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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 315

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 315 (sequence 75)
Language
German
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Die Humanitären Bestreb, sowie die so Halicz und Tukizim sich ansiedelten. Die Karaiten sind, nach ihren einfachen Sitten und ihrer Lebensweise zu urtheilen, Tataren, ihrer Religion nach aber Juden, die das mosaische Gesetz in größerer Reinheit bewahrt zu haben scheinen als irgendein anderer Stamm. Sie nennen sich die Kinder der Schrift, ihre Rabbiner werden Chachums genannt und verwerfen den Talmud und dessen Traditionen gänzlich, wie schon oben bemerkt. Aus diesem Grunde sind die Karaiten von den rabbinischen Juden nicht wohlgelitten. Wie in der Lehre, so unterscheiden sie sich auch in ihrer Lebensweise von den andern Juden. Sie beobachten die Landestracht, scheren ihren Kopf und halten viel auf einen üppigen Bartwuchs; auch leben sie untereinander höchst friedlich, sind sehr reinlich und arbeitsam, betreiben sammt Weibern und Kindern den Ackerbau und scheuen auch die schwersten Arbeiten nicht; übrigens beschäftigen sie sich auch mit dem Handel und dem Betrieb von Fuhrwerken. Auf diese, aus dem 8. Jahrhundert stammende, in Syrien, Polen und Litauen zerstreute Wische Sekte der Karaiten oder Karäer folgte ein Jahrtausend später jene der Chasidim oder Chasidäer, welche von „Israel aus Podolien", genannt Baalschern (oder Wunderthäter) zu Anfang des 18. Jahrhunderts gestiftet wurde. Zweifelsohne sind auch mit den altgläubigen Chasidims in Zusammenhang die Zadiks oder Frommen, eine andere altgläubige messianische Judensekte (oder vielmehr ein so benannter Stamm von Familien, aus welchen nach alten Traditionen, Verheißungen und Prophezeiungen, genealogischen Stammbäumen u. s. w. der jüdische Messias hervorgehen soll). Zu Bels in Galizien, zu Kozk in Podlachien, zu Kozienica im Sandomirschen, zu Sada Gora in der Bukowina (rinweit von Czernowitz) und in vielen Judenorten des russischen Reichs leben solche Familienhäupter des zukünftigen Messias, Zadiks genannt, welche großes Ansehen unter den slawischen Juden genießen. Sie leiten ihren gemeinschaftlichen Urc. u. relig. Beweg, des 19. Jahrh. 315 sprung her von einem gewissen Jsrolka aus Podolien, der in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auftauchte. — Der jetzige Stammeshäuptling der Zadiks, der Hausvater der Messiasfamilie und vorläufiger Repräsentant des Messias, ist der von der Masse der altgläubigen Juden als ein Heiliger verehrte derzeitige Patriarch der Familie Jsrolka, welcher sich für den Sprößling eines Zweigs der königlichen Familie der Juden, d. h. des Davidischen Geschlechts hält, aus welchem der zukünftige Messias hervorgehen soll. Dieser Jsrolka lebt dermalen mit seiner Familie in Sada Gora, einein schmuzigen Judennest bei Czernowitz, woselbst er sich inmitten elender Baracken und baufälliger Hütten einen großartigen Palast mit prächtigem Park errichtete und eine glänzende Hofhaltung führt. Rebiche Jsrolka, d. h. Rabbi Jsrolka — so lautet der Name des jetzigen Trägers der Hoffnung Israels aus eine glorreiche Zukunft — ist der reichste Jude Rußlands und Polens, der Herr unermeßlicher Reichthümer und Herrlichkeiten (alles von Weihgeschenken und frommen Opfergaben slawischer Juden herrührend, durch deren phantastischen Messiasglauben sich die Familie seit hundert Jahren Millionen zusammenscharrte); er hat eine Frau nebst vielen Töchtern und Söhnen, die sich, sowie die Schwiegersöhne, in der Umgebung seines Palastes anbauen mußten. Letzterer ist der beliebteste Wallfahrtsort der Juden von Rußland und Polen, Galizien, Bukowina und Walachei, die sich das Glück des bloßen Anblicks des als Baal-Schem (Wundermann) weit und breit berühmten Rabbi Jsrolka mit reichen Geldopfern erkaufen. Sein Großvater pflegte unter Escorte eines Wagens voll Musikanten und mit einer Suite von 20 Leibkosacken auszufahren in Galawagen. Der reine Mosaismus wird nun aber jetzt nirgends mehr gefunden; selbst die Sekte der Karäer, welche den Mosaismus rein erhalten will und so erhalten zu haben behauptet, ist nicht frei von historischer Fortbildung geblieben. Es wäre ein sehr großer Jrrthum,

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