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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 325

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
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Der Schlüssel. 325 keit des jungen Mannes, die er als seiil Werk zu betrachten sich berechtigt glaubte. Felix war rüstig und stark und voll aufopfernder Hingebung. Da er aus reichem Hause war, so galt in seiner Praxis nicht das Ansehen der Person, sondern die Gefahr des leidenden als Richtschnur; denn obwvl er Bezahlung für geleistete Dienste annahm, war er doch auf solche keineswegs angewiesen, und er brachte nicht selten halbe Nachte am Krankenbett armer Leute zu, um darauf zu sehen, daß die Pfleger und Wärter von der „Chewre kedischeh" seinen Anordnungen pünktlich Nachkommen. Er war tief überzeugt, daß der Arzt gegen die Natur nichts vermag, aber er war nichtsdestominder bestrebt, da, wo Heilung möglich war, den Gang der heilenden Natur zu fördern, namentlich aber den leidenden die peinliche Lage soviel als möglich zu erleichtern. Diese Aufopferung gewann ihm bald die allgemeine Achtung, und er genoß als junger Mann bereits jene Ehrfurcht, wie sie sonst nur würdigen Greisen gezollt zn werden pflegt. Sein Benehmen war aber wieder andererseits so aufmunternd, seine Freundlichkeit gegen jedermann, der sich an ihn wandte, so ungezwungen, daß sich die Leute des Städtchens von seiner Ueberlegenheit nicht niedergedrückt, vielmehr zu ihm emporgehoben fühlten. Er wandelte unter ihnen umher als ein höherer Mensch, der sich nicht schämt, ihresgleichen zu sein. „lob", sagte eines Abends Jentel Frank zu ihrem Mann, nachdem Felix sich entfernt und auf seine Zimmer zurückgezogen hatte, „ich muß dir ein Geständniß machen, das ich nicht länger mit mir allein herumtragen kann, denn ich bin doch nur ein schwaches Weib und muß mich an dir aufrichten." „Was hast du, Jentel-Leben?" fragte der Gatte mit Bestürzung. „Sag mir, mein Kind", erwiderte sie, „was hältst du von unserm Felix?" „Was soll ich von ihm halten", sagte Lob Frank, „ich mein', er ist Gott sei Dank ein Mensch geworden, von dein Gott und die Welt eine »Noe» (Freude) haben kann." „Das mein' ich auch", sagte Jentel, „aber bereust du es nicht, daß wir ihn haben studiren lassen? Hast du nicht -Eharoteb» «Neue», daß du mir damals gefolgt hast? Denn ich weiß sehr gut, daß du es lieber gesehen hättest, wenn er nach der Barmizweh in dein Geschäft eingetreten war', und heute könnt' er neben dir der erste «Balbos- (Familienvater» inder.Khille sein!" „Was soll ich bereuen", erwiderte Lob Frank, „was Gott selbst so gefügt hat. Wir Menschen machen gar nichts; er macht alles. Gott hat es dir in den Sinn gegeben, und wir sind nur seine « Schelichim» ) Boten) gewesen und haben ausgerichtet, was er gewollt hat." „Du nimmst mir eine Last vom Herzen mit solcher Rede", sagte Jentel und athmete etwas freier, „denn ich Hab' nicht gewußt, ob du mir im stillen vielleicht nicht Borwürfe darüber machst und nur schweigst, um mich zu schonen." Lob Frank lächelte freundlich und sagte: „Wenn dich weiter nichts drückt, als dieses, so kannst du ganz ruhig sein und brauchst dir nicht eine Minus' zu verstören; und was du sonst noch meinst, daß er heut' neben mir der erste »Balbos» in der Khille sein könnt', das kann er als Doetor ebenso gut, wie wenn er das größte Geschäft führet; denn wo soll da der Unterschied sein? Er ist uDhille l'El» (gottlob!) ein Mensch geworden, er hat Kopf und ist gut; betteln zu gehen braucht er auch nicht, Gott hat uns gesegnet mit Reichthum, und er ist unser einzig Kind; er genießt die größte Achtung, man red't ihm die schönsten «Schiduchim» (Partien) weit nnd breit, und er ist nicht nur neben mir, sondern vor mir der erste. Nnd du darfst mir's glauben, daß ich keine »Kineh» (Neid) auf ihn Hab', denn in ihm fühle ich mich selbst geehrt. Der »Kowed» (Ehre) der Kinder ist der «Kowed» der Aeltern. Er ist, wie in »Mischleh» (Sprüche Salomonis) steht, ein Weiser Sohn, der des Vaters Herz erfreut, und nicht

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