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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 330

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 330 (sequence 10)
Language
German
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330 Jllustr. MonaLsh. für die gef. „Konntest du wirklich den Gedanken fassen, ins andere Lager hinüberzugehen?" fragte er. Er sprach dies mit solcher Wehmuth, als ob der Fall sich wirklich ereignet hätte, denn er fügte noch die Worte hinzu: „An dem allen bin doch eigentlich ich schuld; ich hätte dir das Buch damals nicht geben sollen." „Beruhigen Sic sich", sagte Felix, mild lächelnd, „von Schuld kann hier gar keine Rede sein; denn jeder gelangt dahin, wohin er durch die innere Anlage gedrängt wird. Hätten Sie" mir das Neue Testament nicht gegeben, so hätt' ich mir's auf andere Weise zu verschaffen gewußt. Uebrigens sehen Sie mich ja hier als einen Nichtabgefallencn." „Gott sei Dank", sagte der Lehrer, „aber erzähle mir doch, wie war es möglich, daß du bei deinem klareil Denken auch nur den Gedanken fassen konntest, überzutreten? Du hast ja an mehrern Stellen, wie ich gelesen habe, ausdrücklich dich dahin erklärt, daß das Christenthum vor dem Judenthum nichts voraus hat!" „Mein Denken", erwiderte Felix, „hätte mich gewiß auch niemals zu dein Schritt verleitet, aber einer andern Macht wäre es bald gelungen, einer Macht, die, wie Sie wissen, stärker ist als der Tod." „Die Liebe also!" sagte der Lehrer. „Die Liebe!" antwortete Felix, „ich hält' es nie geglaubt, doch hören Sie meine Geschichte, und Sie werden mich nicht verdammen." „Solange ich Student war, kümmerte ich mich wenig um das gesellschaftliche Leben. Ich konnte mich demselben zwar nicht ganz entziehen; Sie werden Andeutungen darüber in meinem Tagebuch gefunden haben, die Geschäftsverbindungen meines Vaters öffneten mir nicht nur die vornehmen Salons, sondern nöthigten mir auch die Rücksicht auf, zuweilen in denselben zu erscheinen. „Namentlich bei Schauensteins, wo sich sozusagen eine gewählte Gesellschaft versammelte, mußte ich von Zeit zu Zeit mich sehen lassen. Doch mied ich die Gesellschaft, soviel ich konnte. Jntcressen des Judenthums. Die Art der Unterhaltung in den Salons verursachte mir Langeweile, und ich war jedesmal froh, wenn ich einen solchen Abend hinter mir hatte. Denn was sich in einein solchen Salon herumtummelt, besteht in der Regel aus der schalsten Oberflächlichkeit. Der eine kümmerte sich um nichts als um den Conrszettel und wurde durch nichts in der Welt in größere Aufregung versetzt, als wenn die Papiere um drei Achtel oder fünfzehn Sechszehntel gestiegen oder gefallen waren; der andere war ein wütheuder Zeitungslefer und quälte die Anwesenden mit dem Wiederkäuen der politischen Tageskost, die er tagsüber verzehrt hatte. Ein dritter war ein Enthusiastischer Theaterbesucher und wußte über die Familienangelegenheiten der kleinsten Ballettänzerin mit größerer Genauigkeit Bericht zu erstatten als über die Vorgänge in seinem eigenen Hause. Ein vierter war ein leidenschaftlicher Reiter und sah mit Stolz und Verachtung herab auf jedermann, dem die von ihm gebrauchte Sprache des Sports nicht geläufig war. Der war ein Jäger, jener ein Tänzer, dieser ein Raucher, der andere ein Weinschmecker; so hatte jeder ein Steckenpferd, das er mit beneidenswerther Einseitigkeit Pflegte und hätschelte, weil sich in diesem für ihn die ganze Welt concentrirte. Und nun erst die Damen, die feinen Damen der guten Gesellschaft! Die eine ließ ihren Kindern nur von Franzosen und Engländern Unterricht geben, da man in Deutschland eigentlich doch nichts verstehe; die andere dressirte ihre Kinder für die Kunst, und ihre Leidenschaft war das Kindertheater, das sie in ihrem Hause eingerichtet hatte, und das zu nichts 'anderm diente als dazu, die Kinder um ihre Kindlichkeit zu bringen und Eitelkeit und Gefallsucht in die jungen Gemüther zu pflanzen. Eine dritte war sehr belesen, mußte jeden neuerschienenen Roman auf ihrem Tisch haben und hielt mich für sehr ungebildet, weil ich es bis dahin unterlassen hatte, mich in «Die Geheimnisse von Paris» einzuweihen. Eine vierte spielte gar die Philosophin, eine magere Hofräthin — sie kommt in

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