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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 328

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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326 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Mensch ist und keinen «Chalef» (Schlachtmesser) stellen kann." Felix verzog die Lippen zu einem stillen Lächeln, ohne auf die Bemerkung seines Freundes etwas zu erwidern. Reb Sawel aber, dem dies nicht entging, sagte: „Was lachst du darüber, es trifft dich ja auch so gut wie mich." „Ich werde mich zu trösten wissen", antwortete Felix. „Ich ärgere mich nicht so sehr darüber, daß ich kein Fleisch essen kann", fuhr Reb Sawel fort, „als über das, daß der «Schoichet« ein so ungeschickter Mensch ist; mir hat noch kein «Chalef» von ihm gefallen, wenn ich die Wahrheit reden soll, denn ich pfleg' ihn manchmal, wenn ich just beim «Row» bin, auch anzusehen; ich finde noch immer ein «Pegimele» (eine Scharte), wenn der Schoichet fertig ist und meint, der Chalef ist ganz gut. Wer weiß, wie viel »Trefes» (Ungenießbares) die Khille schon «beschoigeg» (unwissentlich) gegessen hat. Wenn Bärl Lederer das wüßt', möcht' er sagen, daß ein großer - Chet» (Sünde) auf der ganzen Khille lasten müsse." „Mein Freund", sagte Felix, durch die letzte Wendung ernst gemacht, „eine große Sünde lastet allerdings nicht nur auf dieser Gemeinde, sondern auf dem ganzen menschlichen Geschlecht; diese rührt aber nicht her von einer Scharte an einem Schlachtmesser, sondern von einer Scharte in der Seele der Menschheit. Oder glauben Sie wirklich, daß man Gott damit beleidigt, wenn das Messer, das den Ochsen tödtet, weniger glänzend und glatt geschliffen ist?" „Wenn ich das will sagen", erwiderte Reb Sawel erstaunt, „so kann ich auch fragen, ob ich Gott damit beleidige, wenn ich am Schabbes rauche, oder an «Pessech Chomez» (an Ostern ungesäuertes Brot) esse, oder gar am «Jom-Kipur« (Versöhnungstag) nicht faste." „Dehnen Sie diese Fragen aus, soweit Sie wollen", sagte Felix, „sie werden immer berechtigt bleiben; ich meinestheils fasse diese Fragen alle in eine einzige zusammen, und ich habe hier nur an eine specielle Frage angeknüpft, weil sich zu dieser gerade Gelegenheit geboten." „Und welches ist diese eine Frage, ich bin sehr begierig, sie zu hören", sagte Reb Sawel. „Lieber Freund", sagte Felix, „erinnern Sie sich noch an die Fragen, die ich als Ihr Schüler an Sie gestellt habe? Seit jener Zeit habe ich mir noch manche Frage gestellt und manchen innern Kampf durchgekämpft. Ich will Ihnen in diese meine Innenwelt den Einblick eröffnen, denn Sie, mein Freund, verdienen es, mich ganz zu kennen." Hiermit stand Felix auf und nahm Hut und Stock. Reb Sawel war von diesen Anstalten zum Weggehen, die er sich mit den vorausgegangenen Worten nicht zusammenreimen konnte, äußerst betroffen. „Ich begreife dich nicht", sagte er deshalb zu dem jungen Mann, „du willst mir dein Inneres enthüllen, und ich sehe dich forteilen! Wie verstehe ich das?" „Geduld, mein Freund, ein wenig Geduld, Sie sollen sogleich hierüber Aufklärung haben!" und fort war er. Nach kurzer Zeit erhielt Reb Sawel ein versiegeltes Packet, welches ihm der Diener des Or. Frank überbrachte. Neugierig öffnete! Reb Sawel, nachdem der Diener sich entfernt hatte, das Packet und fand unter der Umhüllung ein Buch. Er schlug es auf und las die Worte: „Mein Tagebuch". „Ah so", sagte er zu sich selbst, „hier werd' ich finden, was mich die ganze Zeit über beunruhigt und gequält. Aber warum schickt er Mir sein Tagebuch, warum hat er mir auf meine Frage nicht sogleich geantwortet? Hatte er vielleicht nicht den Muth, mir ins Gesicht zu sagen, was er dem Papier unbelauscht anzuvertrauen gewagt hat? Wir wollen sehen." Nun begann er mit Aufmerksamkeit zu lesen und je weiter er vordrang, mit desto größerm Ernst vertiefte er sich in die hier niedergelegten Betrachtungen. Oesters hielt er im Lesen inne, schüttelte manchmal bedenklich den Kopf und schien über die Richtig-

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