Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 337 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude von Trient. 337 Spannung und Theilnahme zugehört hatte, reichte ihm die Hand und sagte: „Nun, Felix, bist du auch mein Lehrer, ich Hab' hellte von dir mehr gelernt als bisher in meinem ganzeil Leben. Ich kann mich zwar zu deiner religionslosen Religion nicht bekennen, aber ich habe eine große Achtling vor dir und. muß dich künftig wie meinen »Rebbe» (Lehrer) verehren. Gelobt ist Gott, der alles so gefugt hat; denn du weißt gar nicht, waS ich mir um dich für Sorgen und was ich mir für Vorwürfe gemacht habe. Gelobt ist Gott, der mich heut' noch Wunder wirkt." Felix erhob sich und wollte gehen; nachdem er bereits die Thürklinke ergriffen hatte, sagte Reb Sawel: „Noch auf eine Frage mußt du mir Antwort geben, wenn ich mir deine Ansichten mit dem, was ich anderweitig gehört habe, soll znsannnenreimen können." „Fragen Sie immer zu", sagte Felix, der zurückkehrte lind sich nochmals uiedcrsehte. „Woher weiß Bärl Lederer", fragte Reb Sawel, „daß du dich mit dem Schermesser barbirst (rasirst), oder ob du Schabbes rauchst? Wenn es deine Maxime ist, keinen andern durch dein Beispiel zu verleiten, so kann ich mir nicht denken, daß du zolche Dinge «befreßjeh» (frei) thust, und daß er dich gesehen hat." „Das weiß ich nicht", antwortete Felix, „cs ist auch möglich, daß einer spionirt, und wenn einer spionirt, so kann man sich vor ihm nicht leicht verstecken, wenn mau auch der Meinung ist, voll niemand bemerkt zu werden. Es ist aber auch möglich, daß Bärl Lederer sich dies denkt, und weil er es bei sich für ausgemacht hält, auch so davon spricht, als ob er es mit eigenen Angen gesehen hätte. Sie kennen ihn ja, wie er ist." „Weißt du, Felix", sagte Reb Sawel hierauf, „es ist nur nur um den «Scheinra» (bösen Ruf), und ich will nicht haben, daß man dir auch nur das Geringste soll nachsagen können. Meine Meinung ist diese. Du bist einmal, wie du bist, und es wird dir niemand einen andern Kopf aufsetzen. Aber nicht jeder Mensch möchte dich Hilberg's Jllustrirte Monatshefte, ll, 5. — Februar l verstehen, so wie ich dich verstehe, und inan mcch sich vor den Leuten noch mehr fürchten als vor Gott «lehawdil» (eine Redensart, die den großen Unterschied gebührend ausdrückt; wörtlich: zur Absonderung). Deswegen hat es mich sehr gefreut, aus deinem Munde zu vernehmen, was du vorhin von dem Spruche unserer Chachomim gesagt hast: Ihr Weisen, gebet Wohl Acht auf euere Worte; ich möchte dir nur noch dazu den Rath ertheilen: gib du nicht minder Acht auf deine Handlungen." Hierauf trennten sie sich, und der neue Frenndschaftsbund hatte eine unerschütterliche Grundlage erhalten. (Fortü'tzuiia foicft.) Der Jude dm Trieut.*) Von O. Dörry. Zwischen Botzen nnd Trient, etwa eine Meile von dem letztem, liegt am linken Ufer der Etsch das Dörfchen Mora im tiefen Einschnitt zwischen Bergen. Ringsumher an den Bergen schimmern die weißen Häuser der glücklichen und friedlichen Bewohner, von der Rebe umgrünt, von Kastanien- und Rußbäumen umschattet. Mitten im Dorfe steht ein altes graues Kirchlein, dessen Thurm bescheiden zum Himmel hinanfweist. Wie es hier in Mora im Jahre UH.'! anssah, da§ weiß ich freilich nicht; vielleicht war damals die Kirche noch neu und die Häuser weniger freundlich und sauber als heute, aber eins weiß ich: die Alpen grünten damals wie Hemke, und ihre weißen Häupter leuchtetet: nicht minder schimmernd und in Abendroth glühend über die dunkeln Schluchten und Spalten herab, die in ihre Eingeweide zu führen scheinen; an Diese vortreffliche DkizzeWarschon einmal in den „Deutschen Monatsheften" publicirt, aus welchen sie noch der größere Theil unserer rveser nicht kennt, daher wir keinen Anstand nehmen, ihr hier wiederholt Raum zu gönnen. D. N. 66. 22