon von fern freudige Zeichen des Wiedererkennens machen, als von der Vortreppe eines kleinen Hauses dem Kanal gegenüber ein Weib auf die Straße herabtrat, auf deren Gesicht sich in dei: wildrollcnden Augen, in dein höhnisch verzerrten Munch, ii: den hochroth gefärbten Wangen alle Kennzeichen einer fanatischen Wuth ausprägten, wie sie gerade in jenen Tagen zu Trient der bigotte Religionseifer leicht erzeugen konnte.

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