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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 314

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 314 (sequence 74)
Language
German
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314 Jllustr. Monatsh. für die ges. zer Betrachtung des jüdischen Sektenwesens der alten und neuen Zeit, sogleich auf die allgemeine jüdische Cultur- und Literaturgeschichte übergehen. V. Natürlich war auf die successive Umgestaltung der jüdischen Cultformen und Dogmatik von wesentlichem Einfluß zunächst die vorchristliche Sektenspaltung. Das Judcnthum, dessen Traditionen im Talmud vorn Jahre 32 v. Ehr. bis 500 n. Ehr. gesammelt worden, hat sich seit dem Beginn der Seleucidischen Aera und dem Schluß des Prophetenthums im Verlauf von 2157 Jahren in sich selbst und aus sich selbst heraus ohne äußere Einflüsse mannichfach reformirt, im Gegensatz zu den gewaltsamen Reformen durch Essäer, Samaritaner, Pharisäer und Sadducäer direct, und indirect durch Christenthum und Islam, durch Katholicismus und Protestantismus. Die Geschichtschreiber der jüdischen Kirche bezeugen, daß das Judenthum auch nicht einmal während eines einziger! Jahrhunderts in seinen Formen und Institutionen erstarrte. Gleichwie der Islam seine Scheidung in Sunniten und Schiiten aufweist, so ist (wie die Dogmengeschichte beweist) auch das Christenthum selbst noch vor ' der Reformation mehrfache Entwickelungsstadien durchlaufen, und ebenso hat es selbst nach den vielen Kapiteln „6s rskormatious" im „Consilium llricksntinum" noch mannichfaltige Reformen und Verbesserungen erfahren. In ganz gleicher oder ähnlicher Weise finden wir auch schon im alten Judenthum der palästinensischen Epoche die scharf voneinander sich abstoßenden Schulen oder Sekten der Essäer, Pharisäer, Sadducäer und Samaritaner schon vor den Zeiten Christi in lehrhafter und praktischer Wirksamkeit: Lehrmeinungs- und Glaubensparteien, welche eine besondere Beachtung verdienen. 1. Die Essener oder Essäer waren die strengste asketische Sekte, eine Interessen des Judenthums. Art Pythagoräerschule, welche, im Westen des Todten Meeres angesiedelt, als Ackerbauer und Aerzte eine Art Anachoretenleben führten, alle Lustbarkeiten des Lebens flohen und bei entschieden vorwiegender Richtung auf das geistige Element der Religion an gewisse Ordensregeln und dreijähriges Noviziat nebst strengen Prüfungen sich banden vor Ertheilung der geheimen Weihen und vor definitiver Aufnahme in die Sekte. 2. DieSektederPharisäer, welche,in zwei Schulen unterHillel und Schammai, neben den Fasten und Ceremonien auf andere Aeußerlichkeiten großes Gewicht legend, an Unsterblichkeit mit Seelenwanderung und Auferstehung des Fleisches und an Legionen von Engeln und Teufeln als dämonische Mittelwesen zwischen Mensch uno Gottheit glaubend, die menschliche Willensfreiheit völlig leugneten und einem türkischen Fatalismus nachhingen. 3. Die Sadducäer oder Gerechten, Söhne und Anhänger Zadok's und Baithos', eine Art Epikuräer, welche sowie die vierte Sekte, die Samaritaner überhaupt, nur das mosaische Gesetz des Pentateuch anerkennend und am alten Hebraismus festhaltend, die spätem Traditionen und Satzungen, die Engel- und Dämonenlehre, sowie den Unsterblichkeitsglauben verwarfen. Von nicht geringerer Bedeutung sind die neuern jüdischen religiösen Sekten der Karäer und der Chasidäer. Um 750 n. Chr. erschütterte das Judenthum der bis ums Jahr 1500 andauernde religiöse Parteikampf des Rabbi Anan Ben David, der mit seinen in ganz Asien verbreiteten Anhängern zunächst gegen die Traditionen gerichtet, den strengen Talmudismus zu mildern, das Rituale, Opfer- und Cereinonialwesen zu vereinfachen suchte, schließlich aber den Talmud ganz verwarf und sich nur an die Schrift (Kara) hielt; von seinen Anhängern stammt die heutige Sekte der Karäer. Die Karaiten sind die einzigen ackerbautreibendenJuden, welche im 12. Jahrhundert nach Galizien kamen und zu

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