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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 334

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 334 (sequence 14)
Language
German
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334 Jllustr. Monatsh. für die ges. aber mit ihren Blicken eine Sprache redend, die vernehmlicher klang als Orgelklänge. Sie schienen ängstlich des Ausgangs zu harren, sie schienen zu warten, ob es denn wahr sei, daß ich mich von ihnen lossagen und sie einem Mädchen zum Opfer bringen wolle. Der Vater schien mir etwas gefaßter und ruhiger, als ob er sagen wollte: Ich habe keinen Theil daran; die Mutter aber bekümmert wie eine Sünderin, die das Geständniß ablegt: Das Hab' ich verschuldet, aber so Hab' ich's nicht gewollt. Ich nahm Aurelie bei der Hand und führte sic zu ineinen Aeltern. Seht hier euere Tochter, sagte ich; Mutter, sie ist gut und verständig wie du; und sie schien freundlich zu winken. Ich führte Aurelie wieder zurück, da, da kamen Sie, mein Lehrer, mit zwei Büchern, in jeder Hand eins, ich glaubte das Alte und das Neue Testament vor mir aufgerollt zu sehen. Sie sprachen auch nicht, aber Sie zeigten mir die Bücher hin, als ob Sie sagen wollten: Wer wird mich einst rechtfertigen, daß ich dich dahin gebracht habe. Ich schritt auf Sie zu, nahm Ihnen beide Bücher aus der Hand, küßte jedes inbrünstig und sagte: Eine und dieselbe Wahrheit. Eines heilig wie das andere. Sie schienen freundlich zu winken, und ich kehrte zum Altar zurück. Da kam Bärl Lederer und an seiner Hand ein reizendes Mädchen, es war Rösele. Er machte mir ein grinsendes Gesicht, streckte die Zung' auf mich heraus und rief mir dann mit teuflischem Hohn, der mich erbeben machte, zu: «He, Feiwele! Hab' ich dir's gleich gesagt.» Ich wendete mich ab, um die Fratze nicht länger sehen zu müssen. Du wahrlich, sagte ich mir und mein Inneres empörte sich dabei, du wahrlich bist es nicht, der mich in meinem Entschluß wankend machen wird. Was diese da mit ihrer zärtlichen Liebe über mich nicht vermögen, du wirst es nicht mit deinem Grinsen und Höhnen. Ich spotte deiner Prophetie, auf die du dir so viel einbildest, und Schmach' wär' es für mich, länger noch einem Volk anzugehören, das dich zu den Seinigen zählt. Da riß es mich gewaltsam herum, die Interessen des Judenthums. Gestalt war fort, aber sie, sie stand noch da, das Mädchen, in Schönheit und Unschuld strahlend wie ein Engel. Sie warf mir einen Blick zu, daß es mir eiskalt über den Rücken lies: «Weißt du noch», sprach sie, «wie du von uns Abschied nahmst, was ich da für dich gelitten habe? Und kennst du das Vertrauen, was ich meinem Vater zu Trotz in dich gesetzt? Und willst so es rechtfertigen und mich zur Lügnerin machen, daß ich verschämt die Augen Niederschlagen muß, wenn mich der Blick meines Vaters trifft?» Du kennst nicht die Macht der Liebe, erwiderte ich, sieh her, sieh Aurelie, und du wirst alles verstehen und mir vergeben. «Ich sollte die Macht der Liebe nicht kennen? » vernahm ich darauf aus ihrem Munde, «aber doch ja, sie ist schöner, als ich bin; zieh' hin und sei glücklich.» Nun erschien der Bauernbursche, mit dem Strick in der Hand, mit welchem er mich im Walde mishandelte. Sein Gesicht war voll von Schadenfreude. »So ist's recht, Jud'», schrie er, «nun, da du dich von den verfluchten Juden lossagst und einer der Unfern wirst, magst du auch ruhig im Walde liegen, du wirst keine Prügel mehr bekommen.» Schon wollte ich zurücktreten und die Handlung nicht an mir vollziehen lassen, so empörte mich diese Roheit; mein Blick siel auf Aurelie, und ich blieb. Nicht Gewalt, sagte ich mir, hat mich hierher geführt; die Liebe allein hat dies Wunder vollbracht. Da erhob der Priester seine Hand, und eine neue Gestalt schlich zur Thür herein, Gumpel. «Felix!» rief er, «ist es so schön dort drüben, wart', ich folge dir, nimm mich mit. Denk' an unsere Kindheit, du hast mich ja immer mitgenommen, mich allein vor allen andern. Warum willst du mich zurücklassen? Hab' ich mit dir nicht schon damals den Galech mit dem Glöckel gegrüßt? Warte, warte, Felix, daß ich dir Nachkommen kann.» „Halten Sie ein! rief ich dem Priester zu, der die Ceremonie vollziehen wollte, um Himmels willen, halten Sie ein, diesen Menschen darf ich mir nicht auf mein Gewissen laden; er soll mir nicht nach, ich bleib' Jude!

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