Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. welchen die Juden für das größte Genie nach Moses halten (1139—1205); außerdem aber eine große Zahl gelehrter jüdischer Aerzte, deren Kenntnisse, sowie diese gesammte spanisch-jüdische Literatur, auch dem Occident und der ganzen Christenheit zugute kam. Aus dieser Zeit schreibt sich auch her die grammatische Ausbildung der neuhebräischen, talmudischen oder rabbinischen Sprache, welche aus dem Althebräischen durch Beifügung aramäischer und chaldäischer Formen sich allmählich gestaltete. — Die Forschungen neuerer Reisenden und Linguisten in Spanien und Afrika (vgl. die Abhandlungen inCotta's „Ausland" und „Magazin für die Literatur des Auslandes", 1865) haben den unumstößlichen Beweis urkundlich hergestellt, daß die derzeit in Europa lebenden Bekenner der mosaischen Religion aus Afrika über Spanien, Italien und Griechenland bei uns eingewandert, lediglich Abkömmlinge der in die assyrische Gefangenschaft geschleppten, verlorenen zehn Stämme seien, welche um 721 v. Chr. nach Medien, als Ansiedler zur Niederlassung in Afrika und zur Colonisation dieses Welttheils durch Ackerbau von Salmanassar gezwungen, sich so festsetzten, sdaß sie an der Scholle klebten und nicht mehr in ihre Heimat nach dem Gelobten Lande zurückzukehren Lust hatten, als die Fürsten zu dieser Auswanderung Erlaubniß ertheilten, vielmehr sich unter den heidnischen Völkern und in alle Welt zerstreuten. Der Beweis hierfür ist durch alte Ruinen, hebräische Grabsteine, Inschriften von Tempeltrümmern durch Pergamenthistorien, genealogische Register und heilige Schriften der afrikanischen Judencolonien von den Gelehrten aufs überzeugendste geliefert. Damit ist denn der lächerlich alberne Vorwand für den fanatischen Judenhaß des gemeinen Mannes, welcher auch den zahllosen unchristlichen Judenverfolgungen, Massacres, Verbrennungen u. s. w. in Deutschland, Holland, Spanien u. s. w. seit dem ersten Kreuzzug (1096) und später (1306, 1349, 1420, 1421, 1574, 1615,1669—70,1730,1779) zur Ausrede dienen mußte: „Die heutigen Juden in Europa seien Nachkommen jener Israeliten, welche vor 2000 Jahren Jesum Christum gekreuzigt haben" — ein für allemal aufs gründlichste widerlegt, zumal von jenen hierosolymitischen Juden keine mehr übriggeblieben, sondern alle unter dem Schwert von Titus und seinen Soldaten oder beim Brande des Tempels und der Hauptstadt Jerusalem zu Grunde gegangen, die übrigen aber nach Asien u. s. w. in die Gefangenschaft als Sklaven verkauft worden sein dürften. (Fortsetzung folgt.) / Chronik. Zur TMMtzichte. Personalnachrichten. Nekrolog. Herr Rabbiner Aub in München erhielt bei Gelegenheit seines siebzigjährigen Geburtsfestes vom König vonBaiern den Michaelsorden. Der Rabbinatsassessor Rosenstein in Berlin, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag, der gerade mit seinem vierzigjährigen Amtsjubiläum zusammentraf. Es wurden ihm bei dieser Gelegenheit viele Beweise der Liebe und Hochachtung von seiten achtbarer Gemeindeglieder zutheil. I)r. Bernahs, Lehrer am Rabbinerseminar zu Breslau, ist als außerordentlicher Professor an die bonner Universität berufen worden. Lobend hervorzuheben ist der Umstand, daß man sich an der Confession des vr. Bernahs (derselbe ist ein strenggläubiger Jude) nicht gestoßen, umsomehr, da seine gleichzeitige Ernennung zum Oberbibliothekar darauf schließen läßt, daß man ihm demnächst eine ordentliche Professur zu übertragen gedenkt. Bisher hatte man sich nur in ganz vereinzelten Fällen entschließen können, ausgezeichnete-Mediciner als außerordentliche Professoren anzustellen; in andern Fällen, sowie für ordentliche Professuren überhaupt, existirten