Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Judenfrage in Ungarn. 307 teratur und Kunst vorteilhaft ausgezeichnet^ Ueberdies ist die Begeisterung selbst des ungarischen hohen Adels für diese Hauptfactoren nationaler Bildung ebenfalls noch nicht sehr alten Datums. Nur vorwärts! — Die Juden werden nicht Zurückbleiben! ^,cl r. „Die Juden haben die Macht der Presse an sich gerissen, die selbe dazu benutzen, um die «öffentliche Meinung» für sich zu stimmen." Also auch dieses Streben involvirt eine Anklage? Sollte es den Juden nicht einmal gestattet sein, für ihr gutes Recht eine Lanze einzulegen? Wenn man sie schon unablässig drückt, so misgönne man ihnen doch nicht den schmerzlindernden Verzweiflungsschrei! — ^cl s. „Die Juden kümmern sich rnn die Wissenschaft nicht." Möglich. Allein dies kommt daher, daß niemand um die „Wissenschaft in ihnen" sich kümmerte. ^<1 t. „Die Juden sind lästige Geschöpfe, denen man überall begegnet. Die Gymnasien, die Real- und technischen Schulen, die Universitäten und Akademien, kurz sämmtliche Lehr- und Bildungsanstalten sind von Juden überfüllt." Ein abermaliger und letzter Aufruf zur Anwendung des „Scherbengerichts"! Für heute nehme ich von Ihnen in gehobener Stimmung Abschied. Es freut mich, die Angriffe gegen eine ganze Klasse nützlicher und würdiger Staatsbürger auf ihren Werth, resp. Unwerth zurückgeführt zu haben. Sie sehen, die Juden sind ihrer Sünden leichten Kaufs los geworden, selbst ohne — „Ablaßgeld"! Uns allen ein sündenfreies Leben wünschend, verharre ... Sechzehnter Brief. Bihar, 9. Oct. 1865. Die Nationalfahnen flattern lustig von den Häusern unserer Staatsbürger als ebenso viele Herolde der anbrechenden Freiheit. Allenthalben wird heftig politisirt, polemisirt, debattirt und ventilirt. Die Wahlen für den bevorstehenden Landtag beschäftigen in lebhafter Weise alle Gemüther und absorbiren für den Augenblick das Interesse des Patrioten. Die Zeit drängt. Auch wir wollen nunmehr unser Thema zum Abschluß bringen. Gestatten Sie mir also, geschätzter Freund, das Resume unserer bisherigen Exposition hier in möglichster Kürze zusammenzufaffen. Liegt es unstreitig im Geiste unsrer Zeit schon, die drückenden Fesseln, die von den Juden mit beispielloser Resignation getragen wurden, zur Ehre der Menschheit endlich allenthalben zu sprengen, so hat sich in letzterer Zeit ein ähnliches Vorgehen für Ungarn als eine unabweisbare Nothwendigkeit, als höchste Lebensbedingung herausgestellt. Die Nationalitäten-Bewegungen, die auf die bevorstehende sociale und staatsrechtliche Neugestaltung unsrer polyglotten Heimat einen entscheidenden Einfluß zu üben berufen sind, gestatten es nicht mehr, eben die Judenfrage wieder für unbestimmte Zeit in den Hintergrund zu drängen. Noch mehr! Während eine genaue und gewissenhafte Berücksichtigung aller gerechten Sonderinteressen der verschiedenen Nationalitäten Schwierigkeiten bietet, die ohne ernstliche Gefährdung der einheitlichen Consolidirung des Landes fast nicht aus dem Wege geräumt werden können, ist es entschieden, daß eine vollständige Gleichstellung der Juden mit den Interessen der ungarischen Krone in keiner Beziehung collidire. Vom politischen, volkswirthschaftlichen und religiösen Gesichtspunkt aus erscheint eine baldige günstige Lösung der Judensrage als höchst dringend. Der ziemlich reichhaltige Sündenkatalog, der den Juden von vielen Seiten entgegengehalten wird, bietet nichts, das als speciell jüdisches Nationalgebrechen bezeichnet werden könnte. All die hier verzeichnten Fehler — im Urcharakter des Volksstammes liegen sie nicht. Sie sind sammt und sonders die natürlichen traurigen Folgen langer Unterdrückung und Knechtung, die unter der wohlthätigen Einwirkung der Freiheitssonne alsbald schwinden werden. 20*