Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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308 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Viermalhunderttausend tüchtige und brauchbare Bewohner unseres Landes erwarten aus der Hand der ungarischen Nation ihre geistige und körperliche Befreiung. Solange wir dieser gerechten Erwartung nicht Genüge geleistet, solange wir den jüdischen Bewohnern unserer Heimat die drückenden Fesseln nicht abgenommen, lastet auf uns eine zweifache Verantwortung, da der Druck, den wir auf ihren Körper zu üben suchen, auch auf den Geist derselben nachtheilig einwirkt. So ein herrlich abgerundeter Gegenstand in einem Augenblick müßiger Launenhaftigkeit unter einen mächtigen Preßstein geschleudert wird — wem ist die Schuld beizumefsen, wenn derselbe infolge dessen eine kantige Gestalt erhalten? Machen wir also wieder gut, was wir durch Verirrungen, die übrigens im Geiste der früheren Zeit gelegen, so recht gründlich verdorben! In Amerika ist in jüngster Zeit die gänzliche Befreiung der Negersklaven proclamirt worden. Eilen wir! Die Geschichte könnte sonst über uns berichten: wir hätten zu ebenderselben Zeit einen Theil der Landesbewohner noch immer in Fesseln zu schlagen gesucht! Bereits im Jahre 1861 hat der liberale und einflußreiche Landtagsdeputirte Herr Kolomann von Tißa einen Gesetzentwurf betreffs der Emancipation der Juden dem Hause unterbreitet, der wegen plötzlich erfolgter Auflösung der Session zur Berathung resp. Annahme nicht gelangen konnte. Der nächste Landtag möge sohin den Faden der Verhandlungen wieder dort aufnehmen, wo dieser vor wenigen Jahren durch die Macht der Ereignisse unerbittlich abgerissen wurde. Es gab eine Zeit, in der meine Stimme nicht spurlos verhallte. Hoffentlich werden die treuen Söhne und Töchter des Vaterlands in dieser wieder den Grundton ihres Herzens erkennen. Möge die Zeit nicht mehr fern sein, wo ein jeder, der aus ungarischen Boden den Fuß gesetzt, von dem Satze durchdrungen sein-wird: „üxtra 8un- Zariam non 68t vita, et si 68t vito, non 68t ita!" — Es umarmt Sie freudig Ihr . . . Dir hAMiMrn DtürrbulM wie die l«Mrn «ck rütziölm HMgMgM des iS. IchrlMüw Md deren Knilch Ml die lmi-lle SteUunN und religiöse Ilelmn des IudrnhuW. i. Die philosophische Kritik der Neuzeit, welche das anatomische Secirmesser an alle Autoritäten und oeren Traditionen oder Doctrin legt und alles mit der Lupe untersucht, ist eigentlich strenggenommen kein ausschließliches Product der Jetztzeit, sondern vielmehr ein Ergebniß der Französischen Revolution, deren Initiative, und ein Fortwuchern der Ideen von 1789, deren Autorschaft wir den Enchklopädisten vindiciren müssen. In der That haben Rousseau, Voltaire, Diderot, d'Alembert, Condillac, Helvetius, Marmontel, Holbach, Rahnal, Saint-Lambert, Grimm (sowie früher ihr Vorläufer Montesquieu) im 18. Jahrhundert für die Franzosen nachzuholen begonnen und wirklich errungen, was die romanische Rasse im 16. Jahrhundert versäumte, wo sich die germanischen Völker Europas von der Geistesbevormundung in religiösen Dingen emancipirten. Ihr Kampf gegen despotischen Druck von oben war damals weniger gegen das Christcnthum und die Religion überhaupt, weniger gegen einzelne Dogmen oder die Dogmatik im allgemeinen, weniger gegen die Tradition und den Mythus oder gegen den Offenbarungsglauben als gegen die Theokratie oder die Hierarchie des Priesterthums gerichtet. Doch handelte es sich nicht blos um Personen, Stände und Kastenprivilegien der Klerisei, sondern auch um Principien, um Verbreitung von möglichst freien Ansichten in theologischen, philosophischen und Staats- Wissenschaften, wodurch man das Terrain ebnete für die spätem Theorien