Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht vergessen, daß Felix schon als Kind kein gewöhnliches Kind gewesen ist, und wir dürfen uns auch jetzt nicht darüber verwundern, daß aus dem ungewöhnlichen Kind ein ungewöhnlicher Mensch geworden ist. Das alles kann man sich nicht uanfriemen» (bestellen), wie man will, lind so wie es Gott schickt, so muß inan damit zufrieden sein." Wenn Jentel Frank, die liebende Mutter, deren Herz von Sorgen um den geliebten Sohn belastet war, die Unterredung hätte hören können, welche Felix mit seinem ehemaligen Lehrer hatte, so wäre sie über ihre Fragen aufgeklärt worden. Besser, daß dies nicht der Fall war. Bleibe fort in dem Dunkel deiner Vermuthungen, liebendes Mutterherz! Die volle Wahrheit würd' es dir zu schwer belasten; es thut nicht allen Augen wohl, ungebrochenes Licht zu sehen. X. Enthüllungen. Reb Sawel Kornmehl war sehr erfreut über die Wendung, welche die Dinge genommen hatten; denn jetzt erst, nachdem Felix nach jahrelanger Abwesenheit wieder zurückgekommen war, glaubte er ihn in den sichern Hafen einlanden zu sehen, worin ihm keine Gefahren mehr drohen. Solange Felix abwesend war, fühlte der ehemalige Lehrer sich nicht ganz frei im Gewissen, und wie sehr er auch den Angriffen Bärl Lederer's gegenüber als Anwalt des Abwesenden auftrat, innerlich mußte er sich gestehen, daß Bärl Lederer am Ende doch noch recht behalten könne, denn man soll den Tag nicht loben vor dem Abend. „Und wenn Felix wirklich einen falschen Schritt gethan hätte, wer wäre daran mehr schuld als ich?" sagte er. Jetzt aber war er beruhigt, ja mehr als das, er war innigvergnügt. Hocherfreut war er aber auch über das Benehmen des ehemaligen Schülers. Da er Felix zum ersten mal wiedergesehen, begrüßte er ihn mit einer Art von Scheu, nannte ihn „Herr Doctor" und redete ihn per „Sie" an. Felix aber hat das nicht zugeben wollen. „More rabboch kemore schomaim (die Furcht vor dem Lehrer muß sein wie die Furcht vor Gott)", sagte er, „ich habe noch nicht vergessen an den wahren Spruch: Von allen meinen Lehrern bin ich klug geworden. Darum reden Sic zu mir, wie Sie es ehemals gethan haben, da ich noch ein Kind war. Heißen Sie mich nicht: Herr Doctor, sondern: Felix, nnd sagen Sie mir nicht: Sie, sondern: Du — so ist'S mir lieber." Reb Sawel war entzückt über solche Dankbarkeit und wollte voll diesen ihm eingeräumten Rechten nur unter der Bedingung Gebrauch machen, daß auch Felix ihn nun nicht mehr als den ehemaligen Lehrer, sondern als treuen Freund ansehen solle, der, wenn auch älter an Jahren, doch noch jung am Herzen sei. Das Vorrecht der Freundschaft, sich mit „du" anzureden, solle zwischen ihnen gegenseitig geübt werden, wünschte Reb Sawel in seiner Bescheidenheit. Aus diesen letztem Vorschlag ging der ehemalige Schüler allerdings nicht ein. Schnell entfaltete sich aber zwischen beiden Männern ein inniger Freundschastsbund, und Felix brachte die Stunden, die er seinem Opfer verlangenden Berus abkargen konnte, wenn nicht bei den geliebten Aeltern, am liebsten mit seinem neuen, alten Freunde zu. So saßen die beiden denn auch eines Abends im unterhaltenden Gespräch beisammen, als plötzlich Reb Sawel's Weib mit der Schreckensnachricht ins Zimmer trat, man bekomme schon wieder kein Fleisch in der Khille, der „Schvichet" (Schlächter) hat einen Ochsen „treseh" i ungenießbar) „geschachten". „Koch «Farwelech» (eine Mehlspeise)", sagte Sawel. „Ohne Supp'?" fragte die Frau. „N'ba, koch « Lokschen » l eine andere Mehlspeise) und laß dir denken, es sind die neun Täg'l" war die Antwort Reb Sawel's, und er entsendete hiermit getröstet die Gattin, die in Verlegenheit war, was sie kochen sollte. Nachdem sich die Thür hinter ihr geschlossen, fuhr er fort: „So kommt es, wenn ein - Schvichet» kein anstelliger