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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 338

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 338 (sequence 18)
Language
German
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338 Jllustr. Monatsh. für die gef. dm Häusern herauf rankte damals, wie heute, die Weinrebe, und die jungen Burschen und Dirnen schäkerten an dem Röhrbrunuen, der das frische Bergwasser mitten in Mora unter einer riesigen Kastanie ausströmte, im 16. Jahrhundert ebenso heiter und harmlos als ihre Urenkel im 19. Jahrhundert. Bei den heitern Versammlungen der Bewohner und Bewohnerinnen Moras, die in jener längstvergangenen Zeit täglich in duftiger Abendkühle au dem Dorfbrunnen stattfanden, sah inan gewöhnlich auch ein dunkles Judengesicht schüchtern und demüthig hcrumschleichen, sein schwarzes krauses Haar mit einer gelben Kappe bedeckt, dein Kennzeichen des verachteten Stammes, dein er angehörte, und seine stämmigen Glieder mit einem dunkeln Talar umhüllt. Unter dem linken Arm trug er bei solchen Gelegenheiten stets ein Päckchen, das, so armselig es auch aussah, doch sehr beliebte Schätze verbarg. Alles, was die schmucken Mädchen des Dörfchens bedurften, ihr dunkles Haar und ihren braunen Volten Hals zu schmücken, ihr Mieder oder ihre kurzen rothen Röcke noch leuchtender zu machen; alles, wonach des Burschen Herz ein sehnsüchtiges Verlangen trug seit dem Augenblick, wo er nach seiner ersten Communion die Kirche verließ — der buntgesteppte Leibgurt, die rothe Zipfelmütze, der Stoßring und das breite Hutband — alles befand sich sicherlich in dem unscheinbaren Pack des würdigen Salomon, und dieser zögerte nicht, es den Kauflustigen anzubieten, und schloß manchen guten Handel ab, unbekümmert um die Spottreden und gelegentlichen Verwünschungen, die über sein krauses Haupt hereinbrachen. Während der handelslustige Kaufmann so allen Schmähungen und Beleidigungen, denen er niemals entging. Trotz bietend, unter den Versammelten umherschlich, begleitete ihn ein etwa sechs Jahre alter Knabe, der, jedem seiner Schritte und jeder seiner Bewegungen folgend, ängstlich und schüchtern einherlief. Dieser Knabe war Benjamin, der einzige Sohn Salomon's, den ihm sein Weib Rachel zurückgelassen hatte, als^ Interessen des Judenthums. sie vor einem Jahre versammelt wurde zu ihren Vätern. Seit diesem unglücklichen Tage verließ Benjamin seinen Vater keinen Augenblick, weder bei Tag noch bei der Nacht; er schlief au seiner Brust in der ärmlichen Hütte, die nicht fern von Mora unter dem Schutz eines Felsen stand, er aß mit ihm aus derselben Schüssel, er wanderte neben ihm auf allen seinen Wegen, sie mochten nahe oder fern, rauh oder eben sein. Salomon war kein armer Mann, trotz seines armseligen Aeußern und seiner halbzerfallenen Wohnung, aber sein größter Schatz war Benjamin, sein Sohn; er hütete' ihn wie seinen Augapfel, er hätte für ihn, so lieb er auch Gold und Silber hatte, doch willig alles hingegeben, was er besaß, und sein Leben dazu. Benjamin war aber auch ein lieblicher Knabe, der selbst einem guten katholischen Christen gefallen konnte. Von den charakteristischen Kennzeichen seiner Rasse hatte er, außer dem großen dunkeln Auge und dem orientalischen Schnitt seiner kleinen feinen Nase, wenig an sich, wobei wunderbarerwcise sein langes, lockiges lind blondes Haar nicht das Geringste mit dem seines Vaters und ebenso wenig mit dem der seligeil Rachel gemein hatte. Dessenungeachtet hatte Benjamin trotz seiner Jugend, seiner schönen blonden Haare und seiner dunkeln Augen, nicht minder an dem Fluch zu tragen, der auf seinem ganzen Volk und, wie man sagt, auch auf dem Lande ruht, woher es gekommen ist. Der kleine Benjamin durfte nicht spielen mit den Knaben von Mora, wie er ohne Zweifel gern gethan hätte. Wo er neben seinem Vater erschien, sich ängstlich anklammernd an den Falteil seines Kaftans, erfuhr er von seinen Altersgenossen dieselbe Verachtung wie sein Vater von den Erwachsenen und wurde unter Spott und Lachen bald hier, bald dort gezupft und gestoßen. Er mußte dies ruhig hinnehmen, und selbst sein Vater konnte ihn dagegen nicht schützen, wenn er auch manchen Blick glühenden Hasses unter seinen

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