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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 339

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 339 (sequence 19)
Language
German
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Der Jude von Trient. 339 buschigen Brauen auf die Beleidiger seines lieben Knaben warf. Indessen war Salouwn nicht der einzige Jude, der in jenem Lande lebte, vielmehr war die Gegend um Trient bis in eine Entfernung von mehrern Meilen von vielen seiner Glaubensgenossen bewohnt. Aus manchem Alpenthal stieg der Rauch von dem Herd eines Rachkommens Äbraham's in die blaue italienischeLuft empor, undmanche morgenländische Gestalt saß am Sabbatabend mit Weib lind Kind vor der Hüttenthür und btickte sinnend und in schwermüthigen Gedanken in die Nebel hinein, die sich über der Etsch zusammenballten, wie einst vor dreitausend Jahren ihre Bäter über die Hellen Wasser des Euphrat hinblickten in die gesegneten Fluren Mesopotamiens. Das hatte denn allerdings seinen gnten Grund, wie der günstige Leser sogleich sehen wird, wenn er dem Verfasser einen kurzen Rückblick in das Jahr 1276 verstecktet. In diesem Jahre trug sich in Trient eine Begebenheit zu, die man weder dem Jahrhundert noch den Bewohnern dieser frommen Stadt allzu sehr zur Last legen darf, da sich auch in andern Städten und in spätem aufgeklärten Zeiten, bis in unsere Tage herab, ähnliches begeben hat. In dem gedachten Jahre lebte in Trient ein Maler. Seinen Namen verschweigt die Geschichte, wol aber erzählt sie, daß er ausgezeichnete Heiligenbilder gemalt und bei den lieblichen Engelsköpfen, die er auf den ineisten anzubringen wußte, sein Söhnchen Simonino zum Modell genommen habe. Simonino war auch in der That ein hübscher Knabe, dem die sanften blauen Augen, sowie die lockigen blonden Haare, die sein blühendes Gesicht umgaben und über seine Schultern herabfielen, ein engelhaftes Ansehen gaben und ihn deshalb zum Modell für diese himmlischen Wesen ganz besonders geeignet machten. Mit den Heiligenbildern des Vaters war mich Simonino allgenrein bekannt und beliebt geworden. Daher darf es nicht befremden, daß die ganze Stadt in die lebhafteste Aufregung und Unruhe gerietst, als eines Morgens sich die Nachricht verbreitete, der kleine liebliche Knabe sei auf unerklärliche Weise verschwunden. Alle Einwohner vereinigten ihre Bemühungen mit denen des bekümmerten Vaters, irgendeine Spur von dem Verlorenen aufzufinden. Man untersuchte auf das Sorgfältigste jede Gasse und jedes Haus und vergaß auch die zahlreichen Kanäle nicht, die, von der Etsch gespeist, die Stadt dnrchschneiden und von denen einer an dem Hause des Malers vvrüberfloß. Nichts war natürlicher, als daß Simonino, in einem unbewachten Augenblick an dein Ufer dieses Kanals spielend, in demselben seinen Tod gesunden haben könne. Man fand ihn jedoch weder hier, noch anderswo. Erst nachdem acht Tage verflossen und die guten Leute in Trient bereits wieder ziemlich beruhigt waren, brachten Fischer der Umgegend die Reiche eines Knaben, die sie in ziemlicher Entfernung von der Stadt in der Etsch gefunden hatten, und in der man ohne Mühe den Körper des kleinen Malersohnes erkannte. Er war also doch wol in den Kanal gefallen und aus diesem in den großen Fluß gelangt, wobei er, an die Pfeiler der Brücken, oder an die Ufersteine, oder an irgendeinen andern Gegenstand anstoßend, manche Wunde an seinen zarten Gliedern empfangen haben mochte. Simonino war natürlich sehr blaß, als inan ihn aus dein Wasser zog, und seine Adern blutleer, auch die Wunden, die sich hier und da an seinem kleinen Leibe zeigten, wie wir oben schon andeuteten, sehr erklärlich. Aber den guten Leuten in Trient genügten diese natürlichen Erscheinungen an der kleinen Leiche durchaus nicht, seinen Tod zu begreifen. Irgendeine weise Frau oder sonst ein besonders scharfsinnniger Kopf fand nichts gewisser, als daß die Juden, das Musterbild so vieler Engelsköpfe auf den Heiligenbildern mit ihrem teuflischen Haß verfolgend, Simonino aufgefangen, ihn zur Verspottung des erhabenen ShmbolS des christlichen Glaubens 22*

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