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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-02-01 · Heft 5 (Februar 1866) · p. Seite 324

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 5 (Februar 1866)
Date
1866-02-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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324 Jllustr. Monatsh. für die ges. „Hört's da dm an", sagte Berech Krupp, „als ivie wenn er nicht wissen möcht', daß ein Doctor oder ein Arzt am Schabbes schreiben darf, und als wie wenn der vr. Berger nicht auch am Schabbes geschrieben hält' und gefahren war' zu den Patienten, denn «Skone nesosches" (Lebensgefahr) geht über alles; das Hab' ich einmal vom ->Now» selbst gehört, und da hört sich der Schabbes und alles auf, denn ein Doctor ist ein ganz anderer Mensch und hat ganz andere «Mitzwes mekajem« zu sein (Verpflichtungen zu»erfüllen) wie die andern Menschen." „Aber Taback zu rauchen am Schabbes", erwiderte hierauf Bärl Lederer, „das wird doch «efscher» (vielleicht) nicht auch zu den »Mitzwes« von einem Doctor gehören, wenn dn schon ein so großer »Lamden» (Gelehrter) bist, Berechel?" „Wer hat ihn gesehen Taback rauchen?" fragte Sawel Kornmehl. „Ich Hab' derweil nur den Rauch beim Fenster gesehen, und daß das nicht Reb Löb selber gewesen ist, darauf will ich schwören", antwortete Bärl Lederer; „und wenn sich einer mit'n Schormesser balbieren thut", fügte er weiter hinzu, „so ist er auch mehr kein braver Mensch, denn er ist > oiwer» (Übertritt) auf fünf «Lawen» (Verbote), hörst du, Berechel, das hat, scheint mir, auch einmal der »Now» gesagt, und ich hab's gehört, «chodsche» (obgleich) Reb Mechol da meint, daß ich gar nicht weiß, was in Schul vorgeht." „Das ist noch schöner wie schön", sagte darauf Ruche Plauscherin, „du, willst, scheint mir, gar haben, der Doctor soll sich am Freitag ein Schussele Aurum kochen und sich den feinen Gestank auf sein »Ponim» (Gesicht) patzen, oder er soll sich von Schaul Balbierer lassen das «Ponim» verbrennen, daß er aussieht, wie wenu man einen aus der Kalechgrub' herauszieht." „Seht mir da meine neumodisch Aufgeklärte an. Weißt du, Ruche! mir scheint, man wird dir könnnen Brechwasser eingeben", sagte jetzt Gawriele Stuffer. „Wie meinst du das, Reb Gawriele?" fragten mehrere Stimmen. „Wenn ihr die »Maiße» (Geschichte) nicht kennt", erwiderte er, Interessen des Judenthums. „so will ich sie euch erzählen. Einmal ist ein junger Mensch von der Fremd' nach Haus gekommen, hat mit lauter «Passechen» (lauter a) geredt und hat sich krank gelegt. Man schickt nach dem Doctor; der Doctor kommt und fragt ihn, was er gegessen hat, denn er hat sich den Magen verdorben. «Was soll ich gegessen haben«, sagt der «Baldower» (Mann, im verächtlichen Sinn), «einen guten Braten von „Chaserfleisch" (Schweinebraten), und der ist sehr fett gewesen.» «Wie kommt es aber, daß Sie „Chaserfleisch" essen», fragt ihn der Doctor. «Weil ich ein Aufgeklärter bin», sagt er. Wie der Doctor das hört, gibt der ihm Brechwasser. Der «Baldower» hat sich gebrochen, daß er gemeint hat, es ist sein letzter Tag; der Doctor aber hat gesagt: «So, jetzt geht die ganze Aufklärung wieder heraus, und Sie bleiben der alte Esel.»" Die Erzählung fand viel Beifall. Alle lachten, nur eine nicht mit, das war Ruche Plauscherin; denn sie ärgerte sich über den Vergleich. Mehr Ueberetnstimmung herrschte in den Urtheilen und Meinungen der jungen Leute. Die Mädchen fanden ihn ausnehmend schön, und mit Ausnahme einer einzigen scheute sich keine, solches Lob auch offen auszusprechen; nur Rösele ivar mit ihrem Urtheil zurückhaltender und gab auf etwaige Fragen ausweichende Antworten. Die Jungen freuten sich zumeist darüber, daß Gumpel nicht mehr den Felix werde spielen können. „Wenn die Katz' aus dein Haus ist", meinten sie, „haben die Mäus' «Machje» (Nahrung). Jetzt aber sei die Katz' wieder ins Haus gebracht, und die Maus fängt schon an, sich in ihr Loch zu verkriechen"; denn es war ihnen nicht entgangen, daß Gumpel seit jenem Samstag etwas kleinlaut geworden war, und das war kein Wunder, denn Menschen wie Gumpel sind nicht dazu gemacht, ihre Stimmungen zu beherrschen. Unterdeß hatte Felix sich eingerichtet und lebte still in seinem ärztlichen Beruf. Der Doctor Berger, welcher inzwischen alt und schwach geworden war, sah mit Wohlgefallen die Thätig-

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