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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 333

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 333 (sequence 13)
Language
German
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Der Schlüssel. urein Vater für morgen zu uns gebeten hat?» Hierbei reichte sie mir die Hand, und ich fühlte einen Druck, der mir durch das ganze Leben fuhr. «Ich werde kommen», sagte ich und half dem Vater in den Wagen, welcher rasch dahinrollte und bald meinen nachspähenden Blicken entschwunden war. „Ich hatte den schönsten Abend meines Lebens gelebt. „ Es gibt im Leben eine Art von Glück, das keiner Steigerung fähig ist. Nach einem solchen den Tod zu finden, ist das einzige, das noch ein größeres Glück ist. „Ich befand mich in einem Zustande der Aufregung, wie ich mich nie befunden hatte. Es war mir unmöglich, nach Haufe zu gehen und mich zwischen vier Pfählen einzusperren. Ich machte in später, ungewohnter Nachtstunde noch einen Spaziergang und sog die lindwehende Nachtluft ein, ein Labsal für ein von Wein und Liebe erhitztes Gehirn. Ein neuer Himmel that sich mir auf, der mir viel schöner dünkte als der dunkelblaue da oben, an welchem der Mond majestätisch dahinzog und unzählige Sterne in wunderbarem Glanz strahlten. Spät, sehr spät sucht' ich endlich ermüdet mein Lager aus und träumte dem morgenden Glück entgegen. „Die sehnlich erwartete Stunde kam, und ich lernte in Aurelie einen Geist kennen, von dem ich mich ebenso gebannt fühlte, wie mich die Schönheit und Anmuth ihrer Erscheinung bezauberte. Mit kindlicher Offenheit entfaltete sie mir die herrlichen Eigenschaften ihres reichen Gemüthes, und es bedurfte nur kurzer Zeit, daß wir uns völlig verstanden. Aureliens Vater war viel zu klug und erfahren, als daß er uns nicht hätte durchschauen sollen; er war mir sehr gewogen, und unserm Glück stand nichts im Wege als die Verschiedenheit der Religion. Anfänglich wurde hieran gar nicht gedacht, ich befand mich im ersten Rausch der Liebe. Was kümmerte mich, daß Aurelie eine Christin sei, was lag ihr daran, daß ich ein Jude bin; genug, wir liebten uns. Was fragt die Liebe 333 nach dein Bekenntniß! So vergingen Wochen, Monate. Allmählich stellte sich uns beiden aber der Ernst der Litualion immer klarer heraus, und wir litten die fürchterlichsten Dualen. Wir fühlten, daß wir fürs Leben einander angehören, und suchten vergebens ein Mittel, die zwischen uns gezogene Schranke zu durchbrechen. Aurelie wagte nicht das Wort auszusprechen, mittels dessen ich die Brücke hinter mir abgebrochen hätte; desto stärker fühlte ich in meinem Innern die Forderung der Taufe an mich herantreten. Was ich auch theoretisch dagegen einwenden mochte, die Leidenschaft übertönte die Stimme der Vernunft. Was ist nichtbefriedigter Wissensdrang gegen die Qualen des Zustandes, in dem ich mich befand. Ich kann Sie Ihnen nicht schildern, diese Qualen. Ich stellte mir den Meineid vor die Seele, den ich durch die Taufe beginge, da ich doch nicht aus Ueberzeugung Christ werden wollte; dagegen donnerte mir der Meineid ins Ohr, den ich begehe, wenn ich Aurelie verlasse. Kurz ich war entschlossen, die Brücke hinter mir abzubrechen und mich in den Besitz des geliebtesten Wesens zu setzen. „Nun hören Sie. Die Ceremonie war für den folgenden Tag bestimmt, und ich ging den Abend zu Bett mit allerlei wunderlichen Gedanken, ich konnte nicht schlafen. War es Ungeduld? konnte ich die Stunde nicht erwarten? Oder fühlte ich schon Reue über eine That, die noch gar nicht begangen war? „Unruhig wälzte ich mich aus meinem Lager hin und her; endlich schlief ich ein und hatte einen merkwürdigen Traum. Ich sah mich mit Aurelie bereits in der Kirche und den Priester vor uns, der mir mit einigen Tropfen Wasser mein Judenthum wegwaschen und das einzige Hinderniß meines Glückes aus dem Wege räumen sollte. Da tauchten plötzlich Gestalten auf, die der Situation in der Kirche ein groteskes aber doch rührendes Gepräge verliehen. Meine Aeltern kamen zur Kirchenthür herein, der Vater und die Mutter, Hand in Hand, schweigend, ohne die Lippen auch nur zu bewegen.

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